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Salvianus von Massilia († nach 480) - Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (Ad ecclesiam)
IV. Buch

5. Wer andere höher einschätzt als Gott, wird von Gott bestraft

Nein, du glaubst nicht - wir sagten es schon im vorigen Buche - du glaubst nicht, magst du auch die Religion durch dein Gewand vortäuschen, magst du auch deinen Glauben durch den Bußgürtel beweisen, magst du auch deine Heiligkeit durch die Kutte heucheln! Und so [S. 371] sage ich ebenso von Männern wie von Frauen dieser Art; sie glauben nicht! Mag eine noch so eifrig das Gewand der Heiligkeit anziehen und den Schild der Gottgeweihtheit vor sich hertragen, wenn sie mit ihrem Vermögen mehr für andere sorgt als für sich - dann glaubt sie einfach nicht. Denn niemand ist gläubig, der möchte, daß seine Habe eher anderen nützt als ihm selbst; niemand ist da gläubig, der damit zufrieden ist, anderen das Glück mit seinem Elend zu erkaufen; niemand ist gläubig, der ewige Armut auf sich zu nehmen begehrt, um anderen ein zeitliches Wohlleben zu verschaffen. Wer also mit seinem Erbe mehr für andere als für sich selber sorgt, der glaubt nicht, daß ihm das, was er Gott gibt, werde überhaupt nützen können. Es soll mir doch einer von diesen sagen, warum er eigentlich sein Vermögen anderen hinterläßt! Nicht etwa deswegen, weil er als sicher annimmt, daß es dem nützen werde, dem er es hinterläßt? Ohne Zweifel aus diesem Grunde! Wenn du also, wer du auch seiest, das, was du einem hinterlassest, deshalb hinterlassest, weil du sicher bist, daß es demjenigen, dem du es hinterlassest, nützen wird, - so würdest du ohne allen Zweifel in erster Linie alles dir zuwenden, wenn du glaubtest, daß alles, was du in frommen Geschenken hingibst, dir nützen würde; denn um wie viel mehr du dich liebest als jene, denen du etwas hinterlassest, um so viel eher würdest du es dir hinterlassen, wenn du auch nur die leiseste Vermutung hättest, daß es dir nützen könnte. Du hassest dich ja doch nicht selbst, so daß du dir selbst nicht nützen wolltest; aber du glaubst nicht, daß dir das Nutzen bringen wird, was du den Armen hinterlassest. Daher wirst du so empfangen, wie du glaubst. Du schätzest den Erlöser ganz gering ein - und er dich als nichts; du setzest Christus anderen hintan - Christus dich allen anderen; dir ist der Herr im Vergleich auch mit verworfenen Menschen nichts wert - und du wirst dereinst beim Gericht unter den letzten der Verworfenen stehen! [S. 372]

 

 

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Allgemeine Einleitung zu Salvianus Leben und Werk

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger