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Salvianus von Massilia († nach 480) - Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (Ad ecclesiam)

III. Buch

1. Die Absicht des Verfassers in den folgenden Büchern

In den beiden vorausgehenden Büchern habe ich, meine Herrin, du Kirche Gottes, mit den zwei Gruppen deiner Kinder, der einen, die der Welt anhängt, und der anderen, die sich den Anschein eines gottgeweihten Lebens gibt, gewissermaßen getrennt geredet. Im folgenden Buch aber möchte ich, wenn Gott mir gnädig ist, zu beiden reden, je nachdem es die Sache und die jeweilige Überlegung verlangen, indem ich mich bald an die eine oder andere, bald an beide zusammen wende. Es bleibt nur noch übrig, daß beide Teile, wenn sie im Laufe des Lesens die jeweils für sie bestimmten Gedanken erkennen, auch das mit der rechten Liebe zu Gott aufnehmen, was von mir aus Liebe zu Gott ausgesprochen wird. Nun haben wir in unseren ganzen bisherigen Ausführungen immer wieder die Barmherzigkeit und die Mildtätigkeit als das vorzüglichste Gut der Christen hervorgehoben; wir haben durch treffende - so darf ich wohl annehmen - und zahlreiche Zeugnisse bewiesen, daß in diesen Tugenden hervorragende Verdienste für die Frommen und auch hervorragende Heilmittel für die Sünder eingeschlossen sind; und so glaube ich, daß niemand noch Weiteres erwartet, zumal ja derjenige, der wirklich noch mehr Belege wünscht, sich nur an die heiligen Bücher selbst zu wenden braucht; denn diese sind so voll von gewichtigen Zeugnissen, daß es fast nur ein einziges Zeugnis der gesamten Heiligen Schrift gibt. So bleibt nur noch übrig, auf solche un- [S. 324] gläubige Einwände, die von einigen in der verderblichen Absicht einer Entschuldigung entgegengehalten zu werden pflegen, ein paar Worte zu erwidern. Der Heiland sagt im Evangelium, den Menschen werde Geld und Gut zu dem Zweck verliehen, daß sie das Verliehene mit vielfältigen Zinsen zurückgäben, indem er zum geizigen Schuldner also spricht: „Du böser und fauler Knecht, du wußtest, daß ich ernte, wo ich nicht säe, und sammele, wo ich nicht ausstreue. Du hättest also mein Geld den Wechslern anvertrauen sollen, und ich hätte bei meiner Ankunft das Meinige mit Zins zurückerhalten. Nehmt ihm also das Talent und gebt es dem, der zehn Talente hat!" 1Und gleich darauf; „Und den unnützen Knecht werft hinaus in die äußerste Finsternis; da wird Heulen und Zähneknirschen sein." 2Wenn diese Worte auch auf etwas anderes bezogen werden können, so lassen sie sich doch nicht ohne Gewinn auch an dieser Stelle und für unseren Zweck anwenden. Denn da man mit Recht unter den „Wechslern" des Heilandes die Armen und Bedürftigen verstehen kann, da sich das an sie verteilte Geld vermehrt, wird ohne Zweifel alles, was man an die Armen verausgabt, von Gott mit Zinsen zurückgegeben. Daher befiehlt der Herr selbst auch an einer anderen Stelle" 3den Reichen, die Schätze der Welt zu verteilen und sich Beutel zu machen, die nicht veralten. Aber auch durch das Gefäß seiner Auserwählung läßt er es verkünden, 4daß den Wohlhabenden der Reichtum deswegen vom Herrn gegeben ist, damit sie an guten Werken reich werden. Und so behaupte auch ich, der geringste und unwürdigste Diener Gottes: Es ist das erste und heilsamste Gebot eines religiösen Lebens, daß ein reicher Christ, so lange er in diesem Leben weilt, die Reichtümer dieser Welt im Namen und zur Ehre Gottes verbraucht; das zweite aber wäre dies, daß er wenigstens beim Ster- [S. 325] ben alles verteilt, wenn er es schon vorher nicht getan hat, sei es durch die Furcht, sei es durch eine Krankheit, sei es durch irgendwelche andere Notwendigkeit daran verhindert.

1: Matth. 25, 26-28. Mit einigen Änderungen der Vulgata gegenüber.
2: Ebd. 25, 30.
3: Luk. 12, 33.
4: 1 Tim. 6, 18.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger