Salvianus von Massilia († nach 480) - Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (Ad ecclesiam) III. Buch
17. Jeder ist nach der Größe seines Vermögens verpflichtet Nun mag es aber sein, daß dir, einem Reichen, ein solches Liebeswerk der Armut als deinem Vermögen nicht angemessen erscheint und daß du ein feierliches Versprechen hören möchtest, das gerade auf dich paßt! Da hast du als erstes das Wort Gottes an den Reichen im Evangelium: „Geh' hin, verkaufe deine Güter, und du wirst einen Schatz im Himmel haben!" 1Und dann jenes streng verpflichtende 2Gebot, das da ganz allgemein befiehlt: „Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, sammelt euch aber Schätze im Himmel!" 3Und endlich jene [S. 354] Worte, mit denen der Herr alle Besitzer weltlicher Güter zu reichlichen und mildtätigen Werken in der Hoffnung auf die kommende Vergeltung einlädt, wenn er säet, daß jeder, der zu seiner Ehre und aus Liebe zu ihm sein Haus oder seinen Acker oder irgendein anderes Stück seiner Habe zu einem barmherzigen Zweck veräußert, es in der Zukunft hundertfach zurückerhalten werde; und obendrein, heißt es, ,,wird er das ewige Leben besitzen." 4Konnte er denen, die an ihn glauben, etwas Größeres versprechen, als daß er seinen großen Gläubigern zusagte, er werde das Hundertfache zurückzahlen? Und nicht allein das, sondern „das ewige Leben", sagt er, „wird ein solcher besitzen". Das ist viel mehr als selbst die Zurückzahlung des Hundertfachen, weil einer selbst das, was er hundertfach erhält, für immer besitzen wird. Es wird also dann keinen hinfälligen, vergänglichen Besitz mehr geben, keinen, der nach Art des irdischen Reichtums vergehen wird wie ein Schatten, der vorüberzieht, oder wie ein Traum, der entflieht! Nein, was dann von Gott gegeben wird, das wird unsterblich sein; was der Mensch dann empfängt, wird endlos dauern. Und deshalb empfängt, wie ich sagte, einer, der so empfängt, mehr als das Hundertfache, weil es doch den Wert des Hundertfachen übersteigt, wenn dieses Hundertfache ewig ist,
1: Matth. 19, 21; in der Vulgata etwas anders. 2: Praecepto interdictorio: das Adjektiv interdictonus ist nach Pauly ein xxxx xxxx ; Hirner a. a. O. S. 16 rechnet das Wort zu denen, die „apud bonos scriptores non leguntur . 3: Matth. 6, 19 f. 4: Matth. 19, 29.
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