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Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

9. Kapitel.

Er wurde von ihm weggetragen und war so wieder allein innen, nachdem die Türe wie vorher verschlossen worden war. Stehen konnte er wegen der Schläge nicht, also betete er im Liegen; nach dem Gebete aber rief er laut: "Hier bin ich wieder, Antonius; ich fürchte eure Schläge nicht; wenn ihr mich auch noch ärger quält, nichts wird mich trennen von der Liebe zu Christus".1 Dann stimmte er den Psalm an: "Wenn sich auch aufstellt ein Heerlager gegen mich, nicht wird sich fürchten mein Herz."2 So dachte und sprach der Asket; der [S. 700] höllische Feind aber, voll Hass gegen das Gute, wunderte sich, daß Antonius es nach den Schlägen gewagt hatte, wiederzukommen; er rief seine Hunde3 zusammen und rief berstend vor Zorn: "Seht ihr, daß wir ihn weder durch den Geist der Unzucht noch durch Schläge zum Schweigen gebracht haben! Im Gegenteil, er ist sogar noch frech gegen uns. Wohlan, wir wollen ihm anders beikommen!" Denn leicht ist es für den Teufel, alle möglichen Gestalten zur Sünde anzunehmen. Da machten sie nachts einen solchen Lärm, daß der ganze Ort zu erbeben schien. Es war, als ob die Dämonen die vier Mauern des kleinen Baues durchbrechen und eindringen wollten; dazu verwandelten sie sich in die Gestalten von wilden Tieren und Schlangen; und gar bald erfüllte sich der Platz mit Erscheinungen von Löwen, Bären, Leoparden, Stieren und Nattern, Aspisschlangen,4 Skorpionen und Wölfen. Jedes von diesen Untieren bewegte sich nach seiner besonderen Art: Der Löwe brüllte, als wollte er anspringen, der Stier schien mit den Hörnern zu stoßen, die Schlange ringelte sich, aber sie kam nicht, der Wolf stürmte los, blieb aber wie festgebannt; der Lärm aller dieser Erscheinungen zugleich war wirklich schrecklich und ihre Wut grimmig. Antonius, von ihnen zerpeitscht und zerstochen, fühlte zwar heftigen körperlichen Schmerz, aber ohne Zittern und wachsam in seiner Seele lag er da; er seufzte infolge seiner leiblichen Pein, aber klaren Geistes und voll Hohn rief er: "Wenn ihr Macht hättet, genügte es, wenn auch nur einer von euch käme. Aber da der Herr euch die Kraft genommen hat, versucht ihr durch eure Menge vielleicht Furcht einzuflössen. Ein Zeichen eurer Schwäche ist es, daß ihr die Gestalt von wilden Tieren nachahmt" Und voll Mut sagte er weiter: "Wenn ihr es vermögt und Gewalt empfangen habt gegen mich, [S. 701] dann zaudert nicht, sondern kommt heran! Wenn ihr aber nicht könnt, warum verwirrt ihr euch selbst umsonst? Denn ein Siegel ist für uns und eine sichere Mauer der Glaube an unseren Herrn." Sie aber versuchten alles Mögliche und knirschten mit den Zähnen gegen ihn, weil sie sich selbst verspotteten und nicht den Antonius.

1: Röm 8,35.
2: Ps 27,3.
3: Der Adler und der Greif heißt (Διὸς κυών) = Hund des Zeus schon bei Aesch. Prom. 1021.803. Diesen Beinamen tragen auch die Harpyen, Eumeniden, Keren und die Sphinx.
4: Die Gattung der Aspisschlange teilten die Ägypter in 16 Arten ein; die aspis sacra nannten sie (θέρμουθιν) und verehrten sie als heiliges Tier. Mit ihr wurden die Bilder der Isis umwunden, die Könige trugen sie im Stirnband.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung: Die Vita des Antonius.
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger