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Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

82. Kapitel. Die Vision1 des Antonius über die Verwüstung der Kirchen durch die Arianer.Sie trat 341 ein.

Nachdem er so in seiner Art sich zu erkennen gegeben und seinen Besuchern geantwortet hatte, kehrte er wieder zurück auf den inneren Berg. Er trieb seine gewohnte Askese; oft wenn er mit seinen Gästen da saß oder umherwandelte, verstummte er, wie im Daniel geschrieben steht.2 Nach einigen Stunden erst setzte er das Gespräch mit den Brüdern, die bei ihm waren, fort; seine Umgebung merkte dann, daß er ein Gesicht habe. Wenn er auf dem Berge war, erblickte er oftmals das, was in Ägypten vorging und erzählte es dem Bischof Sarapion,3 der bei ihm innen war und beobachtete, wie Antonius in dem Gesicht versunken war. Wie er einmal dasaß und arbeitete, da geriet er in Ekstase und seufzte tief bei dem Gesichte. Nach einer Stunde wandte er sich zu seiner Umgebung, seufzte und geriet in [S. 766] Zittern, betete und beugte die Knie und blieb lange so. Dann stand der Greis auf und begann zu weinen. Jetzt erbebten auch seine Genossen, sie fürchteten sich sehr und wollten von ihm den Grund erfahren; und sie setzten ihm so lange zu, bis er nachgab und erzählte. Mit einem tiefen Seufzer sprach er also: "Meine Kinder, es wäre besser zu sterben, ehe das eintritt, was ich in dem Gesichte gesehen." Als sie wieder baten, sprach er unter Tränen: "Über die Kirche wird Zorn kommen und sie wird Menschen überantwortet werden, die gleich unvernünftigen Tieren sind. Denn ich sah den Altartisch der Kirche, und um ihn standen im Kreise auf allen Seiten Maulesel, und sie stießen mit den Hufen nach innen, wie es ohne Ordnung springendes Getier macht. Jedenfalls", fuhr er fort, "habt ihr gemerkt, wie ich aufseufzte; denn ich hörte eine Stimme, die sprach: 'Verunreinigt wird werden mein Altar.'" Dies sah der Greis. Und nach zwei Jahren erfolgte der Angriff der Arianer, den wir jetzt erleben, und die Beraubung der Kirchen, als sie die heiligen Geräte mit Gewalt fortnahmen und durch Heiden wegtragen ließen;4 als sie sogar die Heiden von ihren Werkstätten wegholten5 und sie zwangen, an ihren Versammlungen teilzunehmen; und mit ihnen taten sie auf dem heiligen Tische, was sie wollten. Da erkannten wir alle, daß die Hufstöße der Maulesel all das dem Antonius verkündet hatten, was jetzt die Arianer unvernünftig tun wie die Tiere. Nach diesem Gesicht tröstete er seine Genossen mit folgenden Worten: "Seid nicht mutlos, meine Kinder! Denn wie der Herr erzürnte, so wird er auch wieder heilen. Und gar bald wird die Kirche wieder ihre alte Ordnung annehmen, und sie wird erstrahlen wie vorher. Ihr werdet sehen, wie die Verfolgten wieder eingesetzt werden, wie sich die Gottlosigkeit wieder zurückzieht in ihre Schlupfwinkel, wie der fromme Glaube überall in voller Freiheit bekannt wird. Beflecket euch nur nicht mit den [S. 767] Arianern. Denn das ist nicht die Lehre der Apostel, sondern der Dämonen und ihres Vaters, des Teufels. Sie ist vielmehr unfruchtbar und unvernünftig und ohne rechten Verstand wie die Unvernunft der Maulesel."

1: Im Jahre 339.
2: Dan 4,16.
3: Athanasius erwähnt ihn mehrfach.
4: Euagr. hat dazu noch: damals wurden durch die unreinen Hände der Heiden die heiligen Opfer befleckt.
5: Euagr.: mit der Annahme der Palmen, was in Alexandria das Zeichen des Götzendienstes ist.

 

 

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Einleitung: Die Vita des Antonius.
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger