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Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

74. Kapitel.

[S. 758] Wieder kamen hierauf andere zu ihm, Menschen, welche bei den Heiden als Weise gelten, und forderten von ihm Auskunft über unseren Glauben an Christus; sie wollten disputieren über die Verkündigung des göttlichen Kreuzes und spötteln. Antonius hielt ein wenig an sich und bedauerte sie wegen ihrer Unwissenheit, dann sagte er durch einen Dolmetscher, der seine Worte trefflich übersetzte: "Was ist schöner, sich zum Kreuze zu bekennen oder Ehebruch und Knabenschändung euren sogenannten Göttern anzudichten? Denn was wir verkünden, ist ein Zeichen von Mut und ein Beweis unserer Todesverachtung; das eure aber sind Leidenschaften der Ausschweifung. Ferner, was ist besser, zu sagen, daß das Wort Gottes sich nicht wandelte, sondern als der in sich gleiche zur Errettung und zum Wohle der Menschen einen menschlichen Leib annahm, damit er durch seine Teilnahme an der menschlichen Geburt den Sterblichen zum Anteil an der göttlichen und geistigen Natur verhelfe, oder in unvernünftigen Wesen das Göttliche nachzuahmen und deshalb vierfüßige Tiere zu verehren, Schlangen und Abbilder von Menschen? Denn dies sind die Gegenstände eurer Verehrung, eurer, der Weisen. Wie könnt ihr es wagen, uns zu verspotten, die wir behaupten, Christus habe sich als Mensch geoffenbart? Wo doch ihr, die ihr die Seele vom Himmel ausgehen lasset, lehrt, sie sei umhergeirrt und von der Höhe des Himmels in den Körper gefallen. Wäre sie doch nur in den menschlichen Körper und nicht auch in Vierfüßler und Schlangen gewandert und gefallen! Unser Glaube lehrt die Gegenwart Christi zur Rettung der Menschen. Ihr aber irrt, wenn ihr von der unerzeugten Seele sprecht. Wir denken an die Macht und Menschenfreundlichkeit der Vorsehung, daß auch dies für Gott nicht unmöglich war. Ihr, die ihr die Seele ein Bild des Nus nennt, schreibt ihr Unfälle zu und redet von ihrer Veränderlichkeit. Und dann behauptet ihr auch vom Nus selbst mit Rücksicht auf die Seele Veränderlichkeit. Denn wie das Bild, so muß notwendig auch das sein, dessen Abbild es ist. Wenn ihr aber über [S. 759] den Nus so denkt, dann überlegt doch, daß ihr auch den Vater des Nus1 selbst schmähet.

1: Über diese ganze, dem Neuplatonismus angehörige Vorstellung vgl. F. Überweg-M. Heinze, Grundriß usw. Bd. III S. 326ff. Wetzer-Welte a. a. O. Bd. 9 Sp. 184. Herzog-Hauok Bd. 13 S. 772.

 

 

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Einleitung: Die Vita des Antonius.
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger