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Athanasius (295-373) - Leben des heiligen Antonius (Vita Antonii)

28. Kapitel.

[S. 717] Bisher habe ich über meinen Gegenstand nur oberflächlich gehandelt; jetzt aber darf ich nicht länger säumen, das, was über die Dämonen zu sagen ist, in größerer Ausführlichkeit zu erörtern; denn ihr sollt eine dauernde Erinnerung daran haben. Als der Herr auf die Erde kam, da stürzte der böse Feind nieder, und seine Kräfte wurden schwach. Deshalb vermag er nichts, aber wenn er auch gestürzt ist, verhält er sich trotzdem nicht ruhig, sondern droht wie ein Tyrann, obgleich nur mit dem Munde. Wenn dies jeder von euch bedenkt, kann er die Dämonen verachten. Wenn sie nun an solche Körper gebunden wären wie wir, könnten sie sagen: Die Menschen, die sich verbergen, finden wir nicht; haben wir sie aber gefunden, dann schädigen wir sie. Wir dagegen könnten uns verstecken vor ihnen und vor ihnen die Türen verschließen. Sie sind aber nicht von solcher Art, sie können durch geschlossene Pforten eindringen, sie halten sich im ganzen Umkreis der Luft auf, sie und ihr Oberteufel; sie sind voll bösen Willens und bereit zu schaden, und wie der Heiland sagte: "Der Teufel, der Vater der Sünde, ist ein Menschenmörder von Anbeginn"1 - da wir aber [S. 718] leben und sogar ihnen zum Widerspruch leben, so haben sie offenbar keine Gewalt. Denn kein Ort hindert sie, uns nachzustellen, sie betrachten uns nicht als Freunde, um uns zu schonen, noch lieben sie das Gute so sehr, um sich zu bessern, sondern sie sind schlecht, und nach nichts trachten sie so sehr, als die Tugendhaften und Gottesfürchtigen zu schädigen. Weil sie aber nichts ausrichten können, vermögen sie nichts als zu drohen; denn wenn sie Macht hätten, würden sie nicht zögern, sondern gleich das Schlechte vollbringen, da sie dazu den bereiten Willen haben, und dies vor allem gegen uns. Aber siehe, jetzt sind wir zusammengekommen und sprechen gegen sie, sie wissen, daß, wenn wir Fortschritte machen, sie selbst machtlos werden. Wenn sie Gewalt hätten, ließen sie keinen von uns Christen am Leben. "Denn ein Gegenstand des Abscheus ist für den Sünder die Frömmigkeit".2 Da sie aber nichts vermögen, wüten sie vielmehr gegen sich selbst, weil sie noch nichts von dem vollbringen können, was sie androhen. Sodann ist auch noch folgendes zu bedenken, um die Furcht vor ihnen zu verlieren: Wenn sie Macht hätten, kämen sie nicht in Scharen, sie würden nicht Trugbilder vortäuschen und sich auch nicht verwandeln, um so ihre Listen auszuführen; es wäre genug, wenn auch nur einer erschiene und das vollbrächte, was er kann und will; denn jeder, dem Gewalt verliehen ist, tötet nicht mit Hilfe einer Erscheinung, noch schreckt er durch die Masse, sondern er macht sofort, wie es ihm beliebt, von seiner Macht Gebrauch. Aber die Dämonen scherzen in ihrer Ohnmacht wie auf der Bühne, sie wechseln ihre Gestalten und machen die Kinder fürchten durch ihre massenhafte Erscheinung und ihre Verwandlungen. Deshalb muß man sie vielmehr verachten als Schwächlinge. Der wahre Engel, den der Herr gegen die Assyrer sandte, bedurfte nicht ganzer Haufen, nicht äußerer Erscheinung, nicht des Lärmes und Getöses; er bediente sich einfach seiner Macht und tötete rasch Hundertfünfundachtzigtausend.3 Die Dämonen aber, machtlos, wie [S. 719] sie eben sind, versuchen zu erschrecken, wenn auch nur durch bloße Erscheinungen.

1: Joh 8,44.
2: Sir 1,25.
3: 4Kön 19,35.

 

 

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Einleitung: Die Vita des Antonius.
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger