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Salvianus von Massilia († nach 480) - Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (Ad ecclesiam)
II. Buch

7. Wie die Witwen, verpflichten sich auch die enthaltsamen Ehegatten zur Wohltätigkeit gegen die Kirche

Wenn daher der Apostel das üppige Leben einer Witwe mit ,,Tod" bezeichnet, so liegt es auf der Hand, daß er alles zum Genuß des ewigen Lebens verteilt wissen möchte, da er doch gar nichts für den Gebrauch des ,,Todes" aufgespart wissen will. Deshalb sagt er: ,,Eine wahrhafte Witwe setzt in ihrer Einsamkeit ihre Hoffnung auf Gott;" er will damit lehren, daß es nicht genug ist, wenn eine Witwe nicht üppig lebt oder nicht reich ist, wenn sie nicht auch Gott anhängt, dem Gebete sich widmet, allen Lockungen der Welt ferne, und durch dies alles eine wahrhafte Witwe ist. Im Hinblick darauf darf eine Frau, die dem „Leben" und nicht dem „Tode" zu eigen sein will, sich nicht damit zufrieden geben, sich um Gottes willen Wohlleben und Reichtum zu versagen, wenn sie sich nicht gleichzeitig durch Gebet und Arbeit es verdient, eine „Witwe Gottes" zu heißen; es ist ja kein Zweifel, daß jemand so im Leibe Christi verbleiben wird, wie er auf dieser Welt Christus angehangen hat nach dem Wort: „Es hängt an dir meine Seele, es hält deine Rechte mich aufrecht." 1Daraus geht klar hervor, daß nur eine Seele, die Gott auf dieser Welt angehangen ist, die Rechte Gottes im zukünftigen Leben aufrecht halten wird. Das also ist die Richtschnur der Witwenschaft.

Wer dürfte dann von den Ehegatten, die Enthaltsamkeit gelobt haben und voll des Geistes Gottes sind [S. 305] zweifeln, daß sie das Ihrige nicht in den Dienst weltlicher Erben stellen wollen, sie, die sich selbst aus der Welt ausgeschlossen haben? Denn wie sollten sie das, was ihnen zusteht, anderen zuschreiben, die sich selbst sich versagen? Sie, die, mit so ungewöhnlicher Tugendkraft gerüstet, erlaubte und - was noch das Größere ist - schon gekostete leibliche Freuden in strenger, bewundernswerter Enthaltsamkeit zu Boden treten, wie sollten sie irgend etwas von ihrem Besitz nicht Gott geloben, da sie doch Gott selbst in ihr Inneres aufgenommen haben? Nach meinem Ermessen kann von einer solchen Ehe mit vollstem Recht gesagt werden; „Frohlocke, Unfruchtbare, daß du nicht gebierst! Erhebe Jubel und jauchze, daß du keine Wehen fühlst! Denn die Einsame soll mehr Kinder haben als jene, die einen Mann hat." 2Unfruchtbar ist das, was nicht gebiert; einsam ist das, was sich von allen Lockungen der Welt abgesondert hat; ohne Mann ist das, was ohne den Umgang des Mannes den Mann so hat, daß es den Anschein hat, als hätte es ihn nicht. Wer möchte nun zweifeln, daß solche Ehegatten, solange sie leben, wie an sich schon, so auch in ihrem Besitz für Gott leben, und wenn sie aus dem Leben scheiden, zusammen mit ihrem Vermögen zu Gott hinübergehen, für den sie gelebt haben? Denn anders, also wenn er seinen Besitz den Weltleuten und damit der Welt selbst hinterläßt, hätte jeder von diesen Leuten vergebens den Namen göttlichen Dienstes beansprucht; er scheint ja doch immer dafür gelebt zu haben, wofür er stirbt. Über die Ehegatten mag nun genug gesagt sein. [S. 306]

1: . 62 (63), 9; in der Vulgata fehlt autem.
2: Is. 54, 1. Vulgata: Lauda, sterilis, quae non paris; decanta laudem et hinni, quae non pariebas, quoniam multi filii desertae magis quam eius quae habet virum.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger