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Salvianus von Massilia († nach 480) - Von der Weltregierung Gottes (De gubernatione Dei)
V. Buch

6. Auch das Bagaudenwesen ist nur eine Folge der Unterdrückung

Nun will ich von den Bagauden sprechen, die durch schlechte und grausame Richter beraubt, niedergeschlagen, getötet wurden, und die nach Verlust des Rechtes römischer Freiheit auch die Ehre des römischen Namens verloren. Wir geben ihnen selbst Schuld an ihrem Unglück, wir geben ihnen in ihrem Unglück einen Namen, wir belasten sie mit einem Namen, den wir selbst geschaffen haben; wir nennen sie Rebellen, wir nennen sie Verworfene, die wir doch zwangen, Verbrecher zu werden. Denn wodurch anders wurden sie Bagauden als durch unsere Ungerechtigkeiten, durch die Ruchlosigkeit der Richter, durch die Proskriptionen und [S. 161] Räubereien derer, die das Amt staatlicher Steuereinhebung zu eigenem Gewinn und Vorteil mißbrauchten, und die die Steuerlisten zu einem Feld für ihre Beutelust gemacht haben? Die nach Art der wilden Tiere die ihnen Anvertrauten nicht regierten, sondern verschlangen, und nicht nur an dem geraubten Hab und Gut dieser Menschen sich sättigten, wie das doch die meisten Räuber gewöhnlich tun, sondern sie auch zerrissen und sozusagen von ihrem Blute sich nährten? Und so kam es, daß diese Menschen, gewürgt und getötet durch die Räubereien der Richter, anfingen, wie Barbaren zu leben, weil man sie keine Römer sein ließ. Sie waren es zufrieden, etwas zu sein, was sie nicht waren, weil man ihnen nicht gestattete, zu sein, was sie gewesen waren; und sie waren gezwungen, wenigstens ihr Leben zu verteidigen, weil sie sahen, daß sie die Freiheit schon völlig verloren hatten. Und was geschieht jetzt anderes als damals, das heißt, daß die, die noch keine Bagauden sind, gezwungen werden, es zu sein? Was nämlich die Gewalttaten und Ungerechtigkeiten anlangt, so zwingt man sie, es sein zu wollen; durch ihre Schwachheit werden sie daran gehindert. So sind sie also sozusagen wie Gefangene, vom Joch der Feinde gedrückt; sie müssen die Pein ertragen aus Not, nicht nach ihrem Willen; ihr Herz sehnt sich nach Freiheit, aber sie schmachten in tiefster Knechtschaft.

 

 

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Allgemeine Einleitung zu Salvianus Leben und Werk

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger