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Gregor der Grosse († 604) - Buch der Pastoralregel (Liber regulae pastoralis)
Zweiter Teil: Vom Leben des Hirten

XI. Kapitel: Wie sehr sich der Seelsorger die Betrachtung des göttlichen Gesetzes angelegen sein lassen muß

Das alles aber geschieht vom Seelsorger in der rechten Weise, wenn er im Geist der Furcht und Liebe Gottes eifrig täglich die Vorschriften des heiligen Wortes betrachtet; denn so können die göttlichen Mahnworte in ihm die Kraft des Eifers, und was das himmlische Leben betrifft, die ganze weise Umsicht wieder herstellen, die ja doch durch den Umgang mit Menschen beständig Schaden leiden; wer durch den Umgang mit der Welt immer wieder ins alte Leben hineingezogen wird, der muß so durch reumütiges Verlangen sich immer wieder zur Liebe des himmlischen Vaterlandes erneuern. Das Herz verliert sich in hohem Grade im Verkehr mit den Menschen; und da es außer allem Zweifel ist, daß es unter dem heftigen Ansturm der äußeren Beschäfti- [S. 128] gungen förmlich zusammenbricht, so muß es unablässig darnach trachten, sich durch Belehrung wieder zu erheben. Daher kommt es, daß Paulus seinen Jünger, dem er eine Herde anvertraut hatte, mit den Worten ermahnte: „Bis ich komme, halte an mit Lesen.“1 Darum sagt David: „Wie liebe ich dein Gesetz so sehr, o Herr! Den ganzen Tag ist es meine Betrachtung.“2 Das ist auch der Grund, warum der Herr dem Moses für das Tragen der Bundeslade die Vorschrift gab: „Mache vier goldene Ringe, die du an den vier Ecken der Lade befestigen sollst; auch mache Stangen von Akazienholz und überziehe sie mit Gold. Diese stecke durch die Ringe, die an den Seiten der Lade sind, damit sie daran getragen werden kann. Sie sollen immer in den Ringen bleiben und nie herausgezogen werden.“3 Was wird durch die Lade vorgebildet, wenn nicht die heilige Kirche? An ihr sollen an den vier Ecken vier goldene Ringe befestigt werden; gewiß, denn da sie sich nach den vier Himmelsrichtungen hin ausbreitet, so wird dadurch angedeutet, daß sie mit den vier heiligen Evangelien ausgerüstet ist. Stangen aus Akazienholz werden verfertigt und zum Tragen in die Ringe geschoben, weil es starker, ausdauernder Lehrer gleich unverweslichen Holzes bedarf, die ohne Unterlaß dem Unterricht in den heiligen Büchern obliegen, die Einheit der heiligen Kirche verkünden und gleichsam in den Ringen steckend die Lade tragen. Denn die Lade mit Stangen tragen, heißt so viel, als die heilige Kirche durch die Predigt guter Lehrer dem ungeschlachten Sinn der Gläubigen näher bringen. Sie sollen mit Gold überzogen sein; denn sie sollen, während sie zu andern reden, auch leuchten durch den Glanz ihres Lebens. Treffend wird noch von den Stangen gesagt: „Sie sollen immer in den Ringen bleiben und nie herausgezogen werden“; denn wer sich dem Predigtamt widmet, darf im Eifer zur heiligen Lesung nicht nachlassen. Die Stangen müssen aus dem Grunde immer [S. 129] in den Ringen sein, damit man, wenn die Lade etwa fortgetragen werden soll, durch das Hineinschieben der Stangen keine Zeit verliert; so wäre es eine große Schande für einen Seelenhirten, wenn er, von Untergebenen in einer geistigen Angelegenheit befragt, jetzt erst lernen müßte, wo er die Frage schon lösen soll. Es sollen vielmehr die Stangen in den Ringen sein, damit die Lehrer, ohne Unterlaß im Herzen die heiligen Worte betrachtend, die Bundeslade ohne Verzug aufheben können, indem sie jeden Augenblick lehren, was not tut. Darum ermahnt der erste Hirte der Kirche die übrigen Hirten mit den Worten: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung gegen jeden, der von euch Rechenschaft über die Hoffnung fordert, die ihr in euch habt,“4 gerade als wenn er sagen wollte: Damit beim Tragen der Lade keine Verzögerung entstehe, dürfen die Stangen nie aus den Ringen kommen. [S. 130]

1: 1 Tim. 4, 13.
2: Ps. 118, 97.
3: Exod. 25, 12—15.
4: 1 Petr. 3, 15.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger