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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Dreizehntes Buch. Briefe aus den Jahren 602-603.

I. (1.) Seinen geliebtesten Söhnen, den Bürgern von Rom.

Inhalt

I.
Gesammtausgabe 1.

Gregor, Knecht der Knechte Gottes, seinen geliebtesten Söhnen, den Bürgern von Rom.

Inhalt: Warnung vor solchen, welche die Arbeit am Samstag für verboten erklären und auch am Sonntag kein Bad gestatten. Der Antichrist werde sowohl die Feier des Sabbats als auch des Sonntags befehlen.

Ich habe vernommen, dass einige schlecht gesinnte Leute unter Euch falsche und glaubenswidrige Lehren ausgestreut haben, und dass dieselben jede Arbeit am Sabbat verbieten. Wie soll ich diese anders nennen als Prediger des Antichrists? Wenn dieser kommt, so wird er sowohl den Sabbat als den Sonntag als Ruhetag begehen lassen. Denn da er vorgibt, er werde nach seinem Tode auferstehen, so will er, dass man den Sonntag in Ehren halte; und weil er das Volk zu jüdischen Gebräuchen zwingt, will er auch die Sabbatfeier, um die äußern Vorschriften des Gesetzes [S. 658] wieder zur Geltung und die ungläubigen Juden auf seine Seite zu bringen.

Denn wenn der Prophet sagt: „Führt am Tage des Sabbats keine Lasten durch eure Tore."1 so galt dies für so lange, als das Gesetz buchstäblich beobachtet werden musste. Nachdem aber die Gnade des allmächtigen Gottes, unsers Herrn Jesu Christi, erschienen ist, darf man die Vorschriften des Gesetzes, die nur Vorbilder gewesen sind, nicht mehr buchstäblich beobachten. Wenn also jemand sagt, man müsse die Vorschrift über den Sabbat beobachten, so muss er ebenso auch die Darbringung der Tieropfer für notwendig erklären; auch muss er die Vorschrift der Beschneidung auch jetzt noch für verbindlich halten. Allein er wird auch hören müssen, was der Apostel Paulus gegen ihn sagt: „Wenn ihr euch beschneiden lasset, so nützt Christus euch nichts."2

Wir fassen also, was vom Sabbat geschrieben steht, geistig auf und halten es im geistigen Sinne. Sabbat heißt nämlich Ruhe. Für den wahren Sabbat halten wir unsern Erlöser, den Herrn Jesus Christus. Wem das Licht des Glaubens an ihn leuchtet, der führt dann am Sabbat Lasten durch die Tore, wenn er durch die Augen die Sünde der Begierlichkeit in das Herz kommen lässt. Keine Lasten führen wir hingegen am Sabbat durch die Tore, wenn wir uns in der Gnade unsers Erlösers befinden und durch die körperlichen Sinne die Last der Sünde nicht in das Herz eingehen lassen. Auch von unserm Herrn und Erlöser liest man ja, dass er vieles am Sabbat getan habe, und dass er sogar die Juden mit den Worten getadelt habe: „Wer von Euch macht seinen Ochsen oder Esel nicht los am Tage des Sabbat und führt ihn zur Tränke?"3 Wenn also die persönliche Wahrheit befohlen hat, den Sabbat nicht buchstäblich zu halten, wem anderem als der Wahrheit selbst widerspricht dann, wer immer die Sabbatruhe nach dem Buchstaben des Gesetzes beobachtet? [S. 659]

Auch ist mir mitgeteilt worden, dass jene Unruhstifter Euch noch etwas anderes vorgemacht haben, dass nämlich niemand am Sonntag baden dürfe. Freilich, wenn jemand aus bloßem Mutwillen und nur zum Vergnügen baden will, so können wir dies auch an einem andern Tag nicht billigen. Wenn es aber um der nötigen Leibespflege willen geschieht, so verbieten wir es auch am Sonntage nicht. Es steht ja geschrieben: „Niemand hasst sein eigenes Fleisch, sondern jedermann nährt und, pflegt dasselbe"4 Ebenso steht aber auch geschrieben: „Pfleget nicht des Leibes um seiner Gelüste willlen!"5 Wenn es nun also verboten ist, den Leib um der Gelüste willen zu pflegen, so ist es gestattet. ihm die notwendige Pflege zuzuwenden. Wenn es übrings eine Sünde ist, am Sonntag den Leib zu waschen, so darf man an diesem Tage auch das Gesicht nicht waschen. Wenn dies aber an einem Teil des Körpers erlaubt ist, warum sollte es, die Notwendigkeit vorausgesetzt, am ganzen Körper nicht erlaubt sein? Hingegen muss man am Sonntag die irdische Arbeit unterlassen und auf jede Weise dem Gebet obliegen. Was an den sechs Wochentagen vernachlässigt worden ist, das soll am Tage der Auferstehung des Herrn durch Gebet gesühnt werden.

An dies, geliebteste Söhne haltet Euch mit Festigkeit und Standhaftigkeit, da Ihr ja den wahren Glauben besitzet: verachtet das Gerede böser Menschen und schenket ihnen nicht leicht Glauben, sie mögen sagen, was sie wollen. Wäget es vielmehr auf der Wagschale der Vernunft, damit Ihr, indem Ihr dem Winde der Irrlehre mit tapferer Beharrlichkeit widerstehet, zu den ewig dauernden Freuden des himmlischen Reiches zu gelangen vermöget.

1: Jer 17:24
2: Gal 5:2
3: Luk 13:15
4: Eph 5:29
5: Rö 13:14

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Gregor

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger