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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Elftes Buch. Briefe aus den Jahren 600-601.

I. (2.) An den Priester Palladius vom Berge Sinai

Inhalt

I.
Gesammtausgabe 2.

An den Priester Palladius vom Berge Sinai

Inhalt: Derselbe wird wegen seiner Versuchungen getröstet und ermahnt, bei üblen Nachreden gleichmütig zu bleiben. Wie man sich überhaupt gegen Lästerer zu verhalten habe. Bitte um das Gebet. Kleidersendung.

Nachdem ich Dein freundliches Schreiben empfangen hatte, ließ ich meinen Sohn Simplicius fragen und erfuhr, welche Versuchung Deine Liebe belästige. Hinsichtlich derselben bedarfst Du jedoch meines Trostes nicht, da die Wahrheit selbst spricht: „Wenn sie den Hausvater Beelzebub genannt haben, wir viel mehr seine Hausgenossen?"1 Ebenso spricht dieselbe: „Wenn ihr von dieser Welt wäret, so würde die Welt das ihrige lieben. Weil ihr aber nicht von dieser [S. 554] Welt seid, sondern ich euch von der Welt auserlesen habe, darum hasst euch diese Welt"2 Unter der Weit sind nämlich die fleischlichen Herzen zu verstehen, welche die Welt lieben. Da ich höre, dass dies Deine. Liebe sehr wohl weiß, so wundere ich mich, dass Du über Menschenworte betrübt worden bist. Wenn man Lob- oder Tadelworte zu hören bekommt, muss man sich immer im Gemüte sammeln, und wenn wir dort das Gute nicht finden, welches man von uns sagt, so muss uns dies sehr traurig machen. Wenn wir hingegen dort das Böse nicht finden, welches die Menschen von uns sagen, so müssen wir darüber große Freude haben. Denn was nützt es, dass die Menschen loben, wenn das Gewissen anklagt? Und warum traurig sein, wenn uns auch alle anklagen, das Gewissen allein aber uns freispricht? Paulus sagt uns: „Unser Ruhm ist dies, das Zeugnis unsers Gewissens."3 Auch Job spricht: „Siehe im Himmel ist mein Zeuge."4(Stellenangabe korrigiert)Wenn also im Himmel uns ein Zeuge ist und ein Zeuge im Herzen, so lass die Toren in der Außenwelt reden, was sie wollen. Was tun sie anderes mit ihren Ehrabschneidungen, als dass sie in den Staub blasen und so den Kot sich in die Augen bringen? Je mehr sie darum blasen, desto weniger begreifen sie die Wahrheit. 5'

Doch muss man auch suchen, sie zur Besinnung zu bringen, ihnen mit Sanftmut zusprechen und sie auf jeglicher Art zu befriedigen suchen. Wir wissen ja, dass hinsichtlich ihrer die Wahrheit selbst sagt: „Damit wir sie nicht etwa ärgern»"5 Wenn ihnen aber die Wahrheit nicht genügen will, so gibt Dir das Evangelium gleichfalls einen Trost. Denn als man zum Herrn sagte: „Weißt du, dass die Pharisäer auf dieses Wort hin sich geärgert haben?"6 antwortete er: „Lasst sie: sie sind blind und Führer von Blinden."7Auch der Apostel Paulus ermahnt: „Wenn es möglich ist, so haltet, so viel es an Euch liegt, mit allen Menschen [S. 555] Frieden!"8 Er wollte sagen, dass wir mit allen Frieden haben sollen; weil er aber voraussah, dass dies schwer zu halten sei, sagte er zuerst: „Wenn es möglich ist." Doch fügte er bei, inwiefern es möglich sei, indem er sagt: „So weit es an euch liegt." Denn wenn wir im Herzen die Liebe gegen unsre Feinde bewahren wollen, so haben wir mit ihnen ohne Zweifel Frieden, obgleich ihn sie mit uns nicht haben. Bei allem also, geliebtester Bruder, Bewahre Dein Herz, wir geschrieben steht: „Mit aller Sorgfalt bewahre Dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.9"

Dies schreibe ich in Kürze Deiner Liebe zur Erinnerung. Ich bitte Dich aber um Dein Gebet, auf dass mich der allmächtige Gott sowohl vor bösen Geistern als vor schlimmen Menschen bewahren wolle. Denn während der Pilgerschaft meines Lebens auf Erden umgibt mich viel Böses zugleich, so dass ich berechtigt bin, mit dem Psalmisten zu sprechen: „Über mich gehet dein Zorn, und deine Schrecken verwirren mich, umgeben mich wie Wasser den ganzen Tag, umgeben mich allzumal.10 Die Gnade des Himmels schütze uns in der Stadt, Euch in der Einsamkeit; denn der Urfeind lässt sich durch die Beschaffenheit des Aufenthaltes nicht von seinen Versuchungen abhalten. Wenn er den Menschen im Paradiese zum Falle gebracht hat, welcher Ort könnte außerhalb des Paradieses sein, an welchem er sich nicht in die Menschenseele einzuschleichen vermöchte? Allein auf den Schutz unsers Schöpfers dürfen wir also vertrauen, und zu ihm wollen wir aus innerster Seele rufen: „Sei mir ein schützender Gott und eine feste Burg, um mich zu erretten!"11

Wir schicken Euch auch als Andenken vom hl. Apostel Petrus eine Kukulle und eine Tunika und bitten dieselben mit der gleichen Liebe aufzunehmen, mit welcher wir sie senden. [S. 556]

1: Matth 10:25
2: Joh 15:19
3: 2 Kor 1:12
4: Ijob 16:19
5: Matth 17:26
6: Matth 15:12
7: Ebd. V. 14
8: Rö 12:18
9: Spr 4:23
10: Ps 87:17, 18
11: Ps 70:3

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Gregor

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger