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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe
Neuntes Buch. Briefe aus den Jahren 598–599

XXVII. (107.) An den Bischof Aregius in Gallien

Inhalt

XXVII.
Gesammtausgabe 107.

An den Bischof Aregius in Gallien1

Inhalt: Trost wegen des Todes der Seinigen. Es wird ihm und seinem Archidiakon der Gebrauch der Dalmatik gestattet und ihm aufgetragen, der Synode beizuwohnen, welche Syagrius zusammenrufen soll, und über die Synode selbst an den Papst Bericht erstatten.

Es ist uns kund geworden, welche Trübsal Eure Brüderlichkeit durch den Verlust der Eurigen getroffen habe, und es war uns dies ein Anlass zu solcher Betrübnis, dass wir, [S. 500] da die Liebe uns aus Zweien zu Einem gemacht hat, Eure Trübsal im eigenen Herzen empfanden. Bei diesem Schmerz aber hat mich die Erinnerung an die Weisheit Eurer Heiligkeit sehr getröstet, der es geziemt, die Trübsal geduldig zu ertragen und in der Hoffnung auf ein anderes Leben nicht lange wegen des Todes in Trauer zu sein. Damit aber nicht irgendeine Trübsal in Eurer Seele verbleibe, so ermahne ich: Entsage dem Schmerz, höre auf traurig zu sein! Denn es geziemt sich nicht, dem Schmerze sich wegen jener hinzugeben, von welchen zu Glauben ist, dass sie durch den Tod zum wahren Leben eingegangen seien. Jene haben etwa für die lange Dauer ihres Schmerzes eine Entschuldigung, welche von einem andern Leben nichts wissen und keine Hoffnung haben auf den Übergang von dieser Zeit zu etwas Besserem. Wir aber, die wir dies wissen, glauben und lehren, sollen nicht allzu traurig sein wegen der Dahinscheidenden, damit nicht, was vor andern den Schein des Zartgefühls hat für uns vielmehr eine Sünde sei Denn es ist eine Art Misstrauen, wenn man sich im Gegensatz zu dem, was man immer predigt, von Traurigkeit einnehmen lässt, da doch der Apostel sagt: „Wir wollen aber nicht, Brüder, dass ihr über die Entschlafenen in Unwissenheit seiet wie die übrigen, die keine Hoffnung haben."2

Dies also, geliebtester Bruder, müssen wir uns in Erwägung des angeführten Grundes vornehmen, dass wir nicht über die Toten trauern, sondern unsre Liebe den Lebendigen zuwenden, denen unser Mitleid zum Nutzen gereicht, bei denen unsre Liebe Früchte bringt. Darum sollen wir nicht zögern, durch Zurechtweisung, Ermahnung, Ratschläge, Aufmunterung und Trost allen nützlich zu sein, denen wir nur können. Unser Wort sei den Guten eine Stütze, den Bösen ein Stachel; es beuge die Stolzen, besänftige die Erzürnten, treibe die Trägen an, gebe den Lauen erwärmende Mahnung, bewege die Widerstrebenden, erweiche die Harten, [S. 500] tröste die Verzweifelten. Denn da man uns Führer nennt, so müssen wir den Weg des Heiles den Wanderern zeigen. Wachsam wollen wir sein in der Sorge für andere und der List des schlauen Feindes den Zugang verwehren. Und wenn etwa ein Schaf von der uns anvertrauten Herde sich auf Abwege verirrt hat, so wollen wir uns mit aller Kraft bemühen, dasselbe zum Schafstall des Herrn zurückzubringen, damit der Hirtenname, den wir führen, uns nicht Bestrafung, sondern Lohn eintrage. Weil aber zu all' dem die Hilfe der göttlichen Gnade notwendig ist, so wollen wir in beständigem Gebet die Güte des allmächtigen Gottes anflehen, auf dass er uns sowohl das Wollen als auch das Können zur Ausführung dieser guten Werke verleihe und uns mit der Frucht derselben beladen auf jenem Wege leite, als den sich der Hirt der Hirten selbst erklärt hat, damit wir alles durch den zu erfüllen vermögen, ohne welchen all' unser Tun vergeblich ist.

Es hat uns auch unser gemeinsamer Sohn, der Diakon Petrus, mitgeteilt, dass Eure Brüderlichkeit zur Zeit Eures hiesigen Aufenthaltes gewünscht habe, wir möchten Euch und Eurem Archidiakon die Erlaubnis erteilen, sich der Dalmatiken zu bedienen. Weil Ihr aber wegen der Erkrankung der Eurigen schnell abgereist seid, so dass der drohende Verlust nicht gestattete, die Sache ausführlicher und wie es erforderlich und geziemend gewesen wäre auseinander zu setzen, uns hingegen bei unsern vielen Geschäften die Rücksicht auf die kirchliche Ordnung nicht gestattete, etwas Neues unüberlegt und plötzlich zuzugeben, — so verzögerte sich die Gewährung der Bitte. Indem wir aber jetzt uns die Verdienste Deiner Liebe ins Gedächtnis rufen, willfahren wir durch dieses amtliche Schreiben Deiner Bitte und gestatten Dir oder Deinem Archidiakon den Schmuck der Dalmatika, indem wir zugleich durch unsern geliebtesten Sohn, den Abt Cyriakus, die betreffenden Dalmatiken übersenden.3 [S. 502]

Auch wünschen wir, dass Eure Heiligkeit der Synode gegen die simonistische Ketzerei, welche wir durch unsern Bruder und Mitbischof Syagrius abhalten lassen, beiwohnen und dass das Pallium, welches wir eben diesem unserm Bruder überschickt haben, ihm dann überreicht werde, wenn er zuvor verspricht durch Synodalbeschluß alle von uns gerügten Missbräuche ans der Kirche zu entfernen. Eure Brüderlichkeit aber soll uns über die ganze Abhaltung der Synode schriftlich Bericht erstatten; denn wir wollen, dass Du selbst, dessen Heiligkeit uns durch Erfahrung sehr bekannt ist, uns alles hierauf bezügliche mitteilest.4

1: Derselbe war Bischof in Gap (dem alten Vapincum in der Dauphinais.
2: 1 Tess 4:12
3: Die Dalmatika war seit Papst Silvester das Ehrenkleid der römischen Diakone. Wie ersichtlich, wurde es aber für eine besondere Konzession gehalten, wenn sogar ein auswärtiger Bischof dieselbe tragen durfte. Anderwärts trugen die Diakone nur die Tunika, welche enge Ärmel hatte, kürzer war und keinen besonderen Schmuck an sich hatte.
4: Über diese Synode selbst ist wenigstens bei Hefele nichts zu finden. Man vermutet, sie sei 600 oder 601 abgehalten worden.

 

 

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