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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Neuntes Buch. Briefe aus den Jahren 598–599

I. (1.) An den Bischof Januarius von Cagliari.

Inhalt

I.
Gesammtausgabe 1.

[S. 428] An den Bischof Januarius von Cagliari.

Inhalt: Der Adressat, der schon IV. 9 und 26 Anlass zum Klagen gegeben, hatte am Sonntag vor der Messe das Erntefeld eines Mannes umgepflügt und nach der Messe die Grenzsteine desselben Ackers entfernt. Es wird ihm die Exkommunikation angedroht, über seine Ratgeber aber dieselbe sogleich auf zwei Monate verhängt.

Der Prediger des allmächtigen Herrn, der Apostel Paulus, spricht: Einen alten Mann fahre nicht hart an!"<1.Tim 5:1/f> An diese Rede muss man sich halten, wenn die Schuld eines alten Mannes nicht der Art beschaffen ist, dass sie der Jugend zum verderblichen Beispiel wird. Wenn aber ein alter [S. 430] Mann der Jugend ein verderbliches Beispiel gibt, so muss man ihn mit strengen Verweisen bestrafen. Denn es steht geschrieben; „Ein Fallstrick für die Jünglinge seid ihr alleJes 42:22 Und ebenso: „Auch ein Sünder von hundert Jahren ist verflucht."Jes 65:20 Von Dir aber mussten wir trotz Deines hohen Alters eine so große Missetat vernehmen, dass wir dieselbe sogleich mit dem darauf gesetzten Banne bestrafen würden, wenn wir nicht noch menschlich die Sache ansehen wollten. Es ist mir nämlich mitgeteilt worden, Du seiest an einem Sonntag vor der Zelebration der „feierlichen Messe hinaus gegangen, um das Erntefeld des Überbringers dieses Schreibens umzupflügen, und habest dann, nach dieser Umpflügung, die feierliche Messe gehalten. Nach der feierlichen Messe haft Du Dich nicht gescheut, die Grenzsteine jenes Besitztums auszureißen. Welche Strafe auf eine solche Tat folgen müsse, wissen alle, die davon hören. Wir wollten indes etwas so Arges von Dir gar nicht Glauben, aber unsers Sohn, der Abt Cyriakus, den wir befragten, erklärte, er habe es so in Erfahrung gebracht, als er sich zu Cagliari befunden habe. Da wir Deiner grauen Haare schonen; wollen, so ermahnen wir Dich: Bekehre Dich endlich, alter Mann, und entsage so großer Leichtfertigkeit in Deinen Sitten und solcher Bosheit in Deinen Werken! Je mehr Du Dich dem Tode näherst, umso besorgter und furchtsamer solltest Du sein. Es wäre eigentlich ein Strafurteil gegen Dich zu fällen; weil wir aber Deine Urteilsschwäche und Dein Alter kennen, so schweigen wir noch vorläufig. Diejenigen aber, auf deren Rat Du so gehandelt hast, sollen zwei Monate lang erkommuniziert sein; jedoch sollen sie, falls ihnen während dieser zwei Monate etwas Menschliches begegnen würde, von der Gnade der hL Wegzehrung nicht ausgeschlossen sein. Nimm Dich aber in Zukunft vor ihren Ratschlägen in acht und halte auch Dich selbst sorgfältig im Zaum, denn sonst könnten wir, falls Du Dich im Bösen [S. 431] als Schüler derer erweisest, deren Meister im Guten Du sein solltest, fernerhin weder mit Deiner Geistesschwäche noch mit Deinem hohen Alter Nachsicht haben.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Gregor

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
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