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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe
Achtes Buch. Briefe aus den Jahren 597–598

XI. (35.) An den Exkonsul Leontius.

Inhalt

IX.
Gesammtausgabe 35.

An den Exkonsul1 Leontius.

Inhalt: Die Frommen tun der Welt, die Weltkinder Gott Zwangsdienste. Dank für Übersendung heiliger Reliquien.

Da es in einem großen Hause nicht nur Gefäße von Gold und Silber, sondern auch von Holz und Ton gibt und einige zu ehrenvollem, andere zu schimpflichem Gebrauche bestimmt sind, wem sollte es unbekannt sein, dass auch im Schoße der Kirche die einen als Gefäße der Schmach zu niedrigen Dingen verwendet werden, andere aber als Gefäße der Ehre sich zu ehrenvollem Gebrauche eignen? Und doch geschieht es häufig, dass einerseits die Bürger Babylons für Jerusalem Frondienste tun und anderseits die Bürger Jerusalems, d. h. des himmlischen Vaterlandes, Frontdienst für Babylon verwendet werden. Denn wenn die Auserwählten Gottes, begabt mit großer Tugend, mit Bescheidenheit geziert, frei von selbstsüchtigem Streben, zu irdischen Dingen verwendet werden, dienen da nicht die Bürger des hl Jerusalem den Werken Babylons? Und wenn solche, die ihren Lastern keinen Zügel anlegen, eine heilige Ehrenstellung einnehmen und selbst bei ihren scheinbar guten Werken nur die eigene Ehre im Auge haben, leisten da nicht die Bürger Babylons dem himmlischen Jerusalem Frondienste? [S. 425] So predigte Judas, den Aposteln beigezählt, lange den Erlöser des Menschengeschlechtes und tat Wunderzeichen gleich den Übrigen; weil er aber ein Bürger Babylons war, so leistete er dem himmlischen Jerusalem seinen Dienst nur als Frone. Joseph hingegen diente, nach Ägypten geführt, einem irdischen Hofe, trug Sorge für zeitliche Dinge und leistete so, was er von Rechts wegen dem vergänglichen Reiche schuldig war. Weil er aber zu den Bürgern des hl. Jerusalems gehörte, diente er, wir gesagt, Babylon nur zur Frone. Du, trefflicher Mann, scheinst mir sein Nachfolger zu sein, da ich sehe, wir Du zwar in irdische Geschäfte verwickelt bist, aber dennoch im Dienste der Sanftmut handelst, unerschütterlich in allem die Demut bewahrest und jedem gibst, was ihm gebührt. So viele Vorzüge werden mir von vielen über Eure Herrlichkeit berichtet, dass ich nicht mehr bloß Ohrenzeuge, sondern vielmehr Augenzeuge derselben sein möchte. Da dies aber nicht möglich ist, so entschädigt mich hierfür Euer guter Ruf. Ein Vorbild der ganzen Kirche d. h. aller Auserwählten war jenes Weib, welches das Gefäß von Alabaster zerbrach und das Haus mit Salbengeruch erfüllte. Und so oft wir etwas hören von guten Menschen, so ist uns als ob wir süßen Wohlgeruch einatmen würden. Und wenn der Apostel Paulus sagt: „Wir sind für Gott der Wohlgeruch Christi, so ist damit deutlich zu verstehen gegeben, dass er für die Gegenwärtigen Wohlgeschmack, für die Abwesenden aber Wohlgeruch gewesen sei. Da nun wir den Wohlgeschmack Eurer Gegenwart nicht genießen können, so erquickt uns der Wohlgeruch Eurer Abwesenheit.

Auch darüber freuen wir uns sehr, dass die Geschenke, welche Ihr uns zugeschickt habt, so sehr ein Bild Eurer Tugenden entwerfen. Wir haben ja Öl vom hl. Kreuze2 [S. 426] und Aloeholz von Euch bekommen. Des einen Berührung bringt Segen, das andere verbreitet Wohlgeruch, wenn man es anzündet. Es geziemte sich, dass ein so trefflicher Mann uns Mittel sandte, den Zorn Gottes zu besänftigen. Auch habt Ihr uns noch anderes für Küche und Keller geschickt; denn da wir aus Leib und Seele bestehen, so musstet Ihr schon für die Eintracht Beider besorgt sein. Doch erklärt Euer liebevolles Herz, dass Ihr über Eure Sendung Beschämung fühlet und dass Ihr nur mit dem Schild der Liebe derselben Euch erwehren könnet. Auch diese Worte haben mir viele Freude gemacht; denn aus einem solchen Herzenserguss ist ersichtlich, wir unfähig der Aneignung fremden Gutes sei,3 wer sogar sich schämt, wenn er sein Eigentum zum Geschenke macht. Ihr nennt Eure Geschenke gering, obgleich sie groß sind; aber ich glaube, durch die Demut Eurer Herrlichkeit werden sie noch größer. Sodann bittet Ihr, ich möchte sie geneigten Sinnes annehmen. Aber erinnert Euch hierbei an die zwei Pfennige einer Witwe. Wenn dieselbe Gott gefiel, weil sie Weniges in guter Meinung opferte, warum sollte den, Menschen nicht gefallen, wer mit demütigen Herzen Vieles gibt?

Wir schicken Euch indessen als Andenken vom hl. Apostelfürsten Petrus einen Schlüssel von seinem hochheiligen Grabe, in welchen auch ein Andenken von seinen Ketten eingeschlossen ist. Was den hl. Petrus bei seinem Martertum gefesselt hat, möge Euch von allen Sünden frei erhalten!

1: Das Konsulat hatte seit 541 aufgehört, wurde aber als Titulatur, die für Geld zu haben war, fortgeführt.
2: Nach alten Schriftstellern, besonders Beda de locis sanctis c. 20, floss aus den Reliquien des hl. Kreuzes Christi krankenheilendes Öl.
3: Diese Äußerung scheint sich auf eine falsche Anklage zu beziehen, die von irgend jemand gegen Leontius erhoben worden war. Denn offenbar würde der hl. Gregor sonst nicht diese Bemerkung in seinen Dank verflechten.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
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