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Palladius von Helenopolis († vor 431) - Leben der Väter (Historia Lausiaca)

Das Leben der heiligen Väter [Einleitung].

[S. 319] Viele haben viel und mancherlei Schriften zu verschiedenen Zeiten in dieser Welt hinterlassen; die einen, durch Gottes Gnadenhauch vom Himmel her bewogen, zur Erbauung und Bestärkung für jene, die treulich festhalten an den Lehren des Erlösers; die andern trieben ihr Unwesen in verdorbener Absicht, um Menschen, die nach eitlen Dingen lüstern sind, Vergnügen zu bereiten; wieder andere, durch den Einfluß des Teufels, der alles Gute haßt, verblendet und angestachelt, suchten unachtsame Menschen zu schädigen, deren Sinn zu verwirren aus Wut über ihren ehrwürdigen Wandel und der makellosen katholischen Kirche ein Schandmal anzuheften. Ich glaube darum,1 trotz meiner Armseligkeit, Deinem Verlangen nach Belehrung und geistigem Fortschritt, hochedler Mann, entgegenkommen zu müssen. Im dreiunddreißigsten Jahre meines Wandels mit den Brüdern als Mönch, im zwanzigsten meines bischöflichen Amtes, im sechsundfünfzigsten meines ganzen Lebens hab' ich darum Deinem Wunsche gemäß in diesem Buch ausführlich erzählt, was ich aus fremdem Munde zu hören bekam oder aus eigener Anschauung weiß von den Vätern, von Männern und Frauen, mit denen ich selbst zusammentraf in der ägyptischen Wüste, in Libyen, in der Thebais und in Syene, darunter auch jene von Tabennä, ferner in Mesopotamien, Palästina, Syrien, den Länderstrichen des Westens, in Rom und Kampanien und den angrenzenden Gebieten. Dies alles hab' ich aufgezeichnet, damit Du in würdiger Weise gemahnt werdest, für Deine Seele zu sorgen; im Besitz eines nie versiegenden Arzneimittels wider alle [S. 320] Nachlässigkeit die böse Begierlichkeit überwindest, wenn sie Dich einschläfern will; allen Wankelmut und kleinlichen Sinn für irdische Dinge, alles ängstliche Zaudern in Deinem Charakter, Jähzorn, Verwirrung, Trauer, grundlose Furcht und das Vertrauen auf diese Welt aus Deinem Innern entfernst; voll unablässiger Sehnsucht an Frömmigkeit zunehmest, Dein eigener Führer seiest und Deiner Untergebenen, vor allem jedoch der überaus frommen Kaiser. Dadurch sollen alle, die Christus lieben, angeeifert werden, nach Vereinigung mit Gott zu streben. Täglich sollst Du die Auflösung Deines Leibes erwarten, wie geschrieben steht: "Gut ist es, aufgelöst zu werden und mit Christo zu sein"2 und wiederum: "Besorge deine Arbeit für den Ausgang und bestelle dein Feld".3 Denn wer immer eingedenk bleibt, daß der Tod kommen muß, und nicht zögert, der wird nicht in schwere Sünde fallen.4 Unterschätze nicht den Lehrgehalt dieser Berichte und verachte nicht die schmucklos einfältige Sprache! Denn es ist nicht Aufgabe der göttlichen Lehre, mit Wissenschaftlichkeit zu prunken, sondern durch die Kraft der Wahrheit den Geist zu gewinnen, wie geschrieben steht: "Öffne deinen Mund dem Worte Gottes!"5 und wieder: "Laß dir die Rede der Alten nicht entgehen, denn auch sie haben von den Vätern gelernt".6

1: Die ersten Worte dieser Einleitung oben: (xxx) usw. zusammen mit der Stelle (xxx) erinnern an den ersten Satz des Lukasevangeliums. Im Urtexte stehen sie innerhalb des gleichen Satzgefüges, das übrigens erst mit dem Schriftwort aus Sirach (8,9) auf S. 6 [320] endet.
2: Vgl. Phil 1,23.
3: Vgl. Spr 24,27.
4: Vgl. Sir 7,40
5: Spr 24,76 (LXX)..
6: Sir 8,9 f

 

 

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Einleitung zur Historia Lausiaca

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger