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Palladius von Helenopolis († vor 431) - Leben der Väter (Historia Lausiaca)

Brief des Palladius an Lausus

Ich lobe Deine Absicht - es ist ja passend mit einem Lobe den Brief zu beginnen - daß, während alle nach Eitlem haschen und steinerne Bauten errichten, von denen sie keinen Nutzen haben, Du selbst erbauliche Belehrung suchest. Denn nur Gott allein, der Schöpfer aller Dinge, hat nicht nötig, belehrt zu werden, weil er das Leben aus sich selber hat; dagegen müssen sich alle anderen Wesen belehren lassen, weil sie gemacht und geschaffen sind. Die auf höchster Stufe stehen, haben als Lehrmeisterin die hocherhabene Dreifaltigkeit; die der zweiten Stufe lernen von jenen der ersten; die der dritten von jenen der zweiten und so der Reihe nach bis zu den letzten; denn wer die anderen an Kenntnis und Tugend übertrifft, ist Lehrmeister für die Schwächeren. Wer dagegen wähnt, er habe keinen Lehrer nötig und liebevolle Unterweisung verachtet, krankt an Unwissenheit, die der Hoffart Mutter ist. Solche gehen auf die nämliche Weise zugrunde wie jene, die durch dieselbe Leidenschaft vom Himmel stürzten und jetzt als Teufel das Luftreich durchflattern müssen, weil sie den Lehrmeistern im Himmel den Rücken wandten. Nicht die Sorgfalt für Silben und Worte beweist, daß jemand Nutzen aus der Lehre zieht - darauf verlegen sich zuweilen auch grundverdorbene Menschen - vielmehr Fortschritt im Guten, Gleichmut, Unerschrockenheit, Mut und Milde mit Offenheit, die flammengleiche Beredsamkeit eingibt. Wenn es nicht so wäre, sagte nicht der große Lehrer zu seinen Schülern: "Lernet von mir, denn ich bin sanft und demütig von Herzen!"1 Damit [S. 318] gebot er den Aposteln durchaus nicht, kunstvolle Reden zu halten, sondern einen frommen Wandel zu führen, niemand streng entgegenzutreten außer jenen, die Lehre und Lehrer hassen. Denn wer seine Seele nach Gottes Willen in strenger Zucht hält, muß entweder getreulich erlernen, was er nicht weiß, oder deutlich lehren, was er kennt. Will er keines von beiden, so muß er von Sinnen sein. Wer abfällt von der Lehre, fühlt erst Unlust und Ekel am Worte, nach dem die gottliebende Seele dürstet. Darum sei mutig, stark und standhaft! Und Gott gebe Dir, daß Du zur Erkenntnis Christi gelangest!

1: Mt 11,29.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger