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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Zehnte Homilie. Kap. III, V.1-6.

1.

V.1: "In jenen Tagen erschien Johannes der Täufer, predigte in der Wüste Judäa's

V.2: und sagte: Tuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe."

Welches sind jene Tage? Johannes trat ja nicht schon damals auf, als der Heiland noch ein Kind war und nach Nazareth kam, sondern erst nach dreißig Jahren, wie auch Lukas bezeugt. Warum sagt also Matthäus:" In jenen Tagen"? Die Hl. Schrift pflegt diesen Ausdruck regelmäßig zu gebrauchen. Nicht bloß wenn sie von Dingen redet, die bald auf ein vorher erzähltes Ereignis folgen, sondern auch bei solchen, die erst viele Jahre später geschehen sollten. So z.B. auch da, wo sie berichtet, wie die Jünger zum Herrn kamen, der auf dem Ölberg saß, und ihn über seine Wiederkunft befragten und über die Zerstörung Jerusalems. Ihr wißt aber doch, wie weit diese beiden Dinge zeitlich auseinander liegen. Nachdem er nämlich über den Untergang der Hauptstadt gesprochen und seine Rede beendet hatte, fuhr er, um auf das Weltende überzugehen, fort mit den Worten: "dann wird auch das geschehen"1 . Doch wollte er mit diesem "dann" nicht beide Zeitereignisse verbinden, sondern nur jene Zeit angeben, in der dieses geschehen sollte. So macht es der Evangelist auch jetzt mit den Worten: "In jenen Tagen". Denn nicht um die2 zeitliche Aufeinanderfolge zu bezeichnen, gebraucht er diesen Ausdruck, sondern um jene Zeit zu nennen in der das geschehen soll, wovon er zu erzählen sich anschickte. Aber, fragst du, weshalb kam Jesus nach dreißig Jahren zur Taufe? Um nach dieser Taufe das ganze Gesetz aufzuheben. Deshalb blieb er bis zu dem Alter, in dem man jede Sünde begangen haben kann, unter dem Gesetz und beobachtete alle seine Satzungen, damit niemand sagen könne, er habe es nur deshalb aufgehoben, weil er es nicht habe halten können. Unsere Leidenschaften befallen uns ja nicht immer alle zu gleicher Zeit, vielmehr tun wir in der ersten Jugend, was unverständig und kindisch ist; später tritt die böse Lust in den Vordergrund und ihr folgt die Begierde nach Hab und Gut. Deshalb wollte der Herr all diese Jahre durchleben und dabei in allem das Gesetz beobachten, und dann erst zur Taufe kommen, damit sie den Abschluß aller anderen Vorschriften bildete, denen er sich unterworfen hatte. Denn dass sie der letzte Akt seines Gehorsams gegen das Gesetz sein sollte, kannst du aus seinen eigenen Worten entnehmen, da er sagte: "Denn so geziemt es sich, dass wir alle Gerechtigkeit erfüllen"3 . Der Sinn dieser Worte ist der: Alles, was das Gesetz vorschreibt, hab ich erfüllt; nicht eine Vorschrift hab ich übertreten. Da also nur noch dieses eine Gebot übrig bleibt, muß ich auch diesem noch genügen, und so werde ich alle Gerechtigkeit erfüllen. Gerechtigkeit nennt er nämlich hier die Erfüllung sämtlicher Gesetzesvorschriften.

Dass also Christus gerade aus diesem Grunde zur Taufe kam, ergibt sich klar aus dem Gesagten. Warum kam ihm aber gerade diese Taufe in den Sinn? Dass der Sohn des Zacharias nicht aus eigenem Antrieb, sondern auf die Eingebung Gottes hin zu dieser Taufe kam, ergibt sich auch ganz klar aus den Worten des Lukas: "Es erging an ihn das Wort des Herrn"4 , das heißt der Befehl. Und Johannes selbst sagt: "Derjenige, der mich gesandt hat zu taufen in Wasser, der hat zu mir gesprochen: Über wen du den Geist in Gestalt einer Taube wirst herabsteigen und über ihm schweben sehen, der ist es, der im Heiligen Geiste tauft"5 . Weshalb erhielt also Johannes den Auftrag zu taufen? Auch das offenbart uns der Täufer mit den Worten: "Ich habe ihn nicht gekannt; nur damit er Israel geoffenbart würde, kam ich und taufte in Wasser"6 . Wenn aber dies der einzige Grund war, weshalb heißt es dann bei Lukas: "Er kam in die Gegend des Jordan, und predigte die Taufe der Buße zur Nachlassung der Sünden"?7 . Diese Taufe vermittelte ja doch keine Sündenvergebung; vielmehr war dies ein Geschenk der späterhin gespendeten Taufe. Denn nur "in dieser sind wir alle zusammen begraben worden, durch sie ward der alte Mensch in uns gekreuzigt8 , und vor dem Kreuzestode Christi ist nichts von Sündenvergebung für irgend jemand bekannt; denn überall wird diese Wirkung seinem Blute zugeschrieben. Auch Paulus schreibt: "Aber ihr seid abgewaschen, aber ihr seid geheiligt worden, nicht durch die Taufe des Johannes, sondern im Namen unseres Herrn Jesus Christus, und im Geiste unseres Gottes"9 . Und anderswo sagt er: "Johannes predigte die Taufe der Buße", nicht: die der Sündenvergebung, "damit sie an den glaubten, der nach ihm kommen sollte"10 . Oder wie hätte es eine Sündenvergebung geben sollen, solange das Kreuzesopfer noch nicht dargebracht und der Hl. Geist nicht herabgestiegen war, solange die Sünde nicht gelöst, die Feindschaft nicht aufgehoben und der Fluch nicht beseitigt war?

1: Mt 24,9
2: unmittelbare
3: Mt 3,15
4: Lk 3,2
5: Joh 1,33
6: ebd V.31
7: Lk 3,3
8: Röm 6,4.6
9: 1 Kor 6,11
10: Apg 19,4

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger