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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Neunte Homilie. Kap II, V.16-22.

1.

V.16: "Da sah Herodes, dass er von den Magiern getäuscht worden war. Er geriet darob in großen Zorn und sandte Häscher aus mit dem Befehle, in Bethlehem und seiner ganzen Umgebung sämtliche Knaben von zwei Jahren und darunter zu töten, entsprechend der Zeit, die er von den Magiern ausgeforscht hatte."

Es wäre besser gewesen, Herodes wäre nicht in Zorn, sondern in Furcht und Angst geraten und zur Einsicht gekommen, dass er sich an Unmöglichem versuche. Allein er läßt sich nicht abschrecken. Wenn nämlich die Seele einmal blind und unheilbar geworden ist, so ist sie für keines der Heilmittel mehr zugänglich, die Gott uns geschenkt. So siehe denn, wie Herodes nach all den früheren Kämpfen auch diesen noch auf sich nimmt, einen Mord zum andern fügt und alles tut, um in sein Verderben zu rennen. Wie von einem Dämon, so ist er von seinem Zorn und seiner Eifersucht besessen, er hört nicht mehr auf die Stimme der Vernunft, sondern wütet selbst gegen die Natur, läßt seinen Zorn über die Magier, die ihn überlistet, an den unschuldigen Kindern aus, und wagt es, eine ähnliche Missetat in Palästina zu begehen, wie sie einmal in Ägypten vorgekommen war.Unter dem Pharao, der alle männlichen Judenkinder zu töten befahlEx 1,15.22 . "Denn",so sagt der Evangelist, "Herodes sandte Häscher aus mit dem Befehl, in Bethlehem und seiner ganzen Umgebung alle Knaben von zwei Jahren und darunter zu töten, entsprechend der Zeit, die er von den Magiern ausgeforscht hatte." Gebt hier ganz besonders acht! Denn manche reden da alles Mögliche zusammen wegen dieser Kinder, und sagen, es sei ein Unrecht gewesen, dass so etwas zugelassen ward. Die einen bringen ihre Bedenken hierüber in mehr bescheidenerer Form vor, andere mehr in anmaßendem, unwilligem Tone. Um also die einen von ihrem Unmut, die anderen von ihren Zweifeln zu befreien, laßt mich ein wenig bei diesem Gegenstand verweilen.

Wenn man es tadeln will, dass der Mord der Kinder zugelassen wurde, so muß man es auch tadeln, dass jene Soldaten den Tod fanden, die den Petrus bewachten. Im einen Falle sind wegen der Flucht des Jesuskindes andere Kinder statt des gesuchten getötet worden; im anderen Falle hat der Engel den Petrus aus Kerker und Banden befreit. Als daher der Tyrann, der mit jenem ersten den Namen und die Gesinnung gemeinsam hatte, ihn suchte und nicht fand, ließ er statt seiner die Soldaten töten, die seine Wächter gewesen. Aber was willst du damit beweisen, fragst du? Das heißt man ja die Schwierigkeit nicht lösen, sondern vergrößern. Auch ich bin mir dessen bewußt, und gerade darum bringe ich dies alles vor, um alles auf einmal zu beantworten. Wie kann man also diese Schwierigkeit lösen? Welch annehmbare Antwort könnte ich darauf geben? Die, dass nicht Christus schuld war am Tode jener unschuldigen Kinder, sondern die Grausamkeit des Königs; und dass nicht Petrus schuld war am Tode der Soldaten, sondern der Unverstand des Herodes. Hätte der die Mauer durchbrochen gesehen, oder die Kerkertüren zerstört, so hätte er vielleicht den Soldaten, die den Apostel bewachten, noch Fahrlässigkeit vorwerfen können. So aber war alles an seinem Platze geblieben; die Türen waren verschlossen, die Ketten hingen noch an den Händen der Wächterdenn Wächter und Gefangene waren aneinander gekettet . Daraus konnte Herodes, wenn er den Vorfall richtig beurteilen wollte, den Schluß ziehen, dass das Geschehen nicht Menschenwerk war und kein Vergehender Soldaten vorlag, sondern dass eine göttliche, wunderwirkende Macht eingegriffen hatte; und vor dem Urheber dieser Tat hätte Herodes sich beugen, nicht aber gegen die Wächter einschreiten sollen. Denn alles, was Gott getan hat, hat er in einer Weise getan, dass er nicht bloß die Wächter dem Tode überantwortete, sondern im Gegenteil den König durch sie zur Wahrheit hätte führen können. Wenn aber der sich blind zeigte, nun, welche Schuld trifft den weisen Seelenarzt, der alles zum Besten anordnet, wenn der Kranke nicht gehorcht? Das trifft auch hier zu. Warum denn, Herodes, bist du in Zorn geraten, als du von den Magiern getäuscht worden warst? Hast du nicht gewußt, dass es sich hier um eine übernatürliche Geburt handelte? Bist nicht du es gewesen, der die Hohenpriester gerufen? Hast nicht du die Schriftgelehrten versammelt? Und als sie kamen, haben sie da nicht vor dein Tribunal den Propheten mitgebracht, der alles dies schon längst vorausgesagt? Sahest du nicht, wie der Alte mit dem Neuen übereinstimmte? Hörtest du nicht, dass sogar ein Stern den Magiern dienstbar war? Hat der Eifer der Barbaren dich nicht beschämt? Hat ihr Mut dir keine Bewunderung abgenötigt? Erfaßte dich nicht Scheu und Ehrfurcht vor der Wahrheit des Propheten? Konntest du nicht von dem Früheren auf diese jüngsten Ereignisse schließen? Warum hast du nicht aus all dem bei dir selbst den Schluß gezogen, dass nicht eine List der Magier die Dinge so gewendet, sondern die Macht Gottes, die alles leitet, wie sie will? Und wenn dich auch die Magier getäuscht hätten, was hatten damit die unschuldigen Kinder zu schaffen?

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger