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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe

Zweites Buch. Briefe aus den Jahren 591—592.

I. (23.) An den Bischof Johannes von Locrida in Illyrien.

Inhalt

I.
Gesammtausgabe 23.

An den Bischof Johannes von Locrida in Illyrien.1

Inhalt: Gregor wünscht dem Adressaten Glück zu seiner einstimmigen Wahl, bestätigt ihn als seinen Stellvertreter, gibt ihm heilsame Anweisungen und warnt ihn vor Simonie.

Offenbar ist es ein Zeichen von Vortrefflichkeit, wenn bei der Wahl eines Mannes Alle übereinstimmen. Weil Ihr nun nach dem Bericht Unsrer Brüder und Mitbischöfe mit einhelliger Zustimmung der ganzen Wahlsynode und [S. 94] nach dem Willen des erlauchtesten Kaisers zur bischoflichen Würde erhoben seid, so danken Wir dafür mit großer Freude dem allmächtigen Gott, unserm Schöpfer, der Euer früheres Leben und Eure bisherigen Werke so lobwürdig gemacht hat, daß er Euch dadurch dem Urtheil Aller, was sehr lobenswürdig ist, wohlgefällig werden ließ. Dem stimmen anch Wir in Bezug auf die Person Deiner Brüderlichkeit vollkommen bei. Auch bitten Wir den allmächtigen Gott, wie er Ew. Liebden2 durch seine Gnade erwählt, so wolle er Euch auch durch seinen Schutz in Allem behüten. Wir übersenden nach Sitte das Pallium und erneuern wiederholt die Vollmacht, den apostolischen Stuhl zu vertreten. Dabei ermahnen Wir Euch jedoch, Euch gegen die Untergebenen friedliebend zu erweisen, damit sie Eure Rechte mehr lieben als fürchten lernen. Sollte eine Verschuldung es erfordern, so werdet Ihr den Fehler in solcher Weise gut zu machen suchen, daß Euch dabei die väterliche Liebe ja nicht aus dem Herzen schwinde.3Seid wachsam und eifrig in der Sache für die anvertraute Heerde und streng in Aufrechthaltung der Zucht, damit der gierige Wolf weder den Schafstall des Herrn zu stören noch bei irgend einer Gelegenheit durch Betrug den Schafen zu schaden vermöge. Bereitet Euch, mit aller Anstrengung des Geistes, unserm Gott einen Gewinn an Seelen anzubringen. Bedenket, daß wir den Hirtennamen nicht angenommen haben, um auszuruhen, sondern um zu arbeiten. In der That also müssen wir zeigen, was unser Name bezeichnet. Wenn wir den Vorrang des Priesterthums ernstlich erwägen, so finden wir, daß er den Eifrigen und Wohlhandelnden zur Ehre, den Nachlässigen aber zur Belästigung gereiche. Wie also dieser Name die Thätigen und Seeleneifrigen vor Gott zum ewigen Heile führt, so stürzt er die Trägen und Lauen [S. 95] in Strafe. Das untergebene Volk erkenne aus unsern Reden, daß es ein anderes Leben gebe. Die Lehre Ew. Brüderlichteit sei ihm ein freundlich abhaltender Zügel, Euer Leben ein Muster zur Nachahmung. Die Predigt Ew. Liebden zeige, was es lieben, was es fürchten solle; Eure Wirksamkeit erlange die Frucht des ewigen Lohnes.

Dabei muß aber Eure Hauptsorge darauf gerichtet sein, daß Ihr nie unerlaubte Weihen zu ertheilen Euch herbeilasset; sondern wenn Jemand zum geistlichen Stand oder zu einer höhern Weihe zugelassen werden soll, so muß hiebei nach Verdiensten und nicht nach Bitten und Geschenken verfahren werden. Bei keiner Weihe sollen sich auf irgendeine Art Vortheile für Ew. Brüderlichkeit ergeben, damit Ihr nicht in die Schlingen der simonistischen Ketzerei4gerathet, was Gott verhüte! „Denn was nützt es dem Menschen", lehrt die ewige Wahrheit, „wenn er die ganze Welt gewinnt, aber Schaden leidet an seiner Seele?"5 Darum müssen wir in all' unserm Thun Gott vor Augen haben, das Vergängliche und Zeitliche gering schätzen und dasVerlangen unsers Herzens auf die ewigen Güter richten. Die Geschenke Ew. Heiligkeit wollte ich durchaus nicht annehmen; denn ich wollte den Schein vermeiden, als würde ich mich von beraubten und betrübten6Brüdern beschenken lassen. Aber Eure Gesandten haben über mich auf eine andere Art den Sieg davon getragen, indem sie dieselben Dem überbrachten, der die Opfer Ew. Brüderlichkeit nicht zurückzuweisen vermag.7Darnach müßt Ihr vor Allem, wie gesagt, streben, daß Ihr dem kommenden Richter Seelen, nicht vergängliche Dinge zum Geschenke bringet, damit er Euch um [S. 96] Eurer verdienstlichen Werke und auch Uns um Unsrer Ermahnung willen in Gnaden ansehe.

1: In Albanien, früher Justiniana Prima, weil diese Stadt der Geburtsort Justinians war. Nach seinem Willen wurde sie zum Sitze des Primas und Stellvertreters des Papstes erhoben, was Papst Vigilius bestätigte.
2: „Caritatem vestram."
3: Wie wenig Adressat diese heilsame Mahnung befolgte, lehren die Briefe III., 6 und 7 in praktischer Weise.
4: Die Simonie wird auch im Mittelalter als Ketzerei bezeichnet, theils um Abscheu vor dieser Sünde zu erregen, theils weil Simon der Zauberer, der um Geld den hl. Geist erlangen wollte, auch als der erste Irrlehrer betrachtet wurde.
5: Matth. 8, 36.
6: Wegen der Gotheneinfälle.
7: Offenbar dem hl. Petrus d. h. dem Kirchenschatz.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitung zu den Briefen des Gregor

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