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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Achte Homilie. Kap. II, V.11-15.

1.

V.11: "Und sie gingen hinein in das Haus, und sahen das Kind mit Maria, seiner Mutter. Und sie fielen nieder und beteten es an. Und sie öffneten ihre Schätze und brachten ihre Geschenke dar: Gold, Weihrauch und Myrrhe."

Wie kommt es denn, dass Lukas sagt, das Kind sei in der Wiege gelegen?1 . Weil die Jungfrau es nach seiner Geburt alsbald fort niedergelegt hat. Da nämlich wegen der Volkszählung viele Menschen zusammen gekommen waren, so hatte sie keine Wohnung finden können. Das deutet uns auch Lukas an mit den Worten: "Weil kein Platz da war, legte sie es nieder"2 . Dann aber hob sie es wieder auf und nahm es auf die Knie. Sobald sie nämlich nach Bethlehem gekommen war, gebar sie das Kind, damit du auch hierin nur das Werk der Vorsehung erkennest, und wissest, dass dies nicht nur zufällig so geschehen, sondern dass dies alles nach der Absicht der göttlichen Vorherbestimmung und gemäß den Prophetien sich vollzogen und erfüllt hat. Was bewog aber die Magier, das Kind anzubeten? Die Jungfrau war ja doch keineswegs berühmt, noch war das Haus3 besonders großartig; auch sonst konnte man nichts wahrnehmen, was hätte Eindruck machen und die Aufmerksamkeit auf sich ziehen können. Sie aber beugen nicht nur ihre Knie vor ihm, sondern öffnen auch ihre Schätze und bringen Geschenke dar, und zwar Geschenke nicht wie für einen Menschen, sondern wie sie für Gott sich geziemen. Denn auf Gott deuteten der Weihrauch und die Myrrhe. Was war es also, das sie hierzu veranlaßte? Das gleiche, was sie bewogen hatte, von zu Hause aufzubrechen und eine so weite Reise zu unternehmen. Das waren aber einerseits der Stern und andererseits die innere, geistige Erleuchtung, die ihnen von Gott zuteil geworden, und die sie bald zu noch vollkommenerer Erkenntnis führen sollte. Ohne das hätten sie dem Kinde schwerlich solche Ehre erwiesen, da ja alles, was sie sonst dort sahen, so ärmlich und unscheinbar war. Gerade deshalb war dort nichts äußerlich Großes, nur eine Krippe, eine Hütte und eine arme Mutter, damit du die reine Gesinnung der Magier erkennest und wissest, dass sie nicht wie zu einem bloßen Menschen kamen, sondern wie zu einem Gott und Wohltäter. Darum nahmen sie auch an dem, was sie äußerlich wahrnahmen, keinen Anstoß, sondern brachten dem Kinde ihre Verwehrung dar und Opfer, die viel höher und geistiger waren, als die der Juden; denn sie schlachteten keine Schafe und junge Rinder. Sie standen eben der christlichen Religion schon viel näher, und sie brachten dem Kinde Glaube, Gehorsam und Liebe dar.

V.12: "Nachdem sie aber durch ein Traumgesicht gewarnt worden waren, nicht mehr zu Herodes zurückzukehren, da zogen sie auf einem anderen Wege in ihre Heimat zurück."

Beachte auch hier wieder ihren Glauben. Sie nehmen kein Ärgernis, sondern bleiben ruhig und zuversichtlich, lassen sich nicht verwirren, und sagen nicht untereinander: Wahrlich, wenn dieses Kind wirklich etwas Großes ist und irgend welche Macht besitzt, wozu brauchen wir dann zu fliehen und uns heimlich fortzustehlen? Nachdem wir doch offen und frei gekommen sind, und vor einem so großen Volk und einem tyrannischen König keine Furcht gezeigt haben, warum will uns jetzt der Engel wie Ausreißer und Flüchtlinge aus der Stadt4 wegschicken? Nichts von all dem haben sie gesagt oder gedacht. Und gerade das ist ein Zeichen großen Glaubens, dass man nicht nach den Gründen fragt für das, was einem aufgetragen worden, sondern einfach dem gegebenen Befehle gehorcht.

V.13: "Als sie nun fortgezogen waren, siehe da erschien ein Engel des Herrn dem Joseph im Traume und sprach: Steh auf! Nimm das Kind und seine Mutter und fliehe nach Ägypten."

Hier drängt sich mit Recht eine Frage auf, die sowohl die Magier betrifft, als das Kind. Wenn nämlich die Magier auch nicht irre wurden in ihrem Vertrauen, sondern alles im Glauben annahmen, so müssen wir uns doch fragen, weshalb sie nicht mitsamt dem Kinde Rettung finden konnten, auch wenn sie da geblieben wären, warum im Gegenteil die Magier nach Persien, und das Kind mit seiner Mutter nach Ägypten fliehen mußten? Aber wie? Hätte das Kind vielleicht in die Hände des Herodes fallen und trotzdem nicht getötet werden sollen? Dann hätte man aber vielleicht nicht mehr zugegeben, dass der Herr wirklich Fleisch angenommen hatte und man hätte nicht mehr an die Größe des göttlichen Erlösungswerkes geglaubt. Denn obwohl dies also geschehen, und vieles nach menschlicher Art vor sich gegangen war, so haben einige sich doch schon herausgenommen, zu behaupten, die Fleischwerdung sei nur ein Mythus! In welchen Abgrund der Gottlosigkeit wären sie da nicht erst gefallen, wenn alles in einer der Würde und Macht Gottes entsprechenden Weise vor sich gegangen wäre? Die Magier sandte er aber deshalb so schnell fort, um sowohl Persien sobald als möglich seine Lehrmeister zu senden, als auch um den Tyrannen von seiner Tollheit zu heilen, indem er ihm zeigte, dass er sich an unmöglichen Dingen versuche, und damit er so seine Wut kühle und von diesem aussichtslosen Bemühen ablasse. Denn nicht bloß durch Macht über seine Feinde Herr zu werden, ist eine Tat, der göttlichen Allmacht würdig, sondern auch, sie mühelos zu täuschen. So hat Gott z.B. die Ägypter im Interesse der Juden getäuscht; denn obwohl er die Reichtümer der Ägypter ganz offen hätte in die Hand der Juden geben können, so hieß er sie dies doch heimlich und mit List tun, was ihn bei seinen Feinden nicht weniger gefürchtet machte, als sonst seine Wunderzeichen.

1: Lk 2,7
2: Lk 2,7
3: in dem sie wohnte
4: Bethlehem

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger