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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Siebte Homilie. Kap. II, V.4-9.

1.

V.4: "Und er versammelte alle Oberpriester und Schriftgelehrten des Volkes und fragte sie, wo Christus geboren werde. Sie aber antworteten ihm: Zu Bethlehem in Judäa."

Siehst du, wie alles zur Beschämung der Juden ausschlägt? Solange sie den Heiland nicht gesehen hatten und nicht von Eifersucht und Haß erfüllt waren, gaben sie der Wahrheit Zeugnis; nachdem sie aber gesehen hatten, wie berühmt er durch seine Wunder geworden, da wurden sie von Neid erfaßt und verleugneten fortan die Wahrheit. Trotzdem trug alles dazu bei, der Wahrheit zum Siege zu verhelfen, und gerade durch ihre Feinde erlebte sie den größten Triumph. Beachte daher, wie wunderbar und unerwartet Gott auch hier wieder die Dinge fügt. Die Barbaren und die Juden lernen beide etwas Neues voneinander, und zu gleicher Zeit belehren sie sich gegenseitig. Die Juden erfuhren von den Magiern, dass sogar ein Stern den Messias im Perserlande angekündigt habe; die Magier hören von den Juden, dass eben der, den ihr Stern angezeigt hatte, schon vor Jahrhunderten von den Propheten vorherverkündet worden. So wird der Gegenstand ihrer Frage für beide Teile zum Ausgangspunkt einer besseren und genaueren Belehrung. Die Feinde der Wahrheit müssen notgedrungen, auch wider ihren Willen, das lesen, was für die Wahrheit Zeugnis ablegt, und müssen das Prophetenwort erklären, wenn auch nur zum Teil. Nachdem sie nämlich Bethlehem, genannt und gesagt hatten, dass aus ihm der Hirte Israels hervorgehen werde, schwiegen sie über das, was folgte, um dem König zu schmeicheln. Wie lautete aber dies? "Sein Ausgang ist von Anbeginn, von den Tagen der Ewigkeit"1 .

Wenn aber Christus aus Bethlehem stammen sollte, warum lebte er nach seiner Geburt in Nazareth und verdunkelte dadurch die Prophetie? Aber er hat sie ja dadurch nicht dunkler, sondern nur noch klarer gemacht. Denn wenn er in Bethlehem geboren wurde, während seine Mutter sonst immer in Nazareth wohnte, so beweist dies, dass es durch besondere Fügung Gottes so geschehen war. Deshalb ging er auch nicht allsogleich nach seiner Geburt von Bethlehem fort, sondern gab denen, die die Sache genauer erforschen wollten, vierzig Tage Zeit zur Prüfung. Denn es war ja so manches, was zu einer solchen Prüfung einladen mußte, falls einer überhaupt der Sache Beachtung schenken wollte. Als die Magier kamen, da war die ganze Stadt in Aufregung geraten, und mit der Stadt der König: man brachte den Propheten herbei, und eine große Ratsversammlung ward einberufen, und vieles andere geschah dortselbst, was Lukas alles genau aufzählt; so z.B. die Begebenheiten mit Anna, Simeon, Zacharias, den Engeln, den Hirten; lauter Dinge, die den, der auf sie achtete, veranlassen mußten, der Sache weiter nachzuforschen. Wenn schon den Magiern, die aus Persien kamen, der Ort nicht unbekannt war, so konnten diejenigen, die selbst dort wohnten, ihn um so leichter in Erfahrung bringen. So hat sich also Christus schon von Anfang an durch viele Wunder zu erkennen gegeben. Da aber die Juden nicht sehen wollten, so verbarg er sich in der Zwischenzeit, um sich ein zweites Mal von neuem in noch glänzenderer Weise zu enthüllen. Von da an legten nicht mehr die Magier Zeugnis für ihn ab und nicht mehr der Stern, sondern sein Vater verkündete ihn vom Himmel herab an den Gewässern des Jordan; dazu kam noch der Hl. Geist und gab jener Stimme2 die Beziehung auf die Person des Getauften. Und das Gleiche rief Johannes mit allem Freimut über ganz Judäa hin und erfüllte den ganzen bewohnten Erdkreis mit dieser seiner Botschaft. Auch das Zeugnis seiner Wunder, die Erde, das Meer, die ganze Schöpfung sprechen laut und deutlich für ihn. Zur Zeit seiner Geburt selbst geschahen aber so große Wunder, dass sie ohne weiteres den bezeugen konnten, der da gekommen war. Damit nämlich die Juden ja nicht sagen könnten: Wir wußten nicht, wo er geboren worden. noch auch zu welcher Zeit, so hatte Gott die Ankunft der Magier vorherbestimmt, und alles andere, das ich erwähnt habe. So werden also die Juden wohl schwerlich eine Entschuldigung dafür vorbringen können, dass sie diesen Ereignissen nicht weiter nachforschten.

1: Mich 5,2
2: des Vaters

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger