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Gregor der Grosse († 604) - Ausgewählte Briefe
Erstes Buch. Briefe aus den Jahren 590—591.

VII. (7) An Anastasius, Bischof von Antiochia.

Inhalt

VII.
Gesammtausgabe 7.

An Anastasius, 1Bischof von Antiochia.

Inhalt: Klage wegen der Uebernahme der päpstlichen Würde. [S. 25]

Was die Ruhe für den Milden, die Gesundheit für den Kranken, die Quelle für den Dürstenden, der Schatten für den Erhitzten, das waren die Briefe Ew. Heiligkeit für mich. Denn jene Worte schien nicht die fleischliche Zunge zu sprechen, sondern ließen so sehr die geistige Liebe, von der sie eingegeben waren, erkennen, als ob die Seele selbst reden würde. Aber was Ihr weiter schreibet, ist sehr hart: Eure Liebe verlangt, daß ich die Last der Erde trage, und während Ihr zuerst mich in geistiger Weise liebet, liebet Ihr gleich darauf, wie es scheint, nach Art dieser Welt und drückt mich durch die auferlegte Last zu Boden, so daß ich ganz die gerade Richtung des Geistes und den Sinn für die Betrachtung verliere und nicht im Geist der Weissagung, sondern nach Erfahrung sprechen muß: „Ich bin gebeugt und gar sehr verdemüthigt worden."2 Denn wie von vielen Wellen werde ich von Streitigkeiten hin und her gezogen und vom betäubenden Sturm des Lebens bedrängt, so daß ich mit Recht sagen kann: „Ich bin in die Tiefe des Meeres gekommen, und der Sturm hat mich versenkt." 3Reichet mir in dieser Gefahr durch Euer Gebet die Hand, Ihr, der Ihr am Ufer stehet. Wenn Ihr aber mich den Mund des Herrn und eine Leuchte nennet, von der Ihr behauptet, daß sie Vielen nützen könne, — so ist nur zu all meinen Sünden hin noch Dieß begegnet, daß ich, während doch die Sünde an mir gestraft wirden sollte, Lobsprüche statt der Strafe erhalte. Welch' lärmende Schaar von irdischen Angelegenheiten aber mich in meiner Stellung quäle, das kann ich [S. 26] gar nicht mit Worten ausdrücken; Ihr könnt es aber aus der Kürze meines Briefes schließen, da ich mich kurz gegen Euch fasse, obwohl ich Euch mehr liebe als Alle.

Indessen zeige ich Euch an, daß ich von den durchlauchtesten Kaisern mit meiner kräftigsten Fürsprache verlangt habe, daß Ihr in Eure Würde wieder eingesetzt werdet, und daß sie Euch gestatten, hieher zu der Schwelle des Apostelfürsten Petrus zu kommen und, so lange es Gott gefallen wird, bei mir zu leben. Habe ich dann das Glück, Euch zu sehen, dann wollen wir uns gegenseitig die Last unsrer irdischen Pilgerschaft durch Gespräche vom himmlischen Vaterland leichter machen.

1: Der Patriarch Anastasius war von Kaiser Justinian 565 von seinem Sitze vertrieben worden, weil er dessen Absicht, die Unverweslichkeit des noch nicht auferstandenen Leibes Christi als Dogma zu proclamiren, nicht billigte. Nach Justinians Tod wurde er zwar wieder eingesetzt, aber 570 unter Kaiser Justin II. wieder entsetzt, weil er der unkanonischen Wiehe des Patriarchen Johannes von Alexandria sich widersetzt hatte. Siehe Dambergers synchronische Geschichte I. Bd. S. 202 unb 234.
2: Ps. 118, 107. Auch hier muß der hl. Gregor einen andern Text vor sich gehabt haben; die Vulgata hat nur: Humiliatus sum usqaequaque.
3: Ps. 68, 3.

 

 

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