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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)

Dritte Homilie: Kap. 1, V.1-16.

1.

Kap. I, V.1-16: "Das Buch der Abstammung Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams."

Schon beginnen wir die dritte Predigt, und noch sind wir mit der Einleitung noch nicht zu Ende. Es war also nicht umsonst, dass ich gesagt habe, dieselbe enthalte gar tiefe Gedanken. Heute also wollen wir suchen, den Rest zu Ende zu bringen. Wovon handelt derselbe? Von der Frage, weshalb die Ahnenreihe Josephs aufgezählt wird, obgleich dieser bei der Menschwerdung1 gar nicht mitgewirkt hat. Den einen Grund habe ich bereits namhaft gemacht; ich muß aber auch den zweiten angeben, der noch viel geheimnisreicher und schwieriger zu erklären ist als der erste. Welches ist dieser Grund? Der Herr wollte den Juden nicht vorzeitig offenbaren, dass Christus aus einer Jungfrau sollte geboren werden. Verwundert euch aber nur nicht über solch merkwürdige Antwort. Ich gebe sie ja nicht aus mir selbst, sondern folge damit nur unseren Vätern, die bewundernswerte und hochbedeutende Männer waren. Denn wenn der Herr im Anfang manches im Dunkel ließ, sich selbst nur den Menschensohn nannte, und seine Gleichheit mit dem Vater uns durchaus nicht überall deutlich offenbarte, was wunderst du dich, wenn er auch das solange verborgen hielt, nachdem er doch etwas Wunderbares und Großes dabei im Auge hatte? Was war aber das für eine wunderbare Absicht, fragst du? Er wollte dadurch die Jungfrau retten und von jedem bösen Verdacht befreien. Denn hätte man dies den Juden von Anfang an bekannt gegeben, so hätten sie es nur mißbraucht, hätten die Jungfrau zu Tode gesteinigt und gesagt, sie sei eine Ehebrecherin. Wenn sie schon in anderen Dingen, für die ihnen oft sogar Vorbilder im Alten Bunde zu Gebote standen, sich öffentlich so unverschämt zeigten, wenn sie den Herrn einen Besessenen hießen, da er Teufel austrieb, wenn sie ihn gottlos nannten, da er am Sabbat heilte, obgleich das Gebot des Sabbat auch früher oft übertreten worden war, was hätten sie nicht alles gesagt, wenn man ihnen das mitgeteilt hätte! Sie hätten ja alle früheren Jahrhunderte zu Zeugen aufrufen und sagen können, so etwas sei noch niemals erhört worden. Sogar nach all seinen großen Wundern nannten sie ihn noch den Sohn Josephs; wie hätten sie da, noch bevor er Wunder gewirkt hatte, glauben sollen, er sei der Sohn einer Jungfrau? Darum also wird die Stammtafel Josephs angegeben und nimmt dieser die Jungfrau zur Braut. Denn wenn es schon bei Joseph, diesem rechtschaffenen, bewundernswerten Manne, so viel brauchte, bis er an das Geschehene glaubte, wenn es eines Engels bedurfte, des Traumgesichtes und es Zeugnisses der Propheten, wie hätten da die Juden, verkehrt und verderbt wie sie waren, und voll Feindseligkeit gegen Christus, wie hätten sie eine solche Sache gläubig angenommen? Das Befremdende und Neue daran hätte sie doch gar zu sehr verwirren müssen, da sie ja von ihren Vätern etwas Ähnliches niemals auch nur gehört hatten. Ja, wer einmal glaubte, dass er der Sohn Gottes sei, der durfte an dieser seiner Geburt aus der Jungfrau nicht weiter zweifeln; wer ihn aber für einen Verführer und Feind Gottes ansah, wie hätte der nicht noch größeres Ärgernis daran nehmen und nicht noch mehr in seiner Meinung bestärkt werden sollen? Darum sprachen auch die Apostel nicht gleich am Anfang hiervon; sondern reden viel und oft über die Auferstehung, da sie eben hierfür aus den früheren Zeiten Beispiele hatten, wenn auch keine ganz vollwertigen. Von seiner Geburt aus der Jungfrau dagegen reden sie nicht immer; ja sogar die2 Mutter selbst wagte es nicht, solche Äußerungen zu tun. Höre nur, wie die Jungfrau ihn selber anredet: "Siehe, ich und dein Vater haben dich gesucht." Hätte man also3 eine Ahnung gehabt, so wäre er wohl nicht mehr länger Sohn Davids genannt worden; daraus hätten sich aber wieder viele andere schlimme Folgen ergeben. Darum haben auch die Engel dies niemand kundgetan, außer Maria und Joseph; sogar damals, als sie den Hirten das Geschehene verkündeten, haben sie dies verschwiegen. Warum aber erwähnt er Abraham, während er nach den Worten: "Er erzeugte den Isaak, und Isaak den Jakob", dessen Bruder übergeht, der auf Jakob folgte, dagegen Juda und seine Brüder nennt?

1: Christi
2: göttliche
3: von seiner jungfräulichen Geburt

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger