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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Erste Homilie: Einleitung

8.

Was sich in dieser Welt ereignet, das weißt du ganz genau, sei es neu oder alt und vergangen; und du kannst die Fürsten aufzählen, unter denen du früher gedient hast, die Kampfrichter, die Preisträger, die Heerführer, lauter Dinge, die dir gar nichts nützen können. Wer aber der Gebieter über jene Stadt ist, wer dort den ersten, den zweiten, den dritten Platz einnimmt, oder wie lange ein jeder dort ist, oder was einer dafür hatte tun oder leisten müssen, das zu überlegen fällt dir nicht einmal im Traume ein. Und von den Gesetzen, die in dieser Stadt Geltung haben, willst du selbst andere nicht reden hören, noch darauf achten. Wie kannst du also da erwarten, jene verheißenen Güter zu erlangen, wenn du nicht einmal auf das Gesagte achthaben willst? Indes, wenn wir dies doch schon früher nicht getan haben, tun wir es wenigstens jetzt. Wir werden ja, wenn Gott es fügt, in eine Stadt einziehen, die von Gold strahlt, ja die noch kostbarer ist als alles Gold. Prüfen wir daher ihre Fundamente, betrachten wir ihre Tore, die aus Saphirsteinen und Perlen bestehen. Den besten Führer haben wir ja in Matthäus. Er ist das Tor, durch das wir jetzt hindurchgehen, und zwar heißt es dabei großen Eifer zeigen. Denn wenn er einen sieht, der nicht acht hat, so jagt er ihn aus der Stadt hinaus. Denn es ist dies eine gar königliche und herrliche Stadt, nicht wie die unserigen, in denen der Marktplatz vom Königspalast getrennt ist; denn dort ist alles Königspalast.

Öffnen wir also die Tore unseres Geistes, und haben wir acht; machen wir uns bereit, mit größter Ehrfurcht die Schwelle zu überschreiten, um den König anzubeten, der darin ist. Denn gar leicht kann die erste Begegnung den Zuschauer außer Fassung bringen. Jetzt sind uns zwar die Tore noch verschlossen; wenn wir sie aber einmal geöffnet sehen1 , dann werden wir eine Fülle blendenden Lichtglanzes darin schauen. Denn dieser Zöllner, durch das Licht des Geistes geleitet, verspricht dir alles zu zeigen: wo der Thron des Königs ist und welche Heerscharen ihm zur Seite stehen, wo die Engel sind, wo die Erzengel; wo in dieser Stadt der Platz der Neuangekommenen sich befindet, und welches der Weg ist, der dahin führt; welche Stellung die einnehmen, die zuerst das Bürgerrecht daselbst erworben haben, und welche diejenigen, die nach ihnen kamen, und dann die nach diesen; ferner wie viele Abteilungen es gibt unter jenen Bürgern, wie viele im Rate sitzen, und wie viele Rangstufen von Würdenträgern es gibt. Treten wir also ein, nicht mit Geräusch und Lärm, sondern in geheimnisvollem Schweigen. Denn wenn man schon im Theater einen kaiserlichen Erlaß erst dann verliest, nachdem vollständige Ruhe eingetreten ist, um wieviel mehr gehört es sich, daß in dieser Stadt alle in Ruhe und Ordnung sich befinden und in der rechten Seelenstimmung aufmerksam dastehen! Nicht eines irdischen Königs Schreiben soll da verlesen werden, sondern dasjenige des Herrn der Engel. Wenn wir unseren Geist in diese Verfassung bringen, dann werden wir unter der wirksamen Fügung des Hl. Geistes bis an die Stufen des königlichen Thrones gelangen, und alles Guten teilhaftig werden, durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesus Christus, dem Ehre und Macht gebührt mit dem Vater und dem Hl. Geist, jetzt und immer und in alle Ewigkeit. Amen.

1: und das geschieht durch die Lösung unserer Zweifel

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger