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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Erste Homilie: Einleitung

7.

Um aber nicht durch überreichen Stoff euer Gedächtnis zu beschweren, wollen wir hier stehen bleiben. Um eure Aufmerksamkeit zu erregen, genügt es ja, die Fragepunkte bloß zu kennen. Wenn ihr aber auch nach deren Lösung verlangt, so könnt ihr auch hierüber entscheiden, noch bevor ich zu reden angefangen. Wenn ich nämlich sehe, daß ihr achtgebt und Verlangen nach Belehrung zeigt, so will ich versuchen, auch die Lösung der Fragen zu geben. Wenn ich hingegen bemerke, daß ihr gähnt und unachtsam seid, dann werde ich euch weder auf die Fragen aufmerksam machen, noch deren Lösung geben, eingedenk der göttlichen Mahnung, die da sagt: "Gebt das Heilige nicht den Hunden und werfet eure Perlen nicht den Schweinen vor, damit sie von ihnen nicht zertreten werden"1 . Wer sind aber diejenigen, die Perlen mit Füßen treten? Das sind jene, welche das Wort Gottes nicht heilig und in Ehren halten. Wer aber, sagst du, wäre so verwegen, das Wort Gottes nicht zu ehren und über alles hochzuachten? Das ist jeder, der für das Wort Gottes nicht einmal soviel Zeit opfern will wie für die schamlosen Weiber in den teuflischen Theatern. Dort sitzen sie tagelang in hellen Haufen, vernachlässigen mit solch ungehörigem Zeitvertreib2 ihre häuslichen Geschäfte, merken sich dabei genau, was sie etwa gehört haben und behalten es zum Verderben ihrer eigenen Seelen im Gedächtnis. Hier aber läßt sich Gott selbst vernehmen, und da bringen sie es nicht über sich, auch nur kurze Zeit zu verweilen. Deshalb haben wir auch nichts mit dem Himmel gemein, weil unser Leben sich in bloßen Reden bewegt. Und doch hat uns Gott deswegen sogar die Hölle angedroht, nicht um uns hineinzustürzen, sondern um uns anzutreiben, diesem Schreckensorte3 zu entfliehen. Wir aber tun gerade das Gegenteil; wir laufen jeden Tag auf dem Wege, der dorthin führt; und während uns Gott befiehlt, sein Wort nicht nur zu hören, sondern es auch zu befolgen, sind wir nicht einmal bereit, es auch nur zu hören. Wann also, sage mir, wann werden wir seine Gebote halten und sie ins Werk setzen, da wir ja nicht einmal davon reden hören wollen, vielmehr unwillig werden und uns während der Predigt langweilen, wenn sie auch noch so kurz ist? Wenn sodann wir selber über ganz gleichgültige Dinge reden und merken, daß einer aus der Gesellschaft nicht achtgibt, so betrachten wir dies als eine Beleidigung. Daran aber denken wir nicht, daß wir Gott erzürnen, wenn er über so wichtige Dinge zu uns spricht, wir aber seiner Worte nicht achten, sondern anderswohin sehen. Ein gereifter und vielgereister Mann kann uns die Entfernungen, die Lage und das Aussehen von Städten, Hafenplätzen und Märkten mit größter Genauigkeit beschreiben; wir aber wissen nicht einmal, wie weit wir von der Stadt Gottes entfernt sind; sonst würden wir uns vielleicht auch bemühen, die Länge zu vermindern, wenn wir die Entfernung kennten. Denn die Entfernung zwischen jener Stadt und uns ist nicht bloß so groß wie die zwischen Himmel und Erde, sondern noch viel größer, sobald wir uns nicht um sie kümmern; wenn uns dagegen Eifer beseelt, so werden wir schon in kürzester Frist an ihre Tore gelangen. Denn diese Entfernungen werden nicht mit geographischem Maßstabe, sondern nach Gesinnung und Lebensweise bemessen.

1: Mt 7,6
2: einen großen Teil
3: mit tyrannida ist nach dem Zusammenhang die Hölle gemeint

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger