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Chrysostomus († 407) - Kommentar zum Evangelium des hl. Matthäus (In Matthaeum homiliae I-XC)
Erste Homilie: Einleitung

6.

Die Lehrmeister dieses Lebens sind sodann Zöllner, Fischer und Zeltmacher, die nicht bloß für kurze Zeit lebten, sondern für die ganze Ewigkeit fortleben. Deshalb sind sie auch nach ihrem Tode imstande, denen, die diese Lebensweise führen, gegebenenfalls von größtem Nutzen zu sein. Diese Lebensart bedeutet aber Kampf, nicht gegen Menschen, sondern gegen die Dämonen und die unsichtbaren Mächte. Darum ist auch ihr oberster Führer nicht ein Mensch oder ein Engel, sondern Gott selbst. Auch die Waffen dieser Krieger entsprechen der Natur dieses Kampfes; denn sie sind nicht von Leder1 und Eisen, sondern bestehen aus Wahrheit, Gerechtigkeit, Glaube und jeglicher Tugend. Da also diese Lebensweise auch den Inhalt dieses Buches ausmacht, und wir jetzt darüber reden wollen, so haben wir genau acht auf das, was Matthäus hierüber so klar und deutlich lehrt. Denn es sind ja nicht seine Worte, um die es sich handelt, sondern diejenigen Christi, der dieses neue Leben begründet hat. Wir wollen uns aber Mühe geben, damit auch wir imstande seien, diese Lebensweise auf uns zu nehmen und uns darin auszuzeichnen mit denen, die schon vor uns so gelebt und die nimmer welkenden Siegeskränze dafür empfangen haben. Manchen kommt es nun vor, als sei das Evangelium gar leicht zu verstehen, die Propheten dagegen sehr schwer. Das meinen aber nur jene, welche die Tiefe der Gedanken nicht erfassen, die in ihm verborgen liegen. Deshalb bitte ich euch, mir mit Eifer und Aufmerksamkeit zu folgen, damit wir unter Christi Leitung bis in die verborgensten Tiefen der Hl. Schrift einzudringen vermögen. Damit ihr aber die Predigten leichter versteht, so bitte ich euch inständig2 , den Abschnitt des Evangeliums aufzuschlagen, der jeweils zur Erklärung kommt, damit die Lesung dem Verständnis den Weg bereite, wie damals bei dem Eunuchen3 , und auch auf diese Weise die Sache erleichtert werde. Der Rätsel sind nämlich gar viele.

Beachte darum gleich zu Anfang des Evangeliums, wie viele Fragen sich da einem aufdrängen können. Zum ersten, weshalb gerade der Stammbaum Josephs aufgeführt wird, obwohl Joseph ja gar nicht der Vater Christi war? Zweitens, wie wir beweisen können, daß Christus aus dem Geschlechte Davids war, da wir doch die Voreltern Marias, seiner Mutter, nicht kennen? denn der Stammbaum der Jungfrau ist nirgends angegeben. Drittens, weshalb die Vorfahren Josephs aufgezählt werden, der gar nichts mit der Geburt des Herrn zu tun hatte, während von der Jungfrau, die seine Mutter geworden, nicht angegeben ist, von welchen Eltern, Großeltern und Vorfahren sie stammt. Außerdem müssen wir noch fragen, weshalb der Evangelist auch Frauen erwähnt, da er doch nur die männliche Verwandtschaftslinie aufführt? Und nachdem er dies doch schon einmal tun wollte, erwähnt er gleichwohl nicht alle Frauen, sondern hat mit Übergehung der guten, wie z.B. Sarahs, Rebekkas und anderer, nur die übel beleumundeten aufgeführt, wie z.B. die Unzüchtigen, die Ehebrecherischen, die Unehelichen und solche, die von ausländischen oder barbarischen Völkern abstammten. So erwähnte er die Frau des Urias4 , die Thamar5 , die Rahab6 , die Ruth7 . Von diesen war die zweite nicht jüdischen Geschlechts, die dritte trieb Unkeuschheit, die vierte wurde von ihrem Schwiegersohn entehrt, nicht etwa auf Grund der Leviratsehe, sondern sie hat die Verbindung erschlichen, indem sie Hurenkleider anlegte. Die Frau des Urias aber ist ob der außergewöhnlichen Größe des Verbrechens einem jeden bekannt. Gleichwohl hat der Evangelist alle anderen Frauen übergangen und nur diese in seine Genealogie aufgenommen. Wenn er aber doch schon einmal Frauen erwähnen wollte, so hätte er auch gleich alle nennen sollen; und wenn schon nicht alle, so doch einige, und zwar solche, die sich durch ihre Tugend und nicht durch ihre Sünden einen Namen gemacht haben. Ihr seht also, wie große Aufmerksamkeit schon im ersten Kapitel vonnöten ist, während manchen die Einleitung klarer zu sein scheint als das übrige, manchen vielleicht sogar überflüssig, als eine bloße Aufzählung von Namen.

Ferner ist auch die Frage am Platze, weshalb der Evangelist drei Könige überging8 . Denn wenn er ihre Erwähnung ob ihrer besonders großen Gottlosigkeit unterließ, so hätte er auch die anderen nicht erwähnen dürfen, die gerade so schlecht waren. Auch das bietet nämlich eine weitere Schwierigkeit, daß er zwar sagte, es seien vierzehn Generationen, in der dritten Reihe aber die Zahl nicht einhielt. Weshalb hat ferner Lukas andere Namen aufgeführt, und zwar nicht nur nicht ganz die gleichen, sondern auch eine weit größere Anzahl, während dagegen Matthäus weniger Namen hat und dazu noch verschiedene, obwohl auch er mit Joseph schließt, so wie Lukas getan? Ihr seht also, wie sehr man achtgeben muß, nicht bloß, um Fragen zu lösen, sondern um überhaupt nur zu merken, wo Schwierigkeiten vorhanden sind! Es ist nämlich auch das gar nicht so leicht, die Punkte herauszufinden, die Schwierigkeiten enthalten. So ist z.B. auch die Frage schwer zu lösen, wieso Elisabeth, die doch zum Stamme Levi gehörte, mit Maria verwandt sein konnte?

1: die Schilde der römischen Soldaten waren mit Leder überzogen
2: wie ich auch schon bei den früheren Schrifterklärungen getan
3: Apg 8,26 ff
4: 2 Kön 11,6ff
5: 1 Paral 22,45
6: Gen 38,1326
7: Rut 2
8: in 1,9 fehlen die Könige Ochozias, Joas und Amasias, die zwischen Joram und Ozias einzusetzen wären.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger