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Papstbriefe - Echte und unechte Papstbriefe 2 (310—401)
Miltiades (310 — 314)

1. Pseudoisidorischer Brief an Marinus und die übrigen Bischöfe Spaniens

Pseudoisidorischer Brief.

Den geliebtesten Brüdern Marinus, Benedictus, Leontius und den übrigen Bischöfen Spaniens und jener Gegenden (sendet seinen Gruß) Melciades.

Der Apostel befiehlt uns, den Juden und Heiden kein Ärgerniß zu geben; aber auch den Gläubigen selbst dürfen wir kein Ärgerniß geben; darum seid einander nicht feindlich, sondern traget Einer die Last des Anderen, (e. 1.) „Zuerst prüfet Alles sorgfältig, damit ihr mit Gerechtigkeit und Wahrheit entscheidet; verurtheilet Niemanden vor einer wahrhaften und gerechten Untersuchung; richtet Nie» wanden nach willkürlichem Argwohne, fondern prüfet zuerst, und dann fället ein liebevolles Urtheil; und waS ihr nicht wollet, daß es euch geschehe, wollet nicht einem An- [S. 21] deren thun."1Sonst ist euer Urltheil ungiltig. Die Bischöfe hat Gott seinem Gerichte vorbehalten, (c. 2.) dieses Gericht aber dem heiligen Petrus übergeben, so daß vor dessen Stuhl alle wichtigeren Angelegenheiten der Bischöfe zu bringen sind. (c. 3.) Daher möge jeder Angeklagte an diesen heil. Stuhl appelliren. (c. 4.) Der Ungläubige ist geistiger Weise todt und kann gegen Lebende d. i. Gläubige keine Klage erbeben; wer Schaden stiftet, ist nicht weise, (c. 5.) „Bezüglich der Frage, über welche ihr Aufklärung wünschet, welches das größere Sacrament sei, die Händeauflegung der Bischöfe oder die Taufe, wisset, daß beide ein großes Sacrament sind; und sowie das eine von den Oberen, nemlich von den Bischöfen gespendet wird, weil es von den Niederen nicht vollzogen werden kann, so soll es auch in größerer Ehrerbietung stehen; doch sind diese zwei Sacramente so verbunden, daß sie, ausser es tritt der Tod inzwischen, durchaus nicht getrennt werden können, und kann das Eine ohne das Andere nicht gehörig vollendet werden."2Denn das Eine kann zwar bei eintretendem Tode ohne das Andere das Heil wirken, nicht aber das andere. „Der hei-lige Geist, welcher über das Taufwasser in heilbringender Ergießung herabgestiegen ist, theilt in der (Tauf-) Quelle die Fülle (der Gnade) zur Unschuld mit, in der Firmung spendet er einen Zuwachs der Gnade. Weil wir während des ganzen Lebens, so lange wir auf dieser Welt weilen, zwischen unsichtbaren Feinden und Gefahren einherschreiten müssen, werden wir in der Taufe zum Leben wiedergeboren, nach der Taufe gestärkt (gefirmt) zum Kampfe. In der Taufe werden wir abgewaschen, nach der Taufe gestärkt, und wenn auch den (sogleich) Dahinscheidenden die Gnaden der [S. 22] Wiedergeburt genügen, so ist doch denen, die am Leben bleiben, die Hülfe der Stärkung (Firmung) nothwendig. Die Wiedergeburt rettet die, welche alsbald in den Frieden des seligen Lebens aufgenommen werden sollen; die Firmung aber rüstet und befähiget Jene, welche zu den Kämpfen und dem Streite dieser Welt erhalten werden sollen. Wer aber nach der Taufe mit der (in derselben) erlangten Unschuld unbefleckt zum Tode kommt, wird durch den Tod gefirmt, weil er nach dem Tode nicht mehr sündigen kann."3(c. 6.) So kam auch nach dem Tode und der Auferstehung Christi der hl. Geist über die Apostel, weil sie, wie Christus sagte, jetzt noch nicht Alles tragen konnten; dieser lehrte sie alle Wahrheit und machte sie aus furchtsamen und bis zur Verleugnung ihres Meisters gefallenen Schülern zu muthigen und bis zum Martyrium standhaften Bekennern. So also lehrt und stärkt auch uns der hl. Geist. (c. 7.) „Am Sonntage und Donnerstage darf Niemand Fasten halten, damit zwischen dem Fasten der Christen und Heiden und der wahrhaft Gläubigen und der Ungläubigen und Häretiker ein wahrer und kein falscher Unterschied bestehe;"4 denn es steht geschrieben:5 „Was hat Christus mit Belial, oder was hat der Gläubige mit dem Ungläubigen zu thun?" und: „Ziehet nicht an demselben Joche mit den Ungläubigen." Folgt über das treue Festhalten an der Lehre Christi und über das geistige, himmlische Leben in Christus Coloss. 2. 8-23 [S. 23] u. 3, 1—17; über das Verfahren gegen Irrende II. Thess.3, 13—15 und Segenswunsch Röm. 15, 5.

1: 1Isid. Hisp. synonym. lib. II. n. 85.)
2: 2. Decret. cf. D. V. c. 3. de consecr. (gleich dem folg. Decret aus Eusebii Gallicani hom. in Pentec. v. Bibl. mag. Patr. Colon. Agripp. 1618 T. V. P. I. p. 572.)
3: 3. Decret. cf. D. V. c. 2. de consecr.
4: 4. Decret. cf. D. III. c. 14. de consecr. (lib. pontif.); dieses Decret ist entschieden falsch, indem erstens das sonntägliche Fasten gewiß nie existirte, also nicht verboten zu werden brauchte; zweitens das Fasten am Donnerstage, wenn auch nicht üblich, so doch nie kirchlich verboten,ja während der Quadragesimalfasten auch an diesem Tage allgemein beobachtet und von Mönchen und sonstigen Asceten gerühmt wird, daß sie ein 6tägiges Fasten, also auch am Donnerstage, gehalten haben.
5: II. Cor. 6, 15. 14.

 

 

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