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Gregor v. Nyssa (†394) - Ausgewählte Reden
Lob- und Trauerreden
Rede über das Leben des heiligen Gregor des Wunderthäters.

Rede über das Leben des heiligen Gregor des Wunderthäters.

Unsere Rede und unsere gegenwärtige Versammlung haben den gleichen Zweck. Denn der große Gregor hat [S. 504] euere Versammlung und meinen Vortrag veranlaßt. Ich glaube, daß die nämliche Kraft nöthig ist, sowohl um die Tugend im Werke zu vollbringen, als auch, um das Gute würdig in der Rede darzustellen. Daher muß wohl jener Beistand angerufen werden, mit welchem Gregor im Leben die Tugend vollbrachte. Das ist aber, wie ich glaube, die Gnade des Geistes, welche sowohl zum Leben als auch zur Rede Denen ihre Kraft verleiht, die in diesen beiden Beziehungen thätig sind. Da nun jenes leuchtende und weithin strahlende Leben durch die Kraft des Geistes geführt wurde, so muß man flehen. daß der Rede so viel Beistand zu Theil werde, als Jenem im Leben geworden ist, damit nicht die Lobrede hinter dem Verdienste der Thaten zurückbleibe, sondern der Mann den Menschen der Gegenwart durch die Erinnerung so erscheine, wie er in jener Zeit durch die Werke sich selbst zeigte. Wenn nun die Erinnerung an Die, welche sich in der Tugend hervorthun, ohne Gewinn wäre und die Zuhörer nicht im Guten vorwärts brächte, so wäre es vielleicht überflüssig und nutzlos, ohne Aussicht auf Gewinn nach Schönheit der Rede zu streben, indem ich selbst derselben mich vergeblich bediente und die Zuhörer zwecklos belästigte. Da aber eine solche Anmuth der Rede, wenn sie anders in entsprechender Weise angewendet wird, ein gemeinsamer Gewinn für die Zuhörer sein wird, gleich wie der Leuchtthurm für Die, welche auf dem Meere schiffen, indem er Denen, welche im Dunkel auf dem Ocean herumirren, die Richtung zeigt, so glaube ich, daß beide Theile in gleicher Weise auf dieselbe einen Werth legen müssen, ihr als Zuhörer und ich als Redner. Denn es ist offenbar, daß sein tugendhaftes Leben, indem es nach Art eines Leuchtthurms mittelst der Erinnerung unseren Seelen leuchtet, ein Weg zum Guten sowohl für den Redner als für die Zuhörer wird. Denn wir Menschen sind schon von Natur so beschaffen, daß wir mit Allem, was lobenswerth und schätzbar ist, in Berührung stehen wollen und vom Verlangen nach dessen Besitz erfüllt werden.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger