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Gregor v. Nyssa (†394) - Ausgewählte Reden
Lob- und Trauerreden
Rede auf seinen Bruder, den großen Basilius.

7.

Welche Eigenschaften unseres Lehrers entsprechen nun den Eigenschaften, die wir am Propheten wahrnehmen? Eifer im Glauben, Abneigung gegen die Widersacher, Liebe zu Gott, ein Verlangen nach dem wahrhaft Seienden, welches [S. 414] zu nichts Materiellem herabsinkt, ein durchgehends tadelloses Leben, eine abgehärtete Lebensweise, ein Blick, ernst wie der Ernst der Seele, eine natürliche Würde, eine Schweigsamkeit wirksamer als Rede, eine Sorge um die Gegenstände der Hoffnung, eine Verachtung gegen die sichtbaren Dinge, gleiche Rücksicht für jede äussere Erscheinung, mochte Einer eine hervorragende hohe Stellung einnehmen oder aus niedrigem und verachtetem Stande erscheinen. Dieß und Ähnliches ist es, worin der Lehrer in seinem Leben die Wunder des Elias nachahmt. Wenn aber Einer die vierzigtägige Enthaltsamkeit von Speise entgegenhält, so wollen auch wir ihm die Mäßigkeit unseres Lehrers in seinem ganzen Leben entgegenhalten. Denn es steht in gewisser Weise Dem, welcher keine Speise genießt, Der nahe, welcher wenig genießt, und vorzugsweise, wenn das Eine nur kurze Zeit geschieht, das Andere das ganze Leben hindurch währt. Ausserdem stärkte dort auch jenes Aschenbrod von Gerste die Kraft des Propheten, indem es nämlich Etwas in sich hatte, wodurch die Kraft Desjenigen erhalten wurde, der diese Nahrung zu sich nahm. Ein Beweis hiefür ist, daß nicht Jemand von seinen Stammgenossen ihm das Brod bereitete und zum Genuß vorsetzte, sondern daß er von der durch die Engel bereiteten Speise sich sättigte. Daher blieb auch die Kraft, welche durch jene Speise in den Körper drang, ungeschwächt und verflüchtigte sich nicht. Hier aber war ohne Neuerung in der gewöhnlichen Lebensweise die vernünftige Berechnung das Maß der Nahrung, die dem Körper nicht so viel gewährte, als die Natur verlangte, sondern so viel das Gebot der Enthaltsamkeit vorschrieb.

Das Priesterthum des Lehrers aber ahmt die Sinnbilder des Priesterthums des Propheten nach, indem es durch die Dreitheilung im Worte des Glaubens das himmlische Feuer auf die Opfer herabzieht.1 Daß aber die [S. 415] Kraft des heiligen Geistes Feuer genannt werde, werden wir vielfach in der Schrift belehrt. Eine Dürre im Lande hat aber der Lehrer weder entfernt noch herbeigeführt. Dort wird der große Prophet, nachdem er mit der Geißel des Regenmangels die Erde geschlagen hat, zugleich auch der Arzt der Wunde, indem er ihnen als Ersatz für den Schmerz der Geißel die Erleichterung durch die Heilung zu Theil werden läßt. Soll man aber auch dem gegenüber ein Wunder von Seite unseres Elias anführen, so fiel damals, als einst durch den göttlichen Willen ein ähnliches Unglück drohte, da die ganze Regenzeit ohne Regen verlaufen war und keine Hoffnung auf Früchte sich zeigte, der Lehrer vor Gott nieder und beschränkte die Furcht auf die bloße Drohung, indem er die Gottheit mit Bitten besänftigte und durch Gebet der Trauer wegen Regenmangels ein Ziel setzte. Aber auch von der Stillung des Hungers, die der große Elias an einer einzigen Wittwe bewirkte, findet unsere Zeit am Lehrer ein ähnliches Beispiel. Als einst harter Hunger sowohl die Stadt selbst, in der er sich gerade aufhielt, als auch das ganze Gebiet bedrängte, das zur Stadt gehörte,2 gab er seine Besitzungen hin, verwandelte das Geld in Lebensmittel, und während es selten war, daß Die, welche in besonders günstigen Verhältnissen standen, ihren Tisch bestellen konnten, vermochte er während der ganzen Zeit der Hungersnoth Die, welche von allen Seiten zusammenströmten, und die Jugend der ganzen Stadt zu ernähren, so daß er auch den Kindern der Juden an diesem Liebeswerke Theil zu nehmen gestattete.

Es ist aber durchaus gleichgiltig, ob man den göttlichen Auftrag mittelst eines Ölgefäßes oder durch ein anderes [S. 416] Mittel erfüllt. Denn bei der Tröstung der Dürftigen kümmert man sich nicht um die Art und Weise, sondern schaut auf das Ergebniß. Wenn aber Elias aufwärts fuhr, so ist auch das etwas Ausserodentliches und ein unaussprechliches Wunder. Es ist jedoch auch die andere Gattung der Erhebung nach oben nicht gering zu schätzen, wenn man durch die erhabene Lebensweise seinen Wohnsitz von der Erde in den Himmel verlegt und durch den Geist die Tugenden sich zum Wagen einrichtet. Daß aber der Lehrer Dieß erreicht habe, wird man bei gerechter Würdigung seiner Thaten zugeben.

1: III. Kön. 18,34 [I. Kön. nach neuerer Lesart]. Es deutet hier der Lobredner auf die Consecration der Eucharistie hin, wobei Herabrufung (Epiklesis) des heiligen Geistes über Brod und Wein stattfand.
2: Das geschah um das Jahr 359, bevor er noch Priester geworden war.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger