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Gregor v. Nyssa (†394) - Ausgewählte Reden
Sittenreden
Erste Rede von der Liebe zu den Armen.

5.

Willst du aber hören, wie er für die Unglücklichen sorgt, so vernimm es. Wer lehrte die Biene, das Wachs zu bereiten und mit diesem den Honig? Wer hat es veranstaltet, daß die Fichte, der Terpentinbaum und Mastixbaum jenen fetten Saft auströpfeln? Oder wer hat das Land der Inder zur Mutter von trockenen und wohlriechenden Früchten gemacht? Wer hat den Ölbaum gepflanzt zur Abhilfe in körperlichen Leiden und Schmerzen? Wer gab uns die Kenntniß der Wurzeln und Kräuter und unterrichtete uns über ihre Eigenschaften? Wer erfand die Arzneikunde, welche die Gesundheit herstellt? Wer ließ aus der Erde warme Quellen hervordringen, von denen die einen Kälte und Erweichung heilen, die andern Trockenheit und Verhärtung beseitigen? Man kann da mit Recht die Worte des Baruch anführen: „Dieser entdeckte jeden Weg der Wissenschaft und theilte ihn seinem Sohne Jakob mit und seinem geliebten Israel.“1

Deßhalb gibt es Handwerke mit und ohne Gebrauch des Feuers und andere mit Anwendung des Wassers und unzählige Erfindungen von Künsten, damit zur Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse Nichts mangle. Und so ist Gott der erste Erfinder der Wohlthätigkeit und ein zugleich reicher und mildthätiger Spender Dessen, was wir [S. 204] brauchen. Wir aber, obschon uns jeder Buchstabe der Schrift lehrt, unsern Herrn und Schöpfer nachzuahmen, soweit dem Sterblichen die Nachahmung des Seligen und Unsterblichen möglich ist, scharren Alles zu unserm eigenen Genuß zusammen, verwenden es theils für unser eigenes Leben und sammeln es theils für unsere Erben. Auf die Unglücklichen aber denken wir nicht und kennen keine wohlangebrachte Sorge für die Armen. O unbarmherzige Gesinnung!

Ein Mensch sieht seinen Mitmenschen an Brod Mangel leiden und die nothwendigen Lebensmittel entbehren, und er springt ihm nicht bereitwillig bei und bringt ihm keine Rettung, sondern sieht zu, wenn er wie ein blühendes Gewächs durch Wassermangel jämmerlich austrocknet, obschon er reichlichen Überfluß besitzt und von seinem Reichthum Vielen Trost spenden könnte. Wie nämlich der Abfluß einer einzigen Quelle viele ausgedehnte Flächen befruchtet, so vermag auch der Wohlstand eines einzigen Hauses Schaaren von Armen zu retten, wenn nur nicht ein Filz und Geizhals wie ein Stein, der in den Abzugsgraben fällt, den Abfluß zurückdrängt.

1: Bar. 3, 37.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger