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Gregor v. Nyssa (†394) - Abhandlung über die Ausstattung des Menschen (De opificio hominis)

3. Die Menschennatur ist werthvoller als die ganze Erscheinungswelt.

Es verdient aber auch das nicht unbeachtet zu bleiben, daß, als die so herrliche Welt und die Theile in ihr elementarisch zum Aufbau des Alls festgestellt wurden, die Schöpfung von der göttlichen Macht gewissermaßen improvisirt wird und sofort mit dem Befehle dasteht, der Ausstattung des Menschen aber eine Berathung vorangeht und von dem Künstler das, was werden soll, durch das Wort vorher beschrieben wird, und, wie es beschaffen sein, mit welchem Urbild es Ähnlichkeit haben, wozu es werden, was es nach dem Werden wirken, und worüber es herrschen solle, das Alles das Wort vorher überlegt, damit derselbe schon vor seiner Erschaffung den Vorrang erhalte und noch vor seinem Eintritt in das Sein die Herrschaft über das Seiende bekomme. Denn es sprach Gott, heißt es:1 „Laßt uns den Menschen machen nach unserem Bilde und Gleichnisse, und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und die Thiere der Erde und die Vögel des Himmels und die Haustiere und über die ganze Erde.“ O des Wunders! Die Sonne wird erschaffen, und keine Berathung geht voraus, ebenso der Himmel, welchen beiden Nichts in der Schöpfung gleich kommt; durch einen bloßen Ausspruch wird dieses Wunder hergestellt, ohne daß das Wort andeutet, woher oder wie oder sonst etwas dergleichen. So wird auch alles [S. 218] Einzelne, Äther, Gestirne, die Luft in der Mitte, Meer, Erde, Thiere, Pflanzen, Alles durch ein Wort zur Entstehung gebracht. Bloß zur Erschaffung des Menschen schreitet der Schöpfer des Alls überlegungsweise, um ihm sowohl einen Stoff des Bestehens zu bereiten als seine Form einer gewissen urbildlichen Schönheit ähnlich zu machen, als auch das vorgesteckte Ziel, weßwegen er werden soll, für ihn passend und angemessen den Thätigkeiten seine Natur zu machen, tauglich zu seiner Bestimmung.

1: Gen. 1, 26.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger