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Gregor v. Nyssa (†394) - Abhandlung über die Ausstattung des Menschen (De opificio hominis)

26. Daß die Auferstehung nicht unwahrscheinlich sei.

Allein es gibt Solche, welche, indem sie in der Ohnmacht menschlicher Schlüsse die göttliche Macht nach unseren Maßen beurtheilen, das für uns Unerreichbare auch für Gott nicht als möglich gelten lassen. Sie weisen nämlich [S. 291] auf die Vernichtung der längst Gestorbenen und auf die Überreste der durch Feuer zu Asche Verbrannten, und ausserdem noch führen sie die fleischfressenden Thiere zum Beweis an und den Fisch, der in seinen Leib das Fleisch des Schiffbrüchigen aufnimmt und selbst wieder zur Nahrung der Menschen dient und in die Masse Dessen, der ihn ißt, übergeht durch die Verdauung. Und viele dergleichen kleinliche und der großen Macht Gottes unwürdige Dinge zählen sie auf zur Widerlegung des Glaubenssatzes, als könnte Gott nicht wieder auf denselben Wegen, durch Auflösung dem Menschen das Seinige zurückstellen. Allein wir schneiden uns die langen Umschweife ihrer nichtigen Beweisführung kurz ab, indem wir zugeben, daß die Auflösung des Leibes in seine Bestandtheile allerdings geschieht, und daß nicht bloß die Erde dem göttlichen Worte gemäß1 wieder zur Erde wird, sondern auch die Luft und die Feuchtigkeit zum Gleichartigen zurückkehren, und daß jeder unserer Theile zu dem Verwandten übergeht, mag nun mit den fleischfressenden Vögeln oder den wilden Raubthieren sich vermischt haben der menschliche Leib durch den Fraß, oder mag er unter den Zahn der Fische gekommen oder in Dünste und Asche verwandelt worden sein durch das Feuer. Wo immer aber Einer annahmsweise in Gedanken den Menschen herumfahren lassen will, jedenfalls ist er innerhalb der Welt. Daß aber diese von der Hand Gottes umfaßt sei, lehrt das göttliche Schriftwort.2 Wenn nun dir Etwas, was in deiner Hand ist, nicht unbekannt ist, meinst du denn, das Wissen Gottes sei schwächer als deine Kraft, so daß er nicht von dem von der göttlichen Spanne Umfaßten die genaueste Kenntniß hätte?

1: Gen. 3, 19.
2: Ps. 95, 4 [ = hebr.] [Septuag. u. Vulgata = Ps. 94, 4].

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger