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Gregor v. Nyssa (†394) - Abhandlung über die Ausstattung des Menschen (De opificio hominis)

2. Warum der Mensch nach der Schöpfung zuletzt kommt.

Noch nicht nämlich war dieses große und werthvolle Wesen, der Mensch, in der Welt der Dinge ansässig. Denn [S. 216] es war auch nicht billig, daß der Herrscher vor den Beherrschten erschien, sondern erst nach Zubereitung des Herrschergebietes war es an der Zeit, daß der König auftrat. Nachdem also gleichsam einen königlichen Aufenthalt für den künftigen König der Schöpfer des Alls zurecht gemacht hatte, — das war aber Erde, Inseln, Meer und der wie ein Dach darüber sich wölbende Himmel, — und nachdem allerlei Reichthum in diesen Königssitz niedergelegt war, — unter Reichthum aber verstehe ich die ganze Schöpfung, was da ist an Pflanzen und Gewächsen, und Alles, was Empfindung und Leben und Seele hat, und, muß man auch die Stoffe zum Reichthum zählen, alle, welche wegen eines gewissen Glanzes den menschlichen Augen als kostbar gelten, wie Gold und Silber, auch den der Steine, nämlich derjenigen, welche die Menschen lieben, — und nachdem er von alle dem einen Überfluß gleich wie in einer königlichen Schatzkammer im Schooße der Erde geborgen hatte, ließ er sodann den Menschen in der Welt erscheinen, um von den Wunderwerken in ihr theils Zeuge zu sein, theils Herr, damit er einerseits durch den Genuß die Erkenntniß des Spenders erlange, anderseits aus der Schönheit und Größe die unaussprechliche und unbeschreibliche Macht des Schöpfers erspüre. Darum wurde zum Schluß nach der Schöpfung der Mensch eingeführt, nicht als verächtlich unter das Letzte hingeworfen, sondern als gewürdigt, gleich bei seiner Entstehung König des ihm Untergebenen zu sein. Und wie ein guter Wirth nicht vor der Zubereitung der Speisen den Gast in sein Haus führt, sondern erst, wenn er Alles geziemend zubereitet und mit dem gehörigen Schmucke das Haus, das Lehnpolster, den Tisch geziert hat und das zur Nahrung Dienende bereits fertig ist, den zu Gast Geladenen in sein Haus aufnimmt, auf dieselbe Weise führt der reiche und freigebige Bewirther unserer Natur, nachdem er mit allen möglichen Zierden die Wohnung geschmückt und dieses große und aufwandvolle allgemeine Gastmahl zubereitet hat, da erst den Menschen ein, zur Arbeit ihm gebend nicht den Erwerb des noch nicht Vorhandenen, sondern den Genuß [S. 217] des Gegenwärtigen. Darum legt er auch zweierlei Naturanlagen in ihn, in das Irdische das Göttliche mischend, damit er durch beide für beiderlei Genuß befähigt und empfänglich sei, Gottes genießend durch die gottverwandte Natur, der irdischen Güter aber durch die gleichartige Sinnesempfindung.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger