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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Buße (De paenitentia homiliae)
Vierte Homilie über die Buße und das Gebet.

5.

[S. 408] Seht also zu, meine Brüder, daß wir nicht gleich zornig werden, wenn uns Jemand beleidigt, und in Trauer versinken, sondern uns weise betragen und den Beistand des Herrn erwarten. Aber könnte uns Gott nicht Gutes erweisen, ehe wir ihn darum bitten? Könnte er uns nicht ein Leben ohne allen Schmerz und Kummer gewähren? Aber er thut beides aus Liebe zu uns. Denn warum läßt er über [S. 406] uns Trübsale kommen und schafft nicht sogleich Hilfe? Warum? Auf daß wir fleissig bedacht sind, uns seine Hilfe zu erbitten, und zu ihm unsere Zuflucht nehmen und beständig seinen Beistand verlangen. Daher kommen die Schmerzen des Leibes, daher der Mißwachs, daher die Hungersnoth, damit wir in diesen Trübsalen uns beständig an ihn klammern und so durch die zeitlichen Leiden das ewige Leben erwerben. Also sollen wir Gott auch für die Trübsale danken, ihm, der auf mancherlei Weise das Heil und die Seligkeit unserer Seelen befördert. Wenn uns Menschen zufällig eine Wohlthat erweisen, und wir diese später selbst gegen unsern Willen auch nur ein wenig beleidigen, so schmähen sie und werfen uns sogleich die Wohlthat vor, so daß Viele sich selber verwünschen, von jenen irgend eine Wohlthat angenommen zu haben. Gott aber macht es nicht so. Im Gegentheile: wenn er auch nach den Wohlthaten entehrt und beleidiget wird, so rechtfertigt er sich noch und legt vor denjenigen Rechenschaft ab, die ihn beleidiget haben, indem er also spricht: „Mein Volk, was habe ich dir gethan?“1 Sie wollten ihn nicht Gott nennen, er aber hörte nicht auf, sie sein Volk zu heissen. Sie entsagten seiner Herrschaft, er aber verleugnete sie nicht, sondern behandelte sie als die Seinigen und zog sie an sich mit den Worten: Mein Volk, was habe ich dir gethan? Bin ich dir überlästig gewesen, spricht er, beschwerlich und drückend geworden? Allein das kannst du keineswegs sagen; und wenn das auch wäre, so hättest du dich doch nicht so auflehnen sollen; „denn wo ist ein Sohn, den der Vater nicht züchtiget?“2 Aber auch das könnt ihr nicht sagen. Und wieder an einem andern Orte: „Was haben eure Väter Ungerechtes an mir gefunden?“3 Diese Frage ist groß und bewunderungswürdig; denn er will damit sagen: Was habe ich gesündigt? So spricht Gott zu den Menschen: Was habe ich gesündigt? Das lassen nicht einmal Knechte ihren [S. 407] Gebieter sagen. Und er sagt nicht: Was habe ich gegen euch gesündigt, sondern: gegen eure Väter? Aber auch das, spricht er, könnt ihr nicht sagen, daß ihr die von denVätern überkommene Feindschaft gegen mich vor Augen habt; denn ich habe euren Voreltern keinen Anlaß gegeben, über meine Vorsicht sich zu beklagen; ich habe sie weder im Kleinen noch im Großen verlassen. Und er sagt nicht schlechthin: Was haben eure Väter an mir Ungerechtes gehabt, sondern: Was haben sie gefunden? Sie suchten lange, gaben sich in den vielen Jahren meiner Herrschaft große Mühe zu finden und fanden doch keinen Fehler. Aus all diesen Gründen wollen wir stets unsere Zuflucht zu ihm nehmen und in jeder Betrübniß seinen Trost suchen, in jeder mißlichen Lage seine Rettung und Gnade, in jeder Versuchung seine Hilfe erflehen. Denn so groß die Noth, so drückend ein Unglück auch sein mag, er kann Alles aufheben und ändern. Allein nicht nur das, sondern auch alle Sicherheit und alle Kraft und wahrhafte Ehre und Gesundheit des Leibes und Weisheit der Seele und treffliche Hoffnungen und die Gnade, nicht so bald wieder zu sündigen, wird uns seine Barmherzigkeit geben. Murren wir also nicht, wie undankbare Knechte, und beklagen wir uns nicht über den Herrn, sondern danken wir ihm in allen Dingen und halten wir die Sünde gegen ihn für das einzige Übel. Und wenn wir gegen Gott solche Gesinnungen hegen, so wird keine Krankheit, keine Armuth, keine Schmach, kein Mißwachs, noch etwas Anderes, was wir unter die Trübsale rechnen, uns treffen, sondern wir werden beständig ein wahres und reines Vergnügen genießen und der künftigen Güter theilhaftig werden durch die Gnade und Liebe unseres Herrn Jesu Christi, dem zugleich mit dem Vater und dem heil. Geiste Ehre gebührt jetzt und allzeit und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

1: Mich. 6, 3.
2: Hebr. 12, 7.
3: Jer. 2, 5.

 

 

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Einleitung: Homilien über die Buße
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger