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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Buße (De paenitentia homiliae)
Vierte Homilie über die Buße und das Gebet.

4.

Was sollen wir nun dazu sagen? Wie werden wir Barmherzigkeit erlangen? Wie werden wir gerettet werden? Ich will es sagen: Laßt uns beständig in unserm Herzen beten und die Früchte davon, nämlich die Demuth und Sanftmuth uns eigen machen; denn es heißt: „Lernet von mir, denn ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig, und ihr werdet Ruhe finden für eure Seelen.“1 Und wieder sagt David: „Ein Gott wohlgefälliges Opfer ist ein zerknirschter Geist; ein zerknirschtes und gedemüthigtes Herz wird Gott nicht verachten.“2 Denn Nichts billigt und liebt Gott so sehr, als ein sanftmüthiges, demüthiges und dankbares Herz. Merke auch du das, mein Bruder, und wenn dir ein unerwartetes Unglück zustößt und Kummer verursacht, so nimm deine Zuflucht nicht zu Menschen und schaue nicht auf irdische Hilfe, sondern erhebe dich. Alle nicht achtend, in deinem Geiste zum Arzte der Seelen. Denn das Herz zu heilen vermag der allein, welcher unsere Herzen, und zwar eines Jeden, gebildet hat und alle unsere Werke kennt.3 Er weiß den Weg zu unserm Gewissen; er kann das Herz rühren und die Seele ermuntern. Wenn nicht er unsere Herzen ermuntert, so ist Alles, was von Menschen kömmt, umsonst und vergeblich, sowie andererseits, wenn Gott uns [S. 404] ermuntert und tröstet, uns Nichts im geringsten schädigen kann, mögen uns auch die Menschen tausend Unannehmlichkeiten bereiten; denn befestiget er unser Herz, so kann Niemand dasselbe erschüttern.

Da wir nun Dieses wissen, Geliebte, so wollen wir stets unsere Zuflucht zu Gott nehmen, der unsere Leiden beendigen kann und auch will. Denn wollen wir von Menschen Etwas erbitten, so müssen wir uns zuerst an die Thürsteher wenden, Schmarotzer und Schmeichler ersuchen und manchen Weg machen; bei Gott aber ist es ganz anders: er läßt sich ohne Fürsprecher erbitten und gewährt die Bitte ohne Aufwand und Geld. Du darfst nur in deinem Herzen rufen und Thränen vergießen, nur gerade zugehen, und du hast ihn gewonnen. Wenn wir einen Menschen um Etwas bitten, so fürchten wir oft, es möchte einer unserer Feinde, oder ein Freund (derselben) oder irgend ein Gegner die Sache erfahren, oder ein Anderer die Unterredung ausschwätzen und so das Recht beugen; allein bei Gott ist dieser Argwohn unmöglich. Denn wenn du eine Gnade von mir erbitten willst, sagt er, so komme allein, wenn Niemand zugegen ist, d. h. rufe in deinem Herzen, ohne die Lippen zu rühren. Denn er spricht: „Geh’ in deine Kammer, schließ’ deine Thür und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist: und dein Vater, der im Verborgenen sieht, wird es dir offen geben.“4 Sieh’, welches Übermaß der Ehre! Wenn du mich bittest, sagt er, soll Niemand es sehen; wenn aber ich dich ehre, so bringe ich die ganze Welt als Zeuge deiner Vergeltung. Halten wir uns also daran, beten wir nicht, um uns sehen zu lassen, nicht gegen unsere Feinde, und schreiben wir ihm nicht die Art der Hilfe vor. Denn wenn wir den Sachwaltern und Vertheidigern vor weltlichen Richtern auch nur unsere Verhältnisse sagen, ihnen aber die Art unserer Vertheidigung ganz überlassen, so müssen wir mit Gott um so mehr also verfahren. Hast du ihm dein An- [S. 405] liegen entdeckt und dein Leiden geklagt? Schreib’ ihm nicht vor, wie er dir helfen soll; denn er weiß genau, was für dich gut ist. Es gibt aber Viele, die um tausend Dinge bitten, wenn sie beten, und sagen: „Herr, gib mir Gesundheit des Leibes, Verdoppelung meines Vermögens, räche mich an meinem Feinde! Aber Dieß alles ist sehr thöricht. Deßwegen soll man Dieß alles in seinem Gebete weglassen und nur bitten, wie der Zöllner gethan mit den Worten: „O Gott, sei mir Sünder gnädig.“5 Und er weiß dann schon, wie er dir helfen soll. „Denn suchet,“ sagt er, „zuerst das Reich Gottes, und Dieß alles soll euch hinzugethan werden.“6 Laßt uns also, Geliebte, mit Eifer und Demuth die weisen Lehren befolgen und wie Jener an unsere Brust schlagen, und wir werden erlangen, um was wir flehen. Beten wir aber voll Zorn und Ingrimm, so werden wir bei Gott als ein Gegenstand des Abscheues und des Hasses befunden. Zerknirschen wir also unsern Sinn, demüthigen wir unsere Herzen und beten wir für uns selbst und Die, die uns beleidiget haben. Denn willst du den Richter gewinnen, daß er deiner Seele helfe und auf deiner Seite stehe, so rufe ihn nie an gegen deinen Widersacher; denn dieser Richter hat die Gewohnheit, daß er denjenigen am meisten geneigt ist und ihre Bitten gewährt, welche für ihre Feinde beten und der Beleidigung nicht gedenken und gegen ihre Widersacher nicht aufgebracht sind. Und je mehr sie Dieses thun, desto mehr erbebt sich Gott gegen sie, wenn sie sich nicht zur Buße wenden.

1: Matth. 11, 29.
2: Ps. 50, 19.
3: Ps. 32, 15.
4: Matth. 6, 6.
5: Luk. 18, 13.
6: Matth. 6, 33.

 

 

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Einleitung: Homilien über die Buße
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger