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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Buße (De paenitentia homiliae)
Zweite Homilie von der Buße, und über die Traurigkeit des Königs Achab, und über Jonas den Propheten.

1.

Habt ihr am vergangenen Sonntag Kampf und Sieg gesehen? Den Kampf des Satans und den Sieg Christi? Habt ihr gesehen, wie die Buße gepriesen wurde, wie der Satan diesen Streich nicht aushalten konnte, sondern erschrack und erbebte? Warum fürchtest du dich, o Satan, wenn die Buße gerühmt wird? Warum seufzest du? Warum [S. 367] erschrickst du? Wohl mit Recht, antwortet er, seufze ich und betrübe ich mich: diese Buße hat mir mächtige Rüstzeuge geraubt. Und welches sind diese Rüstzeuge? Die Buhlerin, den Zöllner, den Schächer, den Gotteslästerer. Ja gewiß, die Buße hat ihm viele Rüstzeuge geraubt; sie hat ihm sogar seine Veste zerstört; und durch die Buße empfing er einen tödlichen Streich. Das wirst du, mein Geliebter, aus Dem einsehen, was neulich die Erfahrung gezeigt hat. Warum benutzen wir also diese Versammlung nicht? warum kommen wir nicht täglich in die Kirche, um Buße zu thun? Bist du ein Sünder, so gehe in die Kirche, um deine Sünden zu bekennen; bist du gerecht, so gehe hinein, um die Gerechtigkeit nicht zu verlieren: denn für Beide ist die Kirche ein Hafen. Bist du ein Sünder? Verzweifle nicht, sondern gehe hinein und erzeige dich als einen Büßer. Hast du gesündigt? Sage zu Gott: ich habe gesündigt. Was ist das für eine Mühe, was für ein Umweg, was für eine Anstrengung, was für eine Noth zu sagen: Ich habe gesündigt? Denn wirst du, falls du dich nicht selbst als Sünder bekennst, nicht den Teufel als Ankläger haben? Komme ihm zuvor und raube ihm die Ehre; denn seine Ehre besteht darin, daß er Ankläger ist. Warum kommst du ihm nun nicht zuvor und bekennst deine Sünde und reinigest dich von derselben, da du weißt, daß du einen solchen Ankläger hast, der nicht zu schweigen vermag? Hast du gesündigt? Gehe in die Kirche und sage zu Gott: Ich habe gesündigt. Ich verlange nichts Anderes von dir, als dieses allein; denn die heilige Schrift sagt: „Sage zuerst deine Sünden, auf daß du gerechtfertigt werdest.“1 Bekenne die Sünde, damit du die Sünde tilgest. Das macht keine Mühe; dazu gehören nicht viele Worte noch Geldaufwand noch sonst etwas ähnlicher Art. Sprich ein Wort und sei unbesorgt wegen der Sünde; sage nur: Ich habe gesündigt. Wie kömmt es denn aber, möchte Jemand sagen, daß ich die Sünde tilge, wenn [S. 368] ich zuerst sie bekenne? Ich habe in der heiligen Schrift einen Menschen, der sie bekannte und tilgte, und einen Menschen, der sie nicht bekannte und verdammt wurde. Kain erschlug, vom Neide erfaßt, seinen Bruder Abel, so daß der Mord dem Neide unmittelbar folgte; denn er nahm den Bruder auf das Feld hinaus und ermordete ihn. Und was spricht Gott zu ihm? „Wo ist dein Bruder Abel?“2 Der Allwissende fragt nicht, als ob er es nicht wüßte, sondern um den Mörder zur Buße zu locken. Denn daß er diese Frage nicht aus Unkenntniß gestellt, hat er bewiesen: „Wo ist dein Bruder Abel?“ Kain aber erwiderte: „Ich weiß es nicht; bin denn ich der Wächter meines Bruders?“3 Gut; du bist nicht der Wächter; warum bist du aber der Mörder? Du hast ihn nicht bewacht; warum hast du ihn aber getödtet? Das wirst du doch wohl bekennen? Du bist aber auch strafbar, daß du ihn nicht bewacht hast. Was sagt also Gott zu ihm? „Die Stimme des Blutes deines Bruders schreit zu mir von der Erde.“4 Er hält ihm sogleich sein Verbrechen vor und bestraft ihn, nicht so fast wegen des Mordes, als wegen der Unverschämtheit. Denn Gott haßt Den, der sündigt, nicht so sehr, als Den, der unverschämt ist. Er nahm den Kain, als er zur Buße schritt, nicht mehr an, weil er seine Sünde nicht gleich bekannt hatte. Denn was sagt Kain? „Meine Sünde ist größer, als daß sie mir erlassen werde,“5 als wollte er sagen: Ich habe eine große Sünde begangen; ich bin des Lebens nicht werth. Was sprach nun Gott zu ihm? „Seufzend und zitternd wirst du auf Erden sein,“6 und legte ihm eine harte und schwere Strafe auf. Ich tödte dich nicht, spricht er, damit die Wahrheit (dieser Lehre) nicht in Vergessenheit komme, sondern ich mache dich zu einem Gesetze, das Alle lesen können, damit das Unglück die Mutter der Weisheit werde. Und Kain irrte herum, ein lebendiges Gesetz, eine wandelnde Säule, [S. 369] die schweigend eine stärkere Stimme hatte, als eine Trompete. Niemand, ruft sie, thue dasselbe, damit er nicht dasselbe erdulde. Er wurde bestraft, weil er unverschämt war; und er wurde verdammt wegen der Sünde, weil er sie, obgleich überwiesen, nicht bekannt hatte; denn hätte er sie freiwillig bekannt, so hätte er sie gleich auch getilgt.

1: Is. 43, 26.
2: Gen. 4, 9.
3: Ebend.
4: Gen. 4, 10.
5: Ebend. V. 13.
6: Ebend. V. 12.

 

 

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Einleitung: Homilien über die Buße
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger