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Chrysostomus († 407) - Homilien über die Buße (De paenitentia homiliae)
Erste Homilie von der Buße, als er vom Lande in die Stadt zurückkehrte.

3.

Bedenke nur das: Bist du lässig und träg, so wird auch dich die Sünde ergreifen; wenn nicht um deines Bruders willen, so laß dich doch wenigstens um deiner selbst willen aufschrecken und unterdrücke die Pest, komme der Fäulniß zuvor, steure der um sich greifenden Flamme. Nachdem er Dieß und Andres gesagt und befohlen, ihn dem Satan zu überliefern, spricht er zuletzt: Nachdem er sich gebessert und bekehrt hat, „so genügt es für ihn, daß er von so Vielen bestraft worden ist; bewährt also die Liebe zu ihm.“1 Denn nachdem er ihn Allen als gemeinsamen Feind und Widersacher bezeichnet und ihn von der Heerde ausgeschlossen und [S. 360] vom Körper abgeschnitten hatte, siehe nun, wie sehr er sich Mühe gibt, ihn mit demselben wieder zu vereinigen und zu verbinden. Er sagt nicht einfach: „Liebet ihn,“ sondern „bewähret eure Liebe an ihm,“ d. h. zeigt ihm eine feste und unveränderliche Freundschaft, die warm, glühend und brennend ist, und bringt ihm statt des frühern Hasses Liebe entgegen. Was ist geschehen? sage es mir! Hast du ihn nicht dem Satan übergeben? Ja, spricht er; aber nicht, damit er in den Händen des Satans verbleibe, sondern damit er bald von seiner Gewalt befreit werde. Aber wie ich erwähnte beachte, wie Paulus die Verzweiflung als eine gewalttige Waffe des Satans befürchtete. Denn nachdem er gesagt: „Bewähret eure Liebe,“ fügt er auch den Grund bei: „Damit Der, welcher ein solcher ist, nicht in allzu große Traurigkeit versinke.“2 Das Schaf, sagt er, ist im Rachen des Wolfes; laßt uns ihm also zuvorkommen, entreissen wir es ihm, bevor er das Glied von uns verschlinge und verderbe; das Schiff ist von Wogen bedrängt: beeilen wir uns das-ßelbe, ehe es Schiffbruch leidet, zu retten. Denn wie ein Nachen versinkt, wenn das Meer stürmisch ist und ringsum die Wogen sich thürmen: so wird auch die Seele, die um und um mit Trauer erfüllt ist, in Bälde erstickt, wenn sie Niemanden hat, der ihr die Hand reicht: und wie es heilsam ist, über die Sünden zu trauern, so wird die Traurigkeit schädlich, wenn sie das Maaß überschreitet. Siehe nur, wie genau der Apostel sich ausdrückt; denn er sagt nicht: „Damit ihn der Satan nicht verderbe,“ sondern was? „Damit wir nicht übervortheilt werden vom Satan.“3 Übervortheilen heißt aber, nach Fremdem begehren. Indem er zeigt, daß der Sünder dem Satan nicht mehr angehöre, und Daß er durch die Buße zur Herde Christi zurückgekehrt sei, sagt er: „Damit wir nicht übervortheilt werden vom Satan;“ denn wenn er ihn verschlingt, so entreißt er uns ein Glied und nimmt das Schaf von der Herde; denn durch die Buße [S. 361] hat er die Sünde abgelegt. Da Paulus wußte, wie es der Satan dem Judas gemacht hat, so befürchtete er, es möchte auch hier dasselbe geschehen. Was that er aber an Judas? Judas bereute seine Sünde; „denn ich habe gesündigt,“ sagt er, „indem ich unschuldiges Blut verrieth.“4 Der Satan hörte diese Worte, erkannte, daß er den Weg der Besserung einschlage, zur Rettung einlenke, und befürchtete die Bekehrung. Er hat einen gütigen Herrn, spricht er; da er ihn verrathen wollte, beweinte er ihn und hielt ihn auf mannigfaltige Weise zurück. Wird er ihn nicht um so mehr aufnehmen, wenn er Buße thut? Als er verstockt und halsstarrig war, zog er ihn an sich und rief ihn zu sich; um wieviel mehr wird er ihn nicht anziehen, wenn er seinen Sinn ändert und seine Sünde erkennt? Deßwegen kam er ja, sich kreuzigen zu lassen. Was that also der Satan? Er erschreckte ihn, verfinsterte seine Seele mit allzu großer Betrübniß, verfolgte ihn und trieb ihn, bis er ihn zum Stricke brachte und ihn des Lebens und des Vorsatzes beraubte, Buße zu thun. Denn daß auch er, falls er am Leben geblieben, Gnade erlangt hätte, das beweisen Diejenigen, die Jesum kreuzigten. Denn da er Denen, die ihn kreuzigten, Gnade widerfahren ließ und am Kreuze selbst seinen Vater anflehte und bat, ihnen die so große Sünde nicht anzurechnen: so ist es offenbar, daß er auch den Verräther, wenn er aufrichtig Buße gethan hätte, mit aller Sanftmuth aufgenommen haben würde. Aber er konnte dieses Heilmittels sich nicht bedienen, weil er allzu heftiger Trauer erlag. Das fürchtete nun auch Paulus und drang in die Korinther, den Mann dem Rachen des Satans zu entreissen. Was brauche ich lange von den Korinthern zu reden? Petrus verläugnete nach der Gemeinschaft an den Geheimnissen dreimal den Herrn, aber er weinte und löschte Alles aus. Paulus war ein Verfolger und ein Lästerer und ein Gewaltmensch; er verfolgte nicht bloß den Gekreuzigten, sondern auch alle seine [S. 362] Anhänger; aber er bereute und wurde ein Apostel. Denn Gott fordert von uns nur einen kleinen Grund zur Verzeihung und erläßt uns dann viele Sünden.5 Ich führe auch eine Parabel an, die euch das beweist.

1: II. Kor. 2, 6. 8.
2: Ebendas. V. 7.
3: II. Kor. 2, 11.
4: Matth. 27, 4.
5: Colb. hat: πάντα ἁμαρτήματα, alle Sünden.

 

 

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Einleitung: Homilien über die Buße
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger