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Wenzel Stoderl, Vorbemerkungen zum Kommentar des Galaterbriefes. In: Des heiligen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus Erzbischofs von Konstantinopel Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Galater und Epheser / aus dem Griechischen übers. von Wenzel Stoderl. (Des heiligen Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus ausgewählte Schriften Bd. 8 ; Bibliothek der Kirchenväter, 2. Reihe, Band 15) Kempten; München : J. Kösel : F. Pustet, 1936
Vorbemerkungen zum Kommentar des Galaterbriefes

I.

1.

[S. 7] Die Echtheit des Kommentars zum Galaterbrief ist zu keiner Zeit angezweifelt worden. Doch mag zugegeben werden, daß äußere Bezeugungen für die älteste Zeit nur in spärlichem Ausmaße gegeben sind und daß auch die inneren Kennzeichen seiner johanneischen Herkunft weniger überzeugend wirken als bei den übrigen Homilien zu den paulinischen Briefen.

In Anlage und Durchführung nimmt der Galaterkommentar eine bemerkenswerte Sonderstellung ein. Der Text wird kapitelweise einer fortlaufenden Exegese unterzogen, wobei das dogmatische Element in den Vordergrund tritt. Ein Hauptaugenmerk wendet der Heilige den großen Irrlehren seiner Tage sowie der früheren Jahrhunderte zu, deren Grundgedanken mit Schärfe namhaft gemacht und in treffender, bisweilen mustergültiger Weise widerlegt werden. Namentlich die Arianer strengster Richtung, die sog. Anomöer, doch auch die Mazedonianer, Donatisten und Gnostiker, unter diesen wieder die Marcioniten, finden in ihm einen entschiedenen Gegner (Kap. I. III. VI). Freilich zeigt die mehr abgeklärte Art der Auseinandersetzung, daß jene Bewegungen ihren Höhepunkt bereits überschritten haben.

Durch die erwähnte Methode der Durchführung nähert sich unser Kommentar der modernen Form der Schrifterklärung. Doch wird die hierdurch bedingte Eintönigkeit und Trockenheit durch Ausrufe, persönliche Apostrophierung der Gegner sowie gelegentliche Einbrüche in das Gebiet des sittlich-praktischen Lebens des öftern in glücklicher Weise unterbrochen, ein Beweis, daß der Exeget in erster Linie Rhetor war. Mit Leidenschaft ereifert er sich gegen die Torheit der Selbstentmannung (Kap. V) und schwingt die Geißel des Spottes über den jüdischen und heidnischen Aberglauben seiner Tage (a. a. O.).

Die eigentümliche literarische Fassung unseres Buches hat bis zur Stunde keine befriedigende Erklärung gefunden. Am nächsten liegt die Annahme, daß die ursprünglichen Homilien nachträglich, sei es vom Heiligen selbst oder von einem anderen auf Grund seines literarischen Nachlasses eine Überarbeitung erfuhren, um den wesentlichen Inhalt derselben der breiteren Öffentlichkeit zugängig zu machen (Bardenhewer, Baur). Dafür würde außer dem rhetorischen Einschlag unseres Kommentars sprechen, daß eine solche Bearbeitung von dem Kommentar zum Hebräerbrief ausdrücklich bezeugt (Presbyter Konstantius [Constantinus?]) und vom Kommentar zum Johannesevangelium und von dem unvollendeten Isaiaskommentar wenigstens wahrscheinlich ist. Nach anderen Exegeten stellt der überlieferte Text eine Art Skizze und Entwurf dar, den der Heilige niederschrieb, um das darin verarbeitete Material seinen späteren Homilien zugrunde zu legen (Mauriner).

 

 

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Einleitung zu:
Kommentar zu den Briefen des hl. Paulus an die Galater (In epistulam ad Galatas commentarius) (Chrysostomus († 407))

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger