Titel newsletter aktuell suche Titel werke start
Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 93.

XCIII.

Ein Psalm Davids, am vierten Tage der Woche.

Inhalt.

Er spricht in diesem Psalme von der Vorsehung und lehrt, nicht sich zu ängstigen und nicht muthlos zu werden, wenn auch vorübergehend die Sünder glücklich und die Gottesfürchtigen der Verfolgung ausgesetzt seien. Denn Nichts hat hievon Bestand, sondern es wird sich ändern, für die Einen die Beängstigung in den ewigen Genuß des Guten, für die Andern aber die scheinbaren Güter in eine Strafe für ewige Zeiten. „Am vierten Tage der Woche“ heißt es aber in der Ueberschrift wegen des vierten Monats. Denn statt des Monats hat er den Tag gesetzt, an dem für die Stadt Gottes das Unglück begann, da im vierten Monat die Babylonier heranzogen, 1 wie Jeremias erzählt.

V. 1. „Gott der Rache ist der Herr, Gott der Rache hat frei gehandelt.“ Wie er ein barmherziger Gott ist und ein Gott des Trostes, so ist er auch ein Gott der Rache. Wiederum gewährt dieser Eingang denen einen großen Trost, die durch in Angst versetzt werden. „Er hat frei gehandelt deutet aber auf den Ausspruch, der auf dem göttlichen Richterstuhle an die Gottlosen später ergehen wird, wenn er sagt: „Gehet weg von mir, ihr Verfluchten!“ 2

V.2“.Gib Vergeltung den Stolzen.“ Er sendet [S. 693] ein Gebet für die Bedrängten empor und erfleht für sie die Hilfe des allein mächtigen Gottes.

V. 3. „Wie lange werden die Sünder sich rühmen?“ Er deutet damit die große außerordentliche Langmuth Gottes an.

V. 5. „Sie demüthigten, o Herr, Dein Volk.“ Er reizt Gott zum Zorn gegen seine Feinde und sagt, daß sein Volk und sein Erbe es sei, das von den Feinden übel mitgenommen werde.

V. 6. „Die Wittwer und die Waise tödteten sie.“ Hievon ist die Erklärung in einem vorhergehenden Verse enthalten. 3 Gleichwohl soll sie auch hier vorgebracht werden. Eine verwaiste Seele und einen eingewanderten 4 Sinn tödtet der, welcher die göttlichen Schriften schlecht auslegt. Verwaist ist aber der Sinn, der des himmlischen Vaters beraubt ist.

V. 11. „Der Herr kennt die Gedanken der Menschen, daß sie eitel sind.“ Denn wie sind nicht voll Eitelkeit jene Anschauungen, die den Nutzen der Vorsehung von ihrer Rede fern zu halten suchen?

V. 12. „Glückselig der Mensch, den Du unterweisest. o Herr!“ Jene, will er sagen, sind unglücklich und niedrig, die Deine Unterweisung nicht empfangen. Glückselig sind aber die, die von Dir, o Herr, unterwiesen und in Deinem Gesetze unterrichtet werden. Denn diese werden ja auch in den Bedrängnissen sich beruhigen und sich weniger beschwert fühlen, da sie wissen, daß die Bedrängnisse zu einem guten Ende führen werden. Böse Tage nennt er die Tage des Gerichtes.

V. 13. „Bis dem Sünder eine Grube gegraben ist.“ So lange, will er sagen, werden die Unter- [S. 694] wiesenen muthig die Bedrängnisse ertragen, bis dem Sünder eine Grube gegraben ist, das heißt, bis der Sünder der ihm bereiteten Strafe verfällt. Sünder aber nennt er den Satan oder jede feindliche Macht.

V. 14. „Denn nicht wird der Herr sein Volk verstoßen.“ Das ist wohl der Nachsatz 5 zu dem, was im Vorhergehenden gesagt ist: „Dein Volk, o Herr, haben sie erniedrigt und gequält Dein Erbe.“ 6 „Und sein Erbe wird er nicht verlassen.“ Das hängt mit dem vorhergebenden Verstheil zusammen: „Nicht wird der Herr sein Voll verstoßen.“ Es ist, wie wenn er sagte: Er wird sein Volk bewahren während der ganzen Zeit der Bedrängniß. Und er wird es so lange regieren und leiten, bis er das göttliche Gericht niedergesetzt hat. Wenn aber zu diesem sich die Gerechtigkeit, das heißt Christus niedergesetzt hat, so werden ihr Alle nahe kommen, die aufrichtigen Herzens sind, gemäß den Worten: „Denn sie werden Gott anschauen. 7 Denn so ergibt es sich aus dem Folgenden.

V. 15. „Bis sich die Gerechtigkeit wendet zum Gerichte.“ Bis Christus die Welt richten wird. Er nämlich ist uns Weisheit geworden von Gott, Gerechtigkeit, Heiligung. Erlösung. 8 Und das ganze Gericht hat ihm der Vater gegeben. 9

V. 16. „Wer wird sich für mich wider die Bösen erheben?“ Das ist die Stimme der Bedrängten. Er will aber sagen: Wer sollte mein Bundesgenosse sein gegen die, welche gegen mich böse sind? Hierauf fühlt er sogleich den Helfer und sagt, daß seine Seele längst in die Unterwelt gesunken wäre, wenn sie bei Gott keine Hilfe gefunden hätte.

V. 18. „Wenn ich sprach: Es hat mein Fuß [S. 695] gewankt.“ Da ich in meiner Bedrängniß, will er sagen, sah, daß ich ausglitt, sprach ich: Wann hat mein Fuß gewankt, das heißt, wann werde ich meine Stellung bei Gott verlieren? Da merkte ich sogleich, daß Dein Schutz und Deine Barmherzigkeit mir zu Hilfe kamen.

V. 19. „Deine Tröstungen erfreuten meine Seele.“ Du ließest mich, will er sagen, nicht ohne Trost, sondern so viele Bedrängnisse ich hatte, so viele Tröstungen empfing ich auch von Dir, die meinen Schmerz in Freude verwandelten.

V. 20. „Hat der Sitz des Unrechts Gemeinschaft mit Dir, der Mühe macht im Gebote?“ Deßhalb, will er sagen, hast Du mein Herz getröstet in meinen Bedrängnissen, weil der Sitz des Unrechts mit Dir Nichts zu thun haben wird, das heißt, weil Du als Gott ein gerechter Richter bist, und weil kein Unrecht sein wird in Deinen Gerichten. Denn der Sitz bedeutet das Gericht, wie daher auch bei dem, der Mühe macht im Gebote. 10 Es ist aber das wohl der feindliche Dämon, der die Gebote Gottes, die leicht sind, schwer macht und den Menschen in denselben Mühen bereitet. Einen Sitz des Unrechts nannte er den Teufel, da ein Sitz der Gerechtigkeit Christus ist, der dem Teufel widerstrebt.

V. 21. „Sie werden unschuldiges Blut verdammen.“ Diese bösen und feindlichen Dämonen, will er sagen, werden in jeder Weise die Seele des Gerechten zu erjagen suchen. Aber deßhalb, will er sagen, werden sie verurtheilt werden. Denn das bedeuten die Worte: „Und sie werden unschuldiges Blut verdammen.“ Er will nämlich sagen, daß sie für das von ihnen unschuldig vergossene Blut dem Gerichte und der Strafe werden überliefert werden. [S. 696]

V. 22. „Und es wurde mir der Herr zur Zuflucht.“ Ich genoß die Fürsorge des Herrn und habe an ihm einen festen Wall.

1: Jerem. 39,2.
2: Matth. 25,41.
3: Ps. 38, 13 stehen ähnliche Worte. Es wird aber in unserm Texte daselbst keine Erklärung gegeben.
4: Es wird hier Bezug genommen aus „den Fremdling.“ was in diesem Verse auf „Wittwer“ folgt.
5: xxxxx. Montfaucon übersetzt es mit „donum“
6: V.5.
7: Matth. 5,8.
8: I. Kor. 1,30.
9: Joh. 5, 22. 27.
10: Nämlich bei dem Satan, wie im Folgenden ausgesprochen wird.

 

 

Informationen
Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
Bilder Vorlage

Navigation
. . Mehr
. . Ps 85.
. . Ps 86.
. . Ps 87.
. . Ps 88.
. . Ps 89.
. . Ps 90.
. . Ps 91.
. . Ps 92.
. . Ps 93.
. . Ps 94.
. . Ps 95.
. . Ps 96.
. . Ps 97.
. . Ps 98.
. . Ps 99.
. . Ps 100.
. . Ps 101.
. . Mehr

Titel Top Back Next
 
Kontakt: Griechische Patristik und orientalische Sprachen - Miséricorde - Av. Europe 20 - CH-1700 Fribourg
Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger