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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 92.

XCII.

Auf den Tag vor dem Sabbat, da die Erde gegründet worden war, ein Loblied Davids.

Inhalt.

„Am Sabbat“ bedeutet im vorhergehenden Psalm die zweite [S. 690] Ankunft des Herrn, bei welcher er über die neue Zeit mit seinen Heiligen herrschen wird. Offenbar ist wohl der Tag vor dem Sabbat seine erste Ankunft, als die Erde gegründet worden ist, das heißt, als auf dem ganzen Erdkreise der Grund zur Kirche gelegt worden ist, indem nämlich die heiligen Apostel und Evangelisten das Wort von Christus der Erde verkündeten.

V. l. „Der Herr herrschte, Schmuck zog er an.“ Weil das menschliche Geschlecht die Herrschaft Gottes verließ und unter die Gewalt des Satans gerathen ist, so erschien deßhalb der Eingeborne, um es wieder seinem Zepter zu unterwerfen, was auch geschah. Unter dem Schmucke Gottes versteht er das Heil des Geschlechtes selbst. Denn wenn er nicht Fleisch geworden wäre, indem er unsere Natur ausser der Sünde annahm, so wäre uns offenbar das Heil nicht zu Theil geworden. Er muß nämlich herrschen, bis er alle Feinde unter seine Füße legt. „Der Herr zog Macht an und umgürtete sich.“ Mit diesen Worten zeigt er uns die Vernichtung der feindlichen Mächte, die er zu Stande gebracht hat, indem er gleichsam die äussere Gestalt eines Kriegers anzog. „Denn er befestigte den Erdkreis, der nicht wanken wird.“ Nachdem er nämlich zuvor jene feindlichen Dämonen vernichtet hatte, stellte er die Kirche auf einen Fels, über die selbst die Pforten der Hölle nicht siegen werden.

V. 2. „Bereitet ist seitdem Dein Thron.“ Das sagt er, weil er von der Erschaffung der Welt an die Erlösung des menschlichen Geschlechtes beschlossen hatte, die durch seine Erlösung stattfinden sollte. Denn unter Thron versteht er die Macht, über die Dämonen zu richten, die uns Unrecht zugefügt haben, und die Auferstehung des Eingebornen. Du selbst, o Herr, will er also sagen, der Du jetzt gleichsam auf dem Stuhle eines Richters zu dem Zwecke sitzest, daß Du nämlich uns richtest und uns strafest. Gott von Ewigkeit.

V. 3. „Es erhoben die Ströme, o Herr, es [S. 691] erhoben die Ströme ihre Stimme.“ Ströme nennt er hier die heiligen Apostel und Evangelisten, welche die Kirche Gottes mit geistigen Gewässern erfreuten. Denn es sind an sie die Worte ergangen: „Es werden aus seinem Leibe Ströme lebendigen Wassers fließen.“ 1

V. 4. „Wunderbar ist der Aufruhr des Meeres.“ Die vielen Einweihungen und Gedanke der Apostel und die Ströme der Evangelisten haben einen wunderbaren Aufruhr des Meeres zu Stande gebracht. Meer aber nennt er die Schaaren der gläubigen Völker, deren Aufruhr, daß heißt deren Gemüthserhebung wunderbar ist. Denn sie denken nicht mehr Kleines und Niedriges von Gott, sondern Großes und Wunderbares.

V. 5.“Deine Zeugnisse sind überaus glaubwürdig geworden.“ Zeugnisse nennt er die Verheißungen, die er durch die heiligen Propheten den Völkern macht, deren Zuverläßigkeit er in den letzten Tagen zeigte, indem er durch seine eigene Ankunft sie im Werke erfüllte. „Deinem Hause ziemt Heiligkeit, o Herr.“ Dein Haus ist die Kirche. Es ziemt ihr aber wohl, daß sie heilig sei, da der in ihr wohnt, der allein heilig ist. Wenn aber das geschehen ist, wird sie unendliche Heiligkeit erlangen und genießen. [S. 692]

1: Joh. 7,38

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger