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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 90.

XC.

Ein Lobgesang Davids, ohne Aufschrift bei den Hebräern

Inhalt.

In folgerichtiger Weise führt er, nachdem er im 89. Psalme die Verwerfung des jüdischen Volkes gezeigt hat, im gegenwärtigen Psalm die Person derer ein, die durch Christus vollendet wurden und durch ihn die geistigen Feinde besiegten, nämlich die Herrschaften und Mächte und die Beherrscher dieser Finsterniß und die geistige Bosheit und den verworfenen Satan selbst, die in verschiedenen Wendungen im vorliegenden Psalme bezeichnet werden, als Schrecken der Nacht, als Geschoß, das bei Tage fliegt, als ein Ding, das im Finstern wandelt, als ein Anfall und mittägiger Teufel und als Tausende und Zehntausende, als Natter und Basilisk, als Löwe und Drache. Gegen alle diese verkündet er nun dem Menschen Gottes den Sieg.

V. 1. „Wer unter der Hilfe des Höchsten wohnt.“ Der prophetische Geist preist den Menschen selig, der Hilfe und Beistand gebracht hat, Christum, der auch der Höchste ist. Denn wie ist der nicht selig, der gewürdigt wurde, den Gott des Himmels zum Schützer zu haben? „Er wird unter dem Schirme des Gottes des Himmels wohnen.“ Wer unter dieser Hilfe wohnt, wird geschützt und bewacht.

V. 2. „Er wird zum Herrn sagen: Du bist es, der mich aufnimmt.“ Und wer sagt es zum Herrn, ausser ein Mensch, der auf ihn vertraut und auf sein Heil sich stützt?

V. 3. „Denn er wird Dich befreien vom [S. 684] Stricke.“ Er hat schon im Voraus gezeigt, daß die feindlichen Mächte bezeichnet werden.

V. 4. „Mit seinem Rücken wird er Dich beschatten.“ Da der Mensch Gottes gesagt hat, daß Gott selbst ihn vom Stricke der Jäger und von den verwirrenden Worten befreien wird, antwortet der Prophetische Geist indem er ihn ermuthigt und zu geistiger Tapferkeit salbt: „Mit seinem Rücken wird er Dich beschatten.“ Deutlicher ausgedrückt würde es heissen: Er wird Dich unter dem Schatten seiner Flügel verbergen, ja er wird Dich auch unter einem Schilde decken. Ist nun das geschehen, so wird keine der feindlichen Mächte Dir schaden können.

V.6. „Vor einem Pfeile, der am Tage fliegt.“ Irgend eine unreine Macht nennt er jetzt Pfeil. „Vor einem Anfall und mittägigen Teufel.“ Nicht eine Verbindung von Mittag und Teufel. 1 Er meint unter dem mittägigen Teufel den Teufel der Trägheit.

V. 7. „Tausend werden fallen an Deiner Seite.“ Unter Seite versteht er die linke Seite, und zwar mit Recht. Dieser, sagt er, stellen die Tausende nach, der rechten Seite aber die Zehntausende. Denn unsere rechten Handlungen und die starken und wunderbaren Tugenden sucht die große Zahl der bösen Mächte zu zerstören.

V. 8. „Aber mit Deinen Augen wirst Du es schauen.“ Du wirst, will er sagen, von den Verfolgern keinen Schaden leiden. Du wirst aber den Sturz der Feinde sehen können.

V. 9. „Den Höchsten nahmst Du Dir zur Zu- [S. 685] flucht.“ Dem Geiste des Menschen Gottes erwidert der prophetische Geist, wie groß der Gewinn der Hoffnung auf Gott ist.

V. 10. „Es wird kein Unglück zu Dir kommen.“ Denn die Natur der Bosheit kommt von aussen hinzu, während die Tugend eine innere Veranlassung hat. Denn Gott hat den Menschen unverdorben erschaffen. Dieser hing bösen Gedanken nach und zog von aussen die Bosheit herbei.2 „Und keine Geißel wird nahen Deinem Zelte.“ Er spricht ihnen Muth zu, daß ihnen nichts Widriges begegnen werde, weil der Glaube lehrt, daß ein Engel denen zu Hilfe gesendet werde, die an Gott glauben.

V. 11. „Denn seinen Engeln wird er Deinetwegen befehlen.“ Das sagte er auch im 33. Psalme: „Der Engel des Herrn wird sich lagern um die, welche ihn fürchten, und Wird sie retten.“ 3 Hören wir aber auch den Paniarchen Jakob, welcher sagt: „Der Engel, der mich rettet aus allen meinen Leiden.“ 4 Und der große Abraham ermuthigte seinen Diener und sprach: „Gott wird seinen Engel vor Deinem Angesichte hersenden, und Du wirst dort ein Weib nehmen für meinen Sohn Isaak.“5 Überall also fahren wir, daß durch Engel der Gott aller Dinge die bewacht, die auf ihn vertrauen. „Dich zu behüten auf all Deinen Wegen.“ Der an Nichts anstoßt, der wird behütet auf allen seinen Wegen.

V. 12. „Damit Du mit Deinem Fuß nicht etwa an einen Stein anstoßest.“ Der Fuß bedeutet die Seele, der Stein die Sünde.

V. 13. „Über der Natter und dem Basilisken wirst Du wandeln.“ Nicht nur wirst Du, o Mensch Gottes, nichts Schlimmes erleiden, sondern Du wirst auch die Schaaren der Geister zu Deinen Füßen hingestreckt sehen, so daß Du mit aller Freiheit ihre Häupter zertreten wirst. [S. 686] V. 14. „Weil er auf mich gehofft hat, so will ich ihn befreien.“ Er führt die Person Gottes ein, die als Lohn des Glaubens das Heil verheißt. Das also sprach der Gott aller Dinge und lehrte, welches die Frucht der Hoffnung sei. Ich werde ihn nämlich retten, will er sagen, von den genannten sichtbaren und unsichtbaren Verfolgern, werde ihn mit meiner Hoffnung umgeben und deßhalb ihn bewachen, auf seinen Ruf hören und seiner Bitte mein Ohr leihen. „Ich werde ihn schützen, weil er meinen Namen erkannt hat.“ Nicht nur von den Verfolgern, will er sagen, werde ich die Meinigen retten, sondern ich werde ihnen auch das ewige Leben gewähren und werde sie meines Heiles würdigen. 6 Es mag aber unser Heil Jesus Christus sein, der uns in den neuen Kampf einführt und uns gewährt, daß wir mit ihm herrschen.

V. 15. „Er wird zu mir rufen, und ich werde ihn erhören.“ Wenn er mit der lauten Stimme der Seele zu mir ruft, wird er finden, daß ich ihn erhöre und ihm seine Bitte gewähre. Denn ich bin stets bei ihm, mag er sich in was immer für einer Lage befinden.

V. 16. „Ich werde ihn voll machen mit der Länge der Tage und ihm mein Heil zeigen.“ Es mag aber dieses Heil unser Herr Jesus Christus selbst sein, der uns in die neue Welt eingeführt hat und uns gewählt, daß wir mit ihm herrschen. [S. 687]

1: Xxxxx xxxxx xxxxx Montfaucon übersetzt diese Worte gar nicht, wohl weil er eine falsche Leseart annahm, wie er durch das Sternchen andeutet, und den in den Text gesetzten Worten keinen Sinn abgewinnen konnte. Ich möchte die Stelle dahin auffassen, der Ausdruck „mittägiger Teufel“ sei nicht wörtlich zu verstehen, sondern der mittägige Teufel sei Teufel der Trägheit.
2: Vgl. „Gegen die Heiden“ K. 2.
3: Ps. 33, 8.
4: Genes. 48, 16
5: Genes. 24, 7.
6: Wie V. 16 ausgesprochen ist.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger