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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 87.

LXXXVII.

V.1. Ein Psalmlied für die Söhne des Kore, zum Ende für Maheleth, ein Wechselgesang, eine Unterweisung Ethams des Israeliten.

Inhalt.

In diesem Psalme wird der Tod Christi vorgeführt, den er für uns auf sich nahm, um auch den Geistern in der Unterwelt zu predigen und ihnen die Auferstehung zum Geschenk zu machen. Er weint auch über Jerusalem, weil es der Hoffnung auf ihn verlustig gehen werde. Dieses Jerusalem aber oder das Volk war einst gleichsam ein Chor, insoweit es sein Antheil und Loos genannt wurde. Deßhalb heißt es auch in der Überschrift des Psalmes: Für Maheleth, das heißt, für den Reigen oder Chor. Da aber das Geheimniß Christi tief ist, so bedarf es auch einer sehr scharfen geistigen Einsicht, um es zu verstehen. Deßhalb heißt es auch in der Überschrift: „eine Unterweisung.“ Es soll aber der Psalm von Eman kommen und in Ägypten von Moses verfaßt worden sein. Dieser Eman aber war ein Nachkomme Israels, als Enkel des Zara, der ein Sohn des Judas, 1 des Sohnes Israels war.

V. 2. „Herr, Gott meines Heils, am Tage rief ich.“ Da er gut ist und den Fall des Volkes und den Untergang des Jüngers kennt, so sendet er für sie Gebete zum Vater empor, damit auch sie, indem sie an der [S. 664] Verkehrtheit nicht Theil nähmen, durch ihn Rettung fänden.

V. 4. „Denn erfüllt ist mit Unglück meiner Seele.“ Wenn er selbst unsere Sünden trug und für uns Schmerz leidet so sagt er mit Recht, daß er mit Unglück überhäuft sei. „Und mein Leben nahte der Unterwelt „Das sagte er, weil er durch den Tod verkostete.

V. 5. Ich bin arm geworden wie ein Mensch ohne Hilfe, frei unter den Todten.“ Jesus allein starb für die Sünden des Volkes, indem er zum Tode geführt wurde nach dem Ausspruch des Isaias.2 und als Todter war er allein frei. Denn es war keine Sünde an ihm, die ihn dem Tode unterwürfig gemacht hätte. Deßbalb sagte er auch: „Ich habe die Macht, das Leben zu lassen, und habe wieder die Macht, es zu nehmen.“3

V. 6. „Wie Verwundete, die in den Gräbern schlafen.“ Ich bin, will er sagen, verwundeten Menschen ähnlich geworden, die in den Gräbern ruhen. Denen Dein Beistand fehlt, die sind der Auferstehung nicht theilhaftig geworden. Ich aber, will er sagen, bin verwundet worden wegen der Sünden des Volkes und bin in dem Gräbern gewesen, aber nicht darin geblieben, weil Du Dich meiner erinnert hast, als ich verwundet war und im Grabe lag. Denn ich habe den Tod mit Füßen getreten und bin auferstanden..

V.8“.Auf mich legte sich stark Dein Grimm.“ Grimm Gottes nennt er den Fluch des Todes, der das Menschengeschlecht traf. Da er also zum Fluch für uns geworden ist, deßhalb sagt er, daß der Grimm Gottes sich auf ihn gelegt habe. „Und alle Deine Wellen führtest Du über mich. Wellen nennt, er die heftige Strafe, die das Menschengeschlecht wegen der Übertretung traf. Er meint aber wieder den Tod. [S. 665]

V. 9. „Du entferntest die Bekannten von mir.“ Das sagt er, weil Alle zur Zeit des Leidens ihn verließen. „Sie hielten mich für einen Greuel.“ Siehe, wie auch jetzt noch den Juden der Name Christi ein Greuel ist. „Ich wurde überliefert und ging nicht heraus.“ Das sagt er, weil er im Hause des Vorstehers der Synagoge eingeschlossen wurdet 4

V. 10. „Meine Augen wurden schwach wegen des Elends.“ Ich weinte, will er sagen, über das Volk, da ich sah, daß sie des Reichthums in Gott verlustig würden und in die äusserste Armuth gerathen seien.„Ich rief zu Dir, o Herr, den ganzen Tag.“ Einen einzigen Ausweg also verleihe uns, o Herr, vom Unglück befreit zu werden, Deine Fürsorge. Denn immer strecke ich meine Hand aus und flehe Dich an. Es zeigt aber diese Stellung den bitteren Schmerz der Seele. Von der Noth nämlich gedrungen fleht man so nachdrücklicher den an, der geben kann.

V. 11. „Wirst Du an den Todten Wunder thun? Werden die Ärzte auferwecken?“ Er lehrt uns die Ursache, warum er in den Tod hinabgestiegen, indem er beinahe sagt: Da es weder den Todten möglich ist, Wunder zu wirken, noch den Ärzten, sie von den Todten zu erwecken, um vor Dir zu bekennen, und auch die, welche ins Verderben gestürzt waren. Deine Wahrheit nicht erkennen konnten, so bin ich deßhalb, o Vater, auch den Bewohnern der Unterwelt beigezählt, damit die, welche im Lande der Vergessenheit wohnen, auferstehen und Deine Wunder kennen lernen und die, welche einst in der Finsternis lebten, Deine Wahrheit erzählen.

V.12. „Wird Jemand im Grabe Deine Barmherzigkeit erzählen?“ Ist es etwa möglich, will er sa- [S. 666] gen, die in Staub aufgelösten Todten, die im Dunkel des Todes leben und der Vergessenheit anheimgegeben sind, Deine Liebe zu den Menschen und Deine Wunder schauen zu lassen?

V. 13. „Wird man in der Finsterniß Deine Wunder erkennen?“ Wie in denen keine Wahrheit ist, die verloren gegangen sind, so gibt es bei denen, die in der Finsterniß sind, keine Wunder. Land der Vergessenheit ist die vernünftige, der Früchte des heiligen Geistes beraubte Seele.

V.15. „Warum, o Herr, verwirfst Du meine Seele, wendest Dein Angesicht weg von mir?“ Er betete für das Volk, sie aber zeigen sich durch ihre übermäßige Bosheit der Rettung unwürdig und machen gleichsam sein Gebet für sie unwirksam.

V. 16. „Ich bin arm und in Mühsal von meiner Jugend an.“ Arm, weil er Knechtsgestalt annahm, in Mühsal aber von Jugend an, weil er von den Windeln an von Herodes und seines Gleichen verfolgt wurde. „Erhöht, wurde ich erniedrigt und betrübt.“ Unter Erhöhung versteht er entweder seine Erhebung an das Kreuz, wie er gesagt hat: „Wenn ihr den Menschensohn erhöhen werdet.“ 5 „Ich wurde erniedrigt“ sagt er aber wegen seines Hinabsteigens in die Unterwelt.

V. 17. „Auf mich fiel Dein Zorn.“ Deinen ganzen Zorn, will er sagen, hast Du gegen mich in Bewegung gesetzt und mit den schrecklichsten Strafen mich verwirrt und mit diesen mich wie mit Wasser überfluthet. 6

V. 19. „Du hast von mir den Freund und Nächsten entfernt und meine Bekannten vom Elend.“ Elend nennt er die Zeit des Leidens. Er will also sagen, daß bei dem Leiden ihn die Freunde und Bekannten verließen. Da er aber dem Vater gehorsam war [S. 667] bis zum Tode, dem Tode des Kreuzes, und er am Kreuze von den Jüngern verlassen worden war, so sagt er deßhalb, daß sein Vater die Freunde und Bekannten entfernt habe.

1: Genes. 46,12
2: Js. 53,7.
3: Joh. 10,18.
4: Es kann hier nur das Haus des Hohepriesters Kaiphas gemeint sein, in welchem der Herr die Nacht nach seiner Gefangennehmung zubrachte. Matth. 26. 5? ff.; 27. 1.
5: Joh. 8,28.
6: V.18.

 

 

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Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger