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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 85.

LXXXV.

V. 1. Ein Gebet Davids.

Inhalt.

Der selige David, vom Geiste erleuchtet über die Ankunft des Eingebornen und die Vergebung der Sünden, die einem Jeden zu Theil werden wird, der zu ihm seine Zuflucht nimmt, sendet mit Recht ein Gebet empor und fleht, daß auch er als Einer von denen erfunden werden möge, die durch die Gnade gerettet wurden.

V. 1. „Neige, o Herr, Dein Ohr und erhöhe mich.“ Denn in der That ein mächtiges Mittel, um im Gebete erhört zu werden, ist die Demuth. „Denn ich bin arm und ein Bettler.“ 1 Der Eingang zum Gebete entspringt der Demuth. Denn obschon Beide, sowohl David als auch Ezechias, den Reichthum der Gerechtigkeit besaßen, sahen sie doch nicht auf diesen, sondern schauten auf die Armuth der Natur und flehten zu Gott, er möge mit dieser Barmherzigkeit haben, weil sie mit Armuth verbunden sei. In den Worten aber: „Neige, o Herr, Dein Ohr hat er eine Metapher angewendet von einem Kranken, der aus Schwäche nicht laut sprechen kann und dem Arzte es zur Notwendigkeit macht, seine Ohren an den Mund zu halten.

V. 2. „Bewahre meine Seele, weil ich heilig bin.“ Er verlangt wegen des Guten erhört zu werden. [S. 659] das er vollbracht hat. „Rette Deinen Knecht, mein Gott, der auf Dich hofft.“ Da er sich für heilig erklärt hat, so wendet er in seiner Rede sich wieder zur Demuth und stellt sich als einen Knecht Gottes hin und erklärt, daß er auf ihn allein die Hoffnung der Rettung setze.

V. 3. „Erbarme Dich meiner, o Herr, denn zu Dir werde ich rufen.“ Die Worte lehren uns, daß der, welcher ein Gut von Gott empfangen will, ohne Unterlaß beten muß.B. 5. „Denn Du, o Herr, bist gütig und Milde.“ Er belehrt die, welche sich Gott nahen, nicht ängstlich zu sein, wenn er mit der Gewährung eine kurze Zeit zögert. Denn er wird sie gewiß erhören, da er gütig ist und gar reich an Barmherzigkeit.

V. 8. „Keiner ist Dir ähnlich unter den Göttern, o Herr!“ Götter nennt er die heiligen Propheten, an die das Wort Gottes erging. Er will aber sagen, daß kein Prophet die Menschen von der Sünde befreien konnte, sondern nur der Herr selbst, wie es anderswo heißt: Nicht ein Gesandter, nicht ein Engel, sondern der Herr selbst rettete uns.

V.11. „Es freue sich mein Herz, daß es fürchte Deinen Namen.“ Wer die Frömmigkeit gegen Gott besitzt, gibt sich einer dem Gesetze entsprechenden Lebensweise hin. Es ist aber ein solches Leben die Mutter der Freude, mit Recht erwartete also der Prophet, es werde durch die Furcht sein eigenes Herz erfreut werden. Denn so sagt er auch anderwärts: „Es freue sich das Herz derer, die den Herrn suchen.“ 2 und wieder: „Ich dachte an Gott und freute mich.“ 3

V. 12. „Ich werde vor Dir bekennen, Herr mein Gott, in meinem ganzen Herzen.“ Schnell verwandelt er das Gebet in ein Bekenntniß, daß er aus der [S. 660] Unterwelt befreit wurde, und gibt die Ursache an, wegen welcher er sündigte, indem er von der Verfolgung vieler Mächtigen spricht und auf die unsichtbaren Mächte hindeutet, die Gott nicht vor Augen haben. Du aber, o Herr will er sagen, hast mir gewährt, was Jene nicht erwarteten, und hast meine Seele durch Deine Liebe zu den Menschen aus der Tiefe der Unterwelt erlöst. Es sagt aber das Christus in Gegenwart der Könige der Erde, und da die Fürsten gegen ihn am nämlichen Orte versammelt sind.

V. 13. „Denn groß ist Deine Barmherzigkeit gegen mich.“ Als ob das Gebet bereits erhört worden wäre, erklärt er, die große Barmherzigkeit Gottes in Ewigkeit preisen zu wollen, weil er ja aus der Macht der Unterwelt ihre Seelen befreit hat.

V. 14. „Gott, es erhoben sich Ungerechte wider mich.“ Er zeigt in diesen Worten, daß er in jene Sünde fiel. Wie aber anders, als indem eine Versammlung von bösen Geistern sich erhob und ihm auf dem Weg der Tugend zum Anstoß wurde?

V. 15. „Und Du, Herr, mein barmherziger und gnädiger Gott!“ Wenn ich auch, will er sagen, da die bösen Geister sich gegen mich erhoben, in die Sünde stürzte und durch sie in die bereitstehende tiefste Unterwelt, so hast doch Du selbst, o Herr. Deine Barmherzigkeit über mich ausgebreitet und meine Seele erlöst. Deßhalb verlange ich, wieder Barmherzigkeit zu erlangen. Es wird mir aber die Barmherzigkeit zu Theil werden, indem Du auf mich blickst.

V.17. „Thue an mir ein Zeichen zum Gurten.“ Wie einst in Ägypten Gott den Söhnen Israels ein Zeichen gegeben hat, daß ihnen vom Verderber kein Leid würde, so verlangt er, daß auch ihm ein Zeichen gegeben werde, damit er durch dasselbe erhalten bleibe und Feinde beschäme. [S. 661]

1: Hier bemerkt Montfaucon, daß die Stelle verdächtig sei, weil sie nur von einer einzigen Handschrift unter dem Namen des Athanasius gebracht werde.
2: Ps. 104. 3.
3: Ps. 76, 4.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger