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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 84.

LXXXIV.

V. 1. Zum Ende, den Söhnen des Kore, ein Psalm.

Inhalt.

In diesem Psalme spricht er von der Berufung der Heiden [S. 655] und der ihnen durch ihre Umkehr zu Gott zu Theil gewordenen Vergebung. Dann führt er das Volk der Juden ein, wie es nach der Berufung der Heiden seine Sünden bekennt und auch seinerseits der Barmherzigkeit in Christus theilhaftig zu werden sieht.

V. 2. „Du hast Wohlgefallen gefunden, o Herr, an Deinem Lande.“ Denn in Wahrheit hat es Gott und dem Vater gefallen. Alles in Christus zu erneuern. „Du hast abgewendet die Gefangenschaft Jakobs.“ Denn da er zuerst den Juden selbst gepredigt hat, hat er Viele von der geistigen Gefangenschaft erlöst, in die sie gerathen waren. 1 Das gab der Heiland, nachdem Jsaias in den Worten geweissagt hatte: „Der Geist des Herrn über mir. Denn er hat mich gesalbt. Er hat mich abgesendet, den Armen die frohe Botschaft zu bringen, den Gefangenen Erlösung zu verkünden und den Blinden Wiederherstellung der Sehkraft.“ 2 mit den Worten zu verstehen: „Heute ist diese Prophezeiung vor eueren Ohren in Erfüllung gegangen.“ 3 Er nämlich ist es, der uns, als wir dem Irrthum der Vielgötterei und den Dämonen dienten, davon zurückgebracht und die Ketten der Sünden zerbrochen hat.

Zweierlei wird hier prophezeit, die Rückkehr der Söhne Israels von Babylon und die Rettung des Erdkreises. Und in doppelter Weise stellt er das Ganze dar, und zwar in dem Sinne: Der Herr findet Wohlgefallen an dem guten und eifrigen Herzen, das seine Erde ist, weil es seine Saat aufnimmt und hundertfältige Frucht bringt.

V. 3. „Du hast nachgelassen die Missetaten Deinem Volke.“ Die Missethaten des Volkes, das durch den Glauben sein Eigenthum geworden ist. Er [S. 656] meint das Volk der Heiden, wie es vom Propheten Zacharias ausgesprochen worden ist: „An jenem Tage werden viele Heiden zum Herrn ihre Zuflucht nehmen und werden ihm zum Volke sein.“4

V. 5. „Bekehre uns, Gott unsers Heils“ Hier sendet er ein Gebet empor im Namen des Volkes der Juden, die auch ihrerseits der Gnade theilhaftig zu werden flehen.

V. 8. „Zeige uns, o Herr, Deine Barmherzigkeit.“ Da der Perserkönig Cyrus nach der Prophezeiung des Isaias 5 ihnen die Erlaubniß zur Rückkehr gegeben hat, 6 eilen sie, in ihr Vaterland zurückzukehren. Deßhalb nun flehen sie zu Gott, er möge ihnen in seiner Menschenfreundlichkeit schnelle Rettung bringen. Schnell, will er sagen, zeige uns Deine Güte, damit wir Dein Heil erlangen und von hier befreit werden. Indem der Prophet in dieser Weise gleichsam in ihrem Namen das Gebet darbringt, vernimmt er die Antwort Gottes und sagt: „Ich will hören, was in mir Gott der Herr sagen wird.“7 Und wie der Prophet sein Gebet um Schutz vollendet hat, empfängt er stillschweigend die Antwort vom Geiste.

V. 10. „Ja, nahe ist sein Heil denen, die ihn fürchten.“ Da der Prophet die Antwort empfängt, „die ich von Gott hören werde über mein Geschlecht,“ 8 erkannte er Dieß, daß er bereit wäre, sich Allen zu nähern, wenn sie in seiner Furcht leben wollten. Denen aber, die in ihr leben, wird es gelingen, in der Herrlichkeit zu leben. „Damit die Herrlichkeit wohne in unserm Lande.“ Damit bezeichnet er die Heilsordnung des Eingebornen im Fleische. Denn es ist uns von Gott und dem Vater Gerechtigkeit, Friede, Barmherzigkeit und Wahrheit geworden. Und in seiner Erbarmung lehrte er uns die Wahrheit, und er machte uns auch gerecht, indem er in ihm Allem Frieden brachte, was im Himmel ist und was auf Erden. 9 [S. 657]

V. 11. „Barmherzigkeit und Wahrheit begegneten sich.“ Deutlich verkündet er die Wahrheit, die durch mich die ewig jungfräuliche Gottesgebärerin der Welt aufgegangen ist. Er nämlich ist die Wahrheit, wenn er auch aus einem Weibe geboren ist. Denn offenbar haben „Gerechtigkeit und Wahrheit sich geküßt“ wegen der Wahrheit, die aus der allzeit jungfräulichen Gottesgebärerin der Welt aufging.

V. 12. „Und die Gerechtigkeit hat vom Himmel herabgesehen.“ Ähnlich sind die Worte an die Jungfrau: „Der heilige Geist wird auf Dich Herabkommen n. s. w.“

V. 13. „Denn Gütigkeit wird der Herr geben.“ Wenn der Herr, will er sagen, im Übermaß seiner Gütigkeit den Bewohnern der Erde leuchtet, da werden auch wir, die wir eine geistige Erde sind, die geistigen Früchte der Gerechtigkeit bringen.

V. 14. „Die Gerechtigkeit wird vor ihm einhergehen.“ Nachdem er gesagt hat, daß die geistige Erde ihre Frucht bringen wird 10 lehrt er, wie sie dieselbe bringen wird. Wie aber wird sie dieselbe anders bringen, als wenn die Gerechtigkeit vor dem selbst, der das Gute thut, auf dem nach dem Himmel führenden Wege vorausgeht und die Schritte dessen leitet, der auf demselben wandelt? [S. 658]

1: Was hier bis zum folgenden Absatz weiter folgt, erklärt Montfaucon für zweifelhaft.
2: Is. 61, 1.
3: Luk. 4, 21.
4: Zach. 2. 11.
5: Is. 45.
6: I. Esdr. 1, 3
7: V. 9.
8: V. 9
9: Kol. 1, 20.
10: V.13.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger