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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 83.

LXXXIII.

V. l. Zum Ende für die Keltern, Söhnen des Kore ein Psalm.

Inhalt.

Wieder spricht er in diesem Psalme für die Kirchen, was daraus hervorgeht, daß in der Überschrift „für die Keltern“ steht.

V. 2. „Wie lieblich sind Deine Wohnungen, Herr der Mächte.“ Wohnungen nennt er die an verschiedenen Orten erbauten heiligen Kirchen Gottes, denen jede Seele zugethan ist, die Gott liebt.

V. 3. „Mein Herz und mein Fleisch frohlockten in dem lebendigen Gotte.“ Es ist, wie wenn er sagte: Dem Leibe und der Seele nach gab ich mich dem Dienste des lebendigen und wahren Gottes hin. Dem lebendigen Gotte“ aber heißt es zum Unterschiede von den Götzen, da diese todt sind und aus unbelebtem Stoffe bestehen.

V. 4. „Denn der Sperling fand sich ein Haus und die Turteltaube ein Nest, um dahin ihre Jungen zu legen. Deine Altäre, o Herr!“ Unter dem Sperling versteht er die Seele der Menschen, die vom geistigen Jäger gefangen wird, wie es heißt: „Unsere Seele ist wie ein Sperling entronnen dem Netze der Jäger. 1 Unter Turteltaube versteht er die Seele, in der Keuschheit und Züchtigkeit wohnt. Er will also sagen, daß jede Seele diese Zuflucht finden wird, den Zutritt zu den Altären. [S. 653]

V. 5. „Selig sind, die in Deinem Hause wohnen.“ in dem himmlischen nämlich.

V. 6. „Selig der Mann, der seine Hilfe von Dir hat. Aufgänge bereitete er in seinem Herzen.“ Da er Dich, will er sagen, zu seinem Helfer gewählt bat, so baut er sich täglich gute Gedanken auf, die er hier Aufgänge genannt hat, weil in ihnen gleichsam Aufgänge vom Irdischen zum Himmlischen sind.

V. 7. „Im Thale der Thränen.“ Ein Thal der Thränen nennt er das sterbliche Leben. Er will also sagen: Im sterblichen Leben wirst Du sie mit guten Gedanken erfüllen, indem Du sie täglich aufbauest. Sie haben die Wahrnehmung gemacht mit Deiner Hilfe. 2

V. 8. „Denn Segen wird der Gesetzgeber spenden. Sie werden fortschreiten von Macht zu Macht.“ Eine Vergeltung für die guten Gedanken, will er sagen, wird ihnen der Gesetzgeber spenden, das heißt, der ihnen das Gesetz des neuen Bundes gegeben hat. Was ist es aber wohl sonst für ein Segen, als daß sie von Macht zu Macht fortschreiten? Er meint das Fortschreiten vom gegenwärtigen Leben in Gott zum himmlischen Jerusalem. Wenn sie dahin gelangt sind, werden sie Gott sehen, wie er ist.

V. 10. „Schaue das Angesicht Deines Gesalbten.“ Einen Gesalbten nennt er hier das zum königlichen Priesterthum berufene Volk.

V. 11. „Denn besser ist ein Tag in Deinen Gehöften, als tausende.“ Unter einem einzigen Tag in den Gehöften Gottes, das heißt in den Kirchen, versteht er den Auferstehungstag des Heilandes. Tausende aber oder tausend - denn so steht im hebräischen Text - nennt er den Dienst des Gesetzes, der tausend Jahre sich erhalten hat. Er begann nämlich mit den Zeiten Salomos, da der göttliche Tempel gebaut worden ist, und dauerte bis zur An- [S. 654] kunft des Heilands. Er zeigt also, um wie viel höher der Dienst des Evangeliums ist als der Dienst des Gesetzes „Ich zog es vor, verworfen zu sein im Hause meines Gottes'' Er will ungefähr sagen: Ich will lieber klein und unbedeutend in der Kirche sein als groß im Volke der Sünder. Das ist für die Babylonier nützlich und für uns geeignet. Denn auch sie lehrte die Gnade des Geistes, die Verödung des göttlichen Hauses nicht gleichgültig hinzunehmen. Und wir werden belehrt, die Gott geheiligten Stätten immerzu ersehen und zu lieben.

V. 13. „Der Herr wird nicht die Güter denen entziehen, die in Unschuld wandeln.“ Die nämlich in diesem Zustand sich befinden, genießen alle diese Güter. Denn die Barmherzigkeit sprudelt hervor aus den göttlichen Wohnungen, und in reichlichem Maße wird von daher ohne Kargheit die Wahrheit geliefert. Denn von da beziehen wir den Unterricht in den guten Lehren und schöpfen die göttliche Gnade aus den Quellen des allerheiligsten Geistes. Ja wir werden dadurch sogar berühmt und hochangesehen, und wir empfangen, um es kurz zu sagen, jeden Genuß des Guten. Von Verkehrtheit und Schlechtigkeit werden wir befreit, wenn wir uns entschließen, in Einfalt und Wahrheit zu leben.

1: Ps. 123,7.
2: Montfaucon erklärt diese Stelle für verdorben.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger