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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 80.

LXXX.

V1. Zum Ende, für die Kelter, ein Psalm Asaphs.

Inhalt.

Schon bei der Erklärung des achten Psalmes haben wir [S. 646] uns dahin ausgesprochen, daß unter den Keltern die Kirchen zu verstehen seien, man kann nun auch in diesem Psalme sehen wie er die Völker zum Glauben an den Herrn ruft, sie belehrt nie von ihm abzufallen, von der Verstoßung spricht, die dem ersten Volke wegen seiner Verworfenheit zu Theil wurde.

V.2. „ Frohlocket Gott unserm Helfer. Frohlocket dem Gott Jakobs.“ Das Frohlocken ist ein Siegesgesang. Er ermahnt also die Völker. Gott ihrem Helfer, der sie von der Herrschaft der Dämonen befreit hat, Siegesgesänge zu singen.

V. 3. „Nehmet den Psalm und gebet her die Pauke.“ Unter Psalm versteht er hier die göttliche Lehre. Pauke ist ein aus Häuten verfertigtes Instrument. Er will also sagen: Achtend auf die göttlichen Aussprüche bringet euere Leiber zu einem lebendigen. Gott wohlgefälligen Opfer dar. 1 „Ein angenehmes Psalterium mit Cither,“ Ein Psalterium nennt er wieder den Leib wegen der Übereinstimmung und Verbindung der Seele mit ihm, damit die Menschen Gottes vollkommen werden und ihre Seele Gott, sowie ihren Leib nicht der Welt, sondern dem Herrn darbringen.

V.4. „Blaset mit der Posaune am Neumond.“ Wie vordem einst Israel am Neumond die sinnlich wahrnehmbaren Posaunen ergriff und blies, weil Gott ihnen diesen Auftrag gegeben zum Zeugniß ihrer Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft. 2 ebenso erhält auch das junge Volk, das sich der evangelischen Posaune bedient, deren Laut über die ganze Erde ausging, den Auftrag, am Vollmond die Posaune zu blasen, das heißt bei der Erneuerung seines Sinnes, indem es auch seinerseits bekennt, daß er es aus dem geistigen Ägypten, das heißt aus der Macht der Finsterniß befreite. [S. 647]

V. 6. „Eine Zunge, die er nicht kannte, vernahm er.“ Als das Volk, will er sagen, aus Ägypten gezogen war, hörte es eine Zunge, die es vordem nicht kannte. Und was für eine andere Sprache ist das, als die Stimme Gottes, die auf dem Berge an das Volk erging?V> 7. „Er entzog seinen Rücken den Lasten.“ Er will sagen, daß er sie von den Lasten befreite, die sie bei dem Baue der Städte des Pharao herbeischleppten. „Seine Hände dienten mit dem Korbe.“ Das sagt er, weil sie den Lehm und die Spreu in Körben zum Baue herbeischleppten.

V. 8. „In der Trübsal hast Du mich angerufen, und ich befreite Dich.“ Ähnlich ist: „Denn ich hörte ihre Seufzer und hörte ihre Stimme und stieg herab, sie zu befreien.“ 3 „Ich hörte Dich im Dunkel des Sturmes.“ Es ist soviel, als wenn es hieße: Ich habe Dich aus einer großen und ausserordentlichen Bedrängniß befreit. „Ich habe Dich geprüft bei dem Wasser des Widerspruches.“ Als das durstende Volk zu Moses sagte: „Gib uns Wasser zu trinken.“ sprach er: „Warum schmähet ihr mich und versucht den Herrn?“4

V. 9. „Höre, mein Volk!“ Er richtet eine Mahnung an das Volk, es möge sich bereit halten, auf ihn zu hören. Wenn es das thun wird, so wird es nicht einem andern Gotte dienen, noch wird der Herr selbst ihm zu einem neuen Gotte werden.5 Denn er selbst ist es, der sie einst aus Ägypten befreit hat. 6

V. 11. „Thu weit auf Deinen Mund, und ich will ihn füllen.“ Er verspricht denen, die ihm gehorchen, leibliche und geistige Nahrung.

V. 12. „Und es hörte mein Volk auf meine Stimme nicht.“ Weil ich das versprach, sie aber taube Ohren hatten, so verstieß ich sie deßhalb, indem ich ihnen für ihre Thaten die verdiente Strafe zu Theil werden ließ. 7 [S. 648]

V.16. „Die Feinde des Herrn logen ihm, und ihre Zeit wird sein in Ewigkeit.“ Deutlicher würde er es also ausdrücken: Weil das Volk dem Herrn log wird es für dasselbe eine Zeit der Strafe geben. Das ist die Zeit des zukünftigen Lebens.

V. 17. „Und er speiste sie mit dem Marke des Waizens.“ Sie, will er sagen, logen ihm; er aber da er gut war, füllte sie mit geistiger Nahrung. Diese ist aber der Herr selbst, das lebendige Brod, das vom Himmel gekommen ist und der Welt das Leben gibt. „Und aus dem Felsen sättigte er sie mit Honig.“ Ein Fels ist der Herr selbst, Honig aber seine göttlichen Aussprüche. Er will also sagen, daß er sie mit seinen heiligen Aussprüchen angefüllt habe.

1: Röm. 12, 1.
2: V. 5 u. 6.
3: Exod. 2, 24.
4: Exod. 17, 2.
5: V. 10.
6: V. 11.
7: V. 12. 13.

 

 

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Quellenangabe
Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger