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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 9.

[S. 389] IX.

V. l. Zum Ende, für die Geheimnisse des Sohnes, ein Psalm Davids.

Inhalt.

In diesem Psalme zeigt er, was der Heiland geheim gethan hat. Er hat aber Vieles geheim gethan. Dahin gehören seine fleischliche Geburt aus der Jungfrau durch den heiligen Geist, die ausserordentlichen und wunderwirkenden Kraftäusserungen, der Tod selbst und das Hinabsteigen in die Unterwelt, das Wiedererwachen von den Todten. Damit Das alles ist von ihm in geheimer Weise vollbracht worden. Denn er verbarg das auch vor den Fürsten dieser Welt. Für diese geheimen Thaten nun seinen Dank auszusprechen, tritt der Prophet im Namen der Menschheit auf und spricht: „Ich werde vor Dir bekennen, o Herr!“ Als die Geheimnisse aber sind der Tod und die Thaten der Unterwelt, die Auferstehung und die Auffahrt bezeichnet.

V. 2. „Bekennen werde ich vor Dir, o Herr, in meinem ganzen Herzen ….V. 4, weil mein Feind sich rückwärts gewendet hat.“ Er zeigt, auf wen sich das Bekenntniß bezieht. Seinen Feind aber nennt er den Tod, der sich rückwärts gewendet hat, das heißt zum Nichtsein.

V. 4. „Sie werden ermatten und umkommen vor Deinem Angesichte.“ Wenn der Tod, will er sagen, sich rückwärts wenden wird, da wird natürlich auch jede feindliche Macht vernichtet werden. Wenn nämlich als letzter Feind der Tod vernichtet wird, so sind im Voraus natürlich die feindlichen Mächte vernichtet.

V. 5. „Denn Du hast mein Urtheil und [S. 390] mein Recht besorgt.“ Er führt die Ursache der Danksagung an. Die Worte: „Du sitzest auf dem Throne“ zeigen den Vorsitz Gottes bei dem Gerichte an.

V. 6. »Du schaltest die Heiden, und der Gottlose ging zu Grunde.“ nämlich die geistigen Feinde. „Du vertilgtest seinen Namen 1 auf immer und ewig.“ Er meint den geistigen Drachen, der der Teufel ist.

V. 7. „Des Feindes Schwerter sind ganz zu Ende gegangen.“ Schwerter des Teufels nennt er die feindlichen Mächte, durch die er stark war. „Verschwunden ist ihr Andenken mit dem Schalle.“ Denn ihr Untergang ist gehört worden.

V. 10. „Und es wurde der Herr eine Zuflucht dem Armen,“ dem armen geistigen Volke, meint er. „Ein Helfer in der gelegenen Zeit in der Trübsal,“ wie: „In der angenehmen Zeit erhörte ich Dich.“ 2

V. 12. „Lobsinget dem Herrn, der auf Sion wohnt,“ im himmlischen Jerusalem meint er. „Verkündet unter den Heiden seine Thaten!“ Das spricht er gleichsam zu den Aposteln und Verkündern des Evangeliums. Was aber das für Thaten sind, spricht er im Folgenden aus.

V. 13. „Denn der ihr Blut sucht, hat sich ihrer erinnert.“ Das Blut, will er sagen, das für ihn vergossen wurde, wird er suchen, um Rechenschaft zu fordern.

V. 15. „Der Du mich emporhebst aus den Pforten des Todes.“ Deßhalb erhebst Du mich aus dem Lande der Erniedrigung, damit ich mich in die Chöre mische im himmlischen Sion.

V. 17. „Der Herr wird erkannt, wie er zu Gericht geht.“ Denn ein gerechtes Gericht ist es fürwahr, daß die, die einem Menschen den Tod bereiteten, in [S. 391] ihm gefangen werden. Vielleicht, weil die, über die das Gericht ergeht, den Richter erkennen werden zur Zeit des Gerichtes.

Daniel Barbarus V. 18. „Die Sünder sollen in die Hölle gestürzt werden.“ nämlich die Dämonen und die sich ihrem Dienste ergeben haben. „Alle Völker, die Gott vergessen.“ die Heiden, Häretiker, Juden.

V. 20. „Steh' auf, o Herr, es erstarke nicht der Mensch.“ Er fleht, es möge der Eingeborne den Bewohnern der Erde leuchten, damit jener hochmüthige Teufel, den er eben hier einen Menschen nennt, sein Haupt nicht noch mehr erhebe. „Vor Deinem Angesichte sollen gerichtet werden die Völker.“ Er fleht, es möge die Berufung der Heiden zum Heile rasch geschehen.

V. 2l. „Setze, o Herr, einen Gesetzgeber über sie!“ Und wer ist anders der Gesetzgeber, als der uns ins Gesetz des neuen Bundes eingefühlt hat? „Es sollen die Völker wissen, daß sie Menschen sind.“ Durch den übermäßigen Betrug der Dämonen hatten sie thierische Lebensweise angenommen, so daß es von ihnen heißt: «Den unvernünftigen Thieren wurde er vergleichbar und machte sich ihnen ähnlich3

1: So im Griechlichen, sonst „ihren Namen.“
2: Is. 49, 8.
3: Ps. 48. 13.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger