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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 76.

LXXVI.

V. 1. Zum Ende, für Idithum, ein Psalm Asaphs.

Inhalt.

Als Idithum vernommen hatte, was über das Volk der Hebräer gesagt wurde, (es waren aber die Worte: 1 „Warum, o Gott, hast Du uns vollends verworfen“? ) so empfand er großen Schmerz und wurde bestürzt und beweinte ihre gänzliche Verwerfung. Dann verfaßt Asaph für ihn einen Psalm und belehrt ihn, daß man in solchen Lagen zu Gott allein seine Zuflucht nehmen und dort Trost suchen müsse. Deßhalb beginnt er: [S. 630]

V.2.“Mit meiner Stimme rief ich zum Herrn, mit meiner Stimme zu Gott, und er merkte auf mich.“ Im Eingang des Psalmes belehrt er den Idithum, daß der Herr denen nahe ist, die ihn anrufen.

V. 3. „Am Tage meiner Trübsal suchte ich Gott, mit meinen Händen bei Nacht vor ihm, und ich täuschte mich nicht.“ Eine so große Trübsal, will er sagen, goß sich über meine Seele aus, daß ich nicht bloß bei Tag um Schutz flehte, sondern sogar die Zeit der Nächte zum Gebete verwendete. Indem ich aber Dieß that, strebte ich nicht vergeblich und mühte ich mich nicht vergeblich ab, und das wollen die Worte sagen: „Und ich täuschte mich nicht.“

V. 4. „Meine Seele wies den Trost zurück. Ich gedachte Gottes und freute mich.“ Von Menschen, will er sagen, nahm ich nicht den geringsten Trost an, nur der Gedanke an Gott erfreute mein Herz. „Ich dachte nach, und mein Geist verzagte.“ Da ich, will er sagen, mich menschlicher Gedanken bediente, denn das bedeutet: „Ich dachte nach.“ Da, ja da bemächtigte sich meiner die Kleinmüthigkeit.

V. 5. „Meine Augen kamen den Wachen zuvor, ich wurde verwirrt und sprach nicht.“ Das nämlich, will er sagen, bewirkt, daß ich in Verwirrung gerathe, wenn die Feinde die Plätze unserer Wachen uns wegnehmen, das heißt, die Schutzwehren der Mauern.

V. 6. „Ich gedachte der alten Tage.“ Das, will er sagen, erwog ich bei mir selbst, und ich gerieth da bei in Verwirrung, warum Gott einst dem Volke Hilfe brachte und jetzt es von sich stieß. Und das raubte mir das Zutrauen, ob ihre Verstoßung ein Ende nehmen werde. Ich dachte an jene alten Tage.2 [S. 631]

V. 11. „Das ist die Änderung der Rechten des Allerhöchsten.“ Da ich, will er sagen, die Gedanken wegen der Verwerfung des Volkes in mir trug, sah ich spät erst ein, daß diese Umwandlung vom Guten zum Schlechten, die bei dem Volke stattfand, sonst durch Nichts veranlaßt worden ist, als durch die Hand des Höchsten, wie wenn er deutlicher gesagt hätte: durch das, was gegen den Heiland Christus geschehen ist, der die rechte Hand des Vaters ist.

V.12. „Denn ich werde Deiner Wunder eingedenk sein vom Anfang her.“ Ich, will er sagen, erwog alles Gute, das er ihnen erwies, und das Böse, womit sie ihm vergalten.

V. 13. „Und ich werde betrachten in allen Deinen Werken.“ Wenn auch diese es so machen, will er sagen, so will ich doch die Wohlhaten, die Du uns von Anfang an erwiesest, bis zum Ende aufzählen, das heißt, ich will Nichts von dem uns erwiesenen Guten unerwähnt lassen.

V. 14. „O Gott, im Heiligen ist Dein Weg.“ Heilig nennt er entweder den geheiligten Chor der Apostel, mit welchem er die ausserordentlichen göttlichen Zeichen verrichtete, oder weil Niemand zum Vater kommen kann, ausser durch Christus, der in Wahrheit heilig ist, wie Gott. Welcher Gott ist groß, wie unser Gott?“ Du ragst vor Allen hervor, o Herr, denn Du vollbringst allein die Wunder, die Du willst.3

V.16.“Du hast erlöst in Deinem Arme Dein Volk, die Söhne Jakobs und Josephs.“ Denn ihnen verkündete er zuerst das Evangelium vom Himmelreiche. Der Arm des Herrn, das heißt Christus.

V. 17. „Es sahen Dich die Wasser, o Gott, und fürchteten sich.“ Und wann anders sahen ihn die [S. 632] Wasser und fürchteten sich, ausser da er das Meer schalt und es zum Schweigen gebracht war? 4

V. 18. „Die Wolken gaben ihre Stimme und Deine Pfeile fahren vorüber.“ Er nennt hier Wolken die heiligen Apostel, die Diener des himmlischen und evangelischen Wortes sind, Pfeile aber die Thaten des heiligen Geistes. Es ist also, wie wenn er sagte: Die Thaten, die an Deinen Jüngern geschahen, sind auf dem ganzen Erdkreise vernommen worden, man muß aber wissen, daß auch er von dem Propheten Isaias ein auserwählter Pfeil genannt worden ist.5

V. 19. „Die Stimme Deines Donners im Rollen.“ Donner nennt er das Wort des Evangeliums, das über die Erde unter dem Himmel seinen Laut erschallen ließ. Deßhalb nannte er den Evangelisten einen Sohn des Donners. 6 Ein Rollen aber nennt er das Leben der Menschen, wie man aus Ezechiel annehmen kann. 7 Es ist also, wie wenn er sagte: Dein evangelisches Wort ist unter das ganze Menschengeschlecht verbreitet worden. „Deine Blitze leuchteten dem Erdkreis.“ Und was sind wohl das für Blitze, als die, welche uns den Strahl des geistigen Lichtes bringen, die heiligen Apostel und Evangelisten, zu denen der Heiland sagte: „Ihr seid das Licht der Welt“ ?8 „Es zittert: und bebte die Erde.“ Er will sagen: Die Predigt des Heiles ist von den Bewohnern der ganzen Erde vernommen worden, dieselbe flößte auch Allen eine heilige Furcht ein, wie es heißt: „Dienet dem Herrn in Furcht und frohlocket ihm mit Zittern.“ 9

V. 20. „Im Meere Dein Weg, und Deine Pfade in vielen Wassern.“ Meer nennt er die Welt, [S. 633] viele Wasser die verschiedenen Menschengeschlechter in ihr. Da aber Christus den Aposteln den Auftrag gab: „Gehet hin und lehret alle Völker.“ 10 und: „Sieh, ich bin bei euch alle Tage.“ 11 und da sie die Erde unter dem Himmel durchwanderten und allen Völkern predigten, indem der Herr augenscheinlich seinen untrüglichen Verheissungen gemäß in unsichtbarer Weise sie begleitete, so fügte er, deßhalb bei: „Und Deine Fußtritte wird man nicht erkennen.“ weil der Herr unsichtbar mit ihnen geht. Ausserdem ging er allein als Gott auf dem sinnlich wahrnehmbaren Meere einher, wie der Evangelist erzählt. 12

V. 21. „Du führtest wie Schafe Dein Volk.“ Wie Schafe, die nicht wissen, wohin sie gehen, und wohin sie ihren Weg nehmen, so führtest Du uns, indem Du hierzu den Moses und Aaron als Diener gebrauchtest. Von den Worten angefangen: Ich war eingedenk der Werke des Herrn, bezog er also Alles auf: Ich war Gottes eingedenk und freute mich. Denn indem ich daran dachte, tröstete ich mich in meinem Herzen und freute mich. Denn da ich erwog, wie viele herrliche Dinge durch Deine Hilfe uns zu Theil wurden, gab ich mich dem Vertrauen hin. Du würdest, da Du so viel für unser Heil gethan, um uns von dem zu befreien, was uns damals gefangen hielt, jetzt es nicht über Dich vermögen, daß Du uns ganz ausser Acht lassest, da wir in Knechtschaft, Gefangenschaft und Unglück uns befinden. „An der Hand des Moses und Aaron.“ Du selbst, will er sagen, o Herr, der Du in Gesellschaft der heiligen Apostel bist, hast vor Alters einmal durch Moses Dein Volk aus Ägypten geführt, unter Führung des Moses und Aaron. [S. 634]

1: Ps. 73, 1.
2: In diesen wenigen erläuternden Worten ist auch auf V. 7-10 Rücksicht genommen.
3: Mit Bezugnahme auf V. 15.
4: Matth. 8, 26.
5: Is. 49, 2.
6: Matth. 3. 17. Der Heiland nannte den Evangelisten Johannes und seinen Bruder Jakobus: Boanerges, das heißt Söhne des Donners.
7: Ezech. 1, 20. 21.
8: Matth. 5. 14.
9: Ps. 2,11
10: Matth. 28. 19.
11: Ebd. V. 20.
12: Matth. 4, 25.

 

 

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Inhaltsverzeichnis
Einleitende Notizen zur Psalmenerklärung
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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger