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Athanasius (295-373) - Des hl. Athanasius Erklärung der Psalmen (Expositiones in Psalmos)

Ps 75.

LXXV.

V. 1. Zum Ende, unter den Lobliedern, ein Psalm Asaphs, ein Lied gegen die Assyrier.

Inhalt.

Auch dieser Psalm hat den nämlichen Inhalt wie der vorhergehende. Denn auch er erzählt vom göttlichen Richterstuhle.

V. 2. „Bekannt ist Gott in Judäa, und groß sein Name in Israel.“ Judäa und Israel nennt er hier die Seele, die ihren Gott kennen gelernt hat. Denn das ist das wahre Judäa und das wahre Israel.

V.3. „Bereitet ward in Frieden sein Ort.“ Denn wenn vom himmlischen Judäa geschrieben steht: „Von hier ist entflohen Schmerz. Trauer und Seufzen, so wird es offenbar ein Ort des Friedens sein. „Und seine Wohnung auf Sion.“ dem geistigen nämlich, oder dem himmlischen, oder in der Seele der Heiligen.

V. 4. „Da zerbrach er die Macht der Bogen.“ Er bezeichnet damit die feindlichen Mächte, die zerbrochen werden, wenn es den Heiligen zu Theil wird, daß sie dort ihre Wohnungen aufschlagen.

V. 5. „Du leuchtest wunderbar her von den ewigen Bergen.“ Ewige Berge nennt er die Himmel. Es erleuchtet uns aber Gott von oben, indem er uns den Geist vom Himmel herabsendet. „Du bist eine sehr große Erleuchtung von den Bergen der Zerstörung.“ „Du leuchtest wunderbar her von den Bergen der Jagd.“ „Furcht- [S. 627] bar bist Du in wunderbarer Weise von den fruchtbaren Bergen her.“1

V. 6. „Erschrocken sind Alle, die unverständigen Herzens sind.“ Die die Erleuchtung durch den Geist nicht angenommen haben, werden in Schrecken und Unruhe gerathen, wenn der göttliche Richterstuhl erscheint. „Sie schliefen ihren Schlaf, und es fanden nichts“ …. In Sorglosigkeit und Fahrlässigkeit, will er sagen, brachten sie ihr Leben hin und fanden zur Zeit des göttlichen Gerichtes, daß sie Nichts in Händen hielten sie, die im sterblichen Leben einst reich waren. Denn wie hätten sie auch finden können, was sie nicht ins Werk gesetzt hatten? „Alle Männer des Reichthums in ihren Händen.“ Symmachus bat: „Alle Männer, die kräftig waren in ihren Händen.“ Nichts, will er sagen, nützte ihnen die Stärke der Hände, mit der sie den Reichthum Aller an sich zu reissen hofften, und indem er lehrt, warum sie denn daraus keinen Gewinn zogen, fügt er hinzu:

V.7. „Von Deinem Schelten. Gott Jakobs, entschliefen sie, die die Pferde bestiegen hatten.“ Als gegen sie, will er sagen, das gerechte Urtheil gesprochen war, sind sie gleichsam dem Schlafe und der Erstarrung übergeben worden, das heißt, sie konnten sich nicht aufrichten. Wer sind aber Diese anders als die, welche die Pferde bestiegen hatten? Pferde aber pflegt die göttliche Schrift die zu nennen, welche ungezügelter Wollust sich hingeben, wie es heißt: „Sie sind Springhengste geworden. Jeder wieherte nach dem Weibe seines Nächsten.“ 2

V. 8. „Du bist furchtbar, und wer wird Dir widerstehen?“ Wenn er nämlich gegen den Menschen [S. 628] schließt, will er sagen, wer wird öffnen? nach dem Ausspruch des Jsaias.“ 3

V. 9. „Vom Himmel hast Du ein Urtheil vernehmen lassen.“ Sie werden, will er sagen, keine Verteidigung haben, wenn sie gestraft werden. Er sagte ihnen nämlich vom göttlichen Richterstuhl vorher. „Die Erde gerieth in Angst und ward stille.“ Erde nennt er hier das ganze Menschengeschlecht, das in jener Zeit zagen wird. Denn in jener Zeit wird es Niemand geben, der nicht Furcht hätte, wenn jener Tag erschienen ist.

V. 10. „Als sich Gott erhob zum Gerichte, um zu retten alle Sanftmüthigen auf Erden.“ Der göttliche Richterstuhl, will er sagen, wird den Sanftmüthigen das Heil gewähren, wie er gewiß auch über die Sünder die Strafen verhängt.H. 11. „Denn der Gedanke des Menschen wird Dich preisen.“ Wir werden vor jenem furchtbaren Richterstuhle stehen, um Rechenschaft abzulegen, nicht bloß über unsere Thaten, sondern auch über unsere Absichten. „Der letzte Gedanke wird Dir ein Fest feiern.“ Der letzte Gedanke ist der geläuterte Gedanke in dem letzten Reste nach der Auswahl der Gnade. Wenn also in jener Zeit ein reiner Gedanke gefunden wird, dann, ja dann mag er an Deinem Feste Theil nehmen.

V. 12. „Gelobet und haltet es dem Herrn, euerm Gott.“ Die Rede wendet sich zur Ermahnung. Da das Gesagte, will er sagen, vor dem göttlichen Richterstuhl geschehen wird, so gelobet deßhalb dem Herrn, so lange ihr an gegenwärtigen Leben seid, daß ihr auf gute Werke denken und nicht zögern wollt, diese zu vollbringen. Sie werden die Geschenke bringen, durch die geschehenen Wunder in Schrecken gesetzt.

V. 13. „Dem Schrecklichen, der hinweg- [S. 629] nimmt den Geist der Fürsten.“ Verheisset, will er sagen, gute Werke zu üben, wohl wissend, daß ihr, wenn ihr euch, an jenem Orte befindet, gleichsam als Geschenke euere Handlungen Gott darbringen müßt. In der Weise aber ist Gott schrecklich, daß auch von denen, die einst herrschten und böse waren, der Geist hinweg genommen werden wird. Denn vor jenem göttlichen fürchterlichen Richterstuhle wird von jedem Sünder der Geist weggenommen, der durch die Taufe verliehen worden ist. Und das ist es, was der Herr sprach: „Den bösen Knecht wird sein Herr, wenn er kommt, absondern und nach dem Treulosen 4 ihm seinen Antheil anweisen.“ 5

1: Es gibt hier Athanasius die nämliche Stelle noch in drei Verschiedenen Uebersetzungen, von Aquila, Symmachus und Theodotio, wie der alte Kösel'sche Uebersetzer behauptet. Im Hebräischen heißt es: von den Bergen des Raubes.
2: Jerem. 5, 8.
3: Js. 22,23
4: xxxxx xxxxx Sonst heißt es: xxxxxxxxxx, mit den Treulosen.
5: Luk. 12, 46.

 

 

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Letzte Änderung am 4. April 2008.
Gregor Emmenegger